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Der Israelit · 1882-04-19 · Heft 16 (19.4.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 16 (19.4.1882)
Date
1882-04-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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384 geklagte den Leichnam des Kindes selbst unter dem Holzstoß versteckt hat, wo er bei der Durchsuchung seiner Wohnung gefunden worden ist. Derselbe hat übrigens vor dem'Kadi und in Gegenwart des Vaters des Kindes und mehrerer Zeugen ein vollständiges Geständniß abgelegt. Der Vater des Kindes hat erklärt, nur allein gegen das in Rede stehende Individuum Verdacht zu haben; er weist den Blutpreis für seine Tochter zurück und fordert die Hinrichtung des Schuldigen. Aus dieser Untersuchung geht hervor, daß kein Israelit in diese Angelegenheit sich verwickelt findet. Feuilleton. Löb Munitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem e r st e n D r i t t e l des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Siebentes Kapitel. Es war ein entsetzlich rauher Wintertag. Ein wilder Sturm durchraste die Straßen und jagte die Schneeflocken, die mit unermüdlicher Hast vom bleigrauen Himmel niedersanken in tollem Wirbel durcheinander, zuweilen riß der tobende Orkan auch Schindel, Ziegel oder Stücke morscher Dachrinnen ab und schleuderte sie auf die Straße, so daß diese, wenn möglich, vou Menschen gemieden wurde. In der Spornergasse, einer Straße auf der Prager Kleinseite, war Ester Ulschitz, welche von ihrem Vater auf diese, jenseits der Brücke und entfernt von der Judenstadt gelegenen Stadttheil, gesandt worden war, um bei einem dort wohnenden Wachszieher Hawdalas*) zu bestellen, von dem Unwetter überrascht worden. Sie befand sich allein in der Straße und suchte Zuflucht in einem der herrschaftlichen Häuser, an denen diese Straße so reich ist. Im ersten Momente schien der Portier — ein riesengroßer Mann in langem, blauen Pelze, einem dreieckigen, goldbordirtem Hute, mit einem unglaublich langen gewichsten Schnurrbarte, Bandelier und einen! gewaltigen Bambusrohr mit Silberknopf in der Hand — geneigt, das Mädchen, das schüchtern in die hohe gewölbte Einfahrt eintrat, fortzuweisen; aber die blendende Schönheit desselben, die Anmuth, 1) Aus Wachsfäden geflochtene Kerzen, welche bei der Benediktion, die beim Scheiden des Sabbats gesprochen wird, airgezündet werden. mit der sie in gut gewählten Worten um die Erlaubnis; bat, hier das Ende des entsetzlichen Unwetters abwarten zu dürfen, entwaffnete seine, in diesem Falle noch durch Judenhaß verschärfte Portiergrsbheit; — und er ging sogar soweit, sie einzuladen in sein Zimmer zu treten, sich mit seiner Frau und Tochter zu unterhalten, was Ester aber mit höflichem Danke ablehnte. — Sie mochte einige Minuten im Flur gestanden haben, als eine hohe, schlanke Männergestalt die breite Marmortreppe niedersticg. Sie erkannte dieselbe, sie erschrak heftig, ihr Herz begann so stark zu pochen, daß das sonst kräftige Mädchen sich kaum auf den Füßen zu erhalten vermochte. Es war Benjamin Deutschländer, der ein Kästchen unter dem Arme, offenbar eben von einem seiner vornehmen Kunden kam. — Ester hatte Benjamin seit jener Nacht nicht gesehen, in der sie das harte Wort gesprochen, sie würde nie seine Gattin werden, wenn er sich nicht von jenem ihr so verachtungswürdigen Manne lossagen würde, — wo er allerdings nach hartem Seelenkampfe erklärt hatte, auf das, was ihm als höchstes Lebensglück erschien, verzichten zu müssen. Zweifaches hatte Ester endlos tief geschmerzt, einmal den Untergang ihrer süßesten Hoffnung; — und — daß der Mann, dem sie mit so heißer, inniger, treuer Liebe anhing, der Mann, dessen Gattin zu werden ihr als das schönste Erdenloos erschien, sich — wie sie, gedehmüthigt und von bitterem Schmerze erfüllt, glaubte - um Geringes, um leicht Ausführbares — um Löb Hunds willen verstieß, um Löb Hunds willen, ihr und sein Lebensglück muthwillig zerstörte. Das arme Mädchen hatte längere Zeit gehofft, Benjamin würde sich bedenken, würde dem allgemein verachteten Manne entsagen, reuig zu ihr zurückkchren; aber ihre Hoffnungen waren nicht in Erfüllung gegangen und tiefe Traurigkeit hatte ihre verzagende Seele erfaßt. Diese Traurigkeit war, wenn möglich, noch erhöht worden. Wie wir wissen, hatte der reiche Zodok Opotschna um ihre Hand geworben; eine kurze Zeit war es Ester gelungen, es ihrem Vater begreiflich zu machen, daß sie das Recht habe, die Werbung zurückzuweisen, eine kurze Zeit hatte sich die Stimme der Vaterliebe in Sabel Ulschitz Herzen zu Gunsten seiner bedrückten Tochter geregt; bald aber hatte der Einfluß seines verderbten Weibes, seinen nur zeitweilig erstickten Egoismus wieder zu vollen Flammen angefacht, alle seine Bedenken besiegt. Es war ihr unschwer geworden, Ester als ein eigenwilliges, böses Kind darzuftellen, in dessemHand es lag, die Seinigen zu beglücken, selbst eine reiche allbeneidete Frau zu werden; — die ihr und der Ihrigen Glück in sinnloser Weise von sich stieß. Der Vater und namentlich die böse Stiefmutter über-

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