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Der Israelit · 1882-04-19 · Heft 16 (19.4.1882) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 16 (19.4.1882)
Date
1882-04-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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383 befindet sich im 60. Bande des Globus Nr. 9 Seite 143 in einem Artikel von F. Ratzel über die Chinesenauswanderung, in welchem übrigens der Juden keiner Erwähnung geschieht, Folgendes: „Das bedeutendste Ereigniß auf diesem Gebiete ist das vertragsmäßig durch die Vereinigten Staaten von China erworbene Recht, die Zuwanderung der Chinesen nach ihrem Gebiete willkürlich zu beschränken. Fast sicher ist es, daß England im Interesse Australiens, Neuseelands und Britisch-Nordamerikas in nicht ferner Zeit sich gezwungen sehen wird, diesem Beispiele zu folgen, und wir werden dann die Ausschließung einer Race vom Wohngebiete einer andern als volksrechtlich anerkannte Befugniß der sich für besser haltenden Race von beiden Seiten der in solchen Fragen maßgebendsten Cnlturmächte der Erde anerkannt sehen." „Volksrechtlich!" Als ob Unrecht durch irgend einen Firmenstempel in Recht verwandelt werden könnte! Was in dieser Beziehung menschlich und darum auch volksrechtlich ist, lehrt ein garaltes Buch, dessen Inhalt aber nie veralten wird, nämlich unsere Bibel, die das Buch der Völker geworden ist. Vom Racenschwindel weiß dieses Buch nichts, wohl aber lehrt es die Einheit des Menschengeschlechts und befiehlt: „Den Fremdling sollst Du lieben!" „Den Fremden sollt Ihr nicht kränken und bedrücken!" und „Einerlei Gesetz und einerlei Recht soll bei Euch sein gegen den Fremden, wie gegen den Einheimischen!" Das sind volksrechtliche Bestimmungen, die im wirklichen Rechte und in wirklicher Gerechtigkeit ihre Wurzeln haben. Zum Schlüsse kann ich einen trefffichen Vortrag nicht unerwähnt lassen, welchen Professor Lazarus aus Berlin am 19. Sept. v. I. in Wien in der Versammlung des dritten deutschen Schriftstellertages gehalten hat. Er sprach über das, was die Gebildeten aller Kulturvölker Gemeinsames und Vereinigendes haben und von Wem sie dieses haben. Nachdem er der Griechen und Römer Erwähnung gethan, sprach er weiter über das, was vom Judenthume in die gesammte Culturwelt übergegangm ist, vermied als Jude dabei jedoch mit feinem Takte, das Judenthum zu nennen. Er sagte: „Und eines ist noch gemeinsam! In allen Kirchen, in allen Tempeln, welchen Glaubens sie sind, werden dieselben Psalmen gesunken. Es find dieselben Gedanken, welche vom Endlichen ins Unendliche erheben und wie das Wort „Idee" gemeinsam sind. Und es gibt noch ein Wort, das gemeinsam ist unter allen Völkern, »und das ist das Wort „Amen." Wenn ein Mensch erwärmt ist von religiösen Gedanken, dann drückt sich schließlich das Ganze in diesem einen Worte zusammen aus. Durch dieses eine Wort, welches Treue und Glauben bedeutet, welches Wahrheit bedeutet. Wahrheit dessen, was ist und was wir wünschen. In jedem Falle sagt man: „Amen!" Das ist die Gemeinsamkeit in allen europäischen Völkern und deßhalb können sie mit einander tagen und von einander lernen." i Die Rede wurde von der zahlreichen Versammlung mit rauschendem Beifalle belohnt. Frankreich. Paris. (Monatsbericht sMärz^j der „All. Jsr. Univ.^) (Die Israeliten von Serbien.) Das E.-Comittz hat aus Belgrad sehr befriedigende Nachrichten er-, halten. Die Negierung und die Kammern von Serbien behandeln die dortigen Israeliten, dem Geiste des Berliner Vertrages gemäß, mit vieler Unparteilichkeit. In der Skuptschina gicbt es 2 israelitische Abgeordnete; außerdem sind mehrere unserer Glaubensgenossen in die Verwaltung und Justiz berufen worden; die öffentliche Meinung hat diese Berufungen freundlich ausgenommen, und die Israeliten verabsäumen keine Gelegenheit, um den thätigen Antheil zu beweisen, den sie an dem nationalen serbischen Leben nehmen, und um durch ihren Patriotismus das Vertrauen der Regierung zu rechtfertigen. Sie genießen bereits alle bürgerlichen und staatlichen Rechte, obgleich diese Rechte ihnen noch nicht gesetzlich sicher gestellt sind; hierzu muß zuvor eine große Skuptschina das fürstliche Decret vom 14./26. Jan. 1879 bestätigen, wonach der Schluß des Artikel 132 der Verfassung vom 29. Juni 1869, der die Ausnahmemaßregeln gegen die Israeliten enthält, beseitigt worden ist. Man hofft, daß nächstens eine große Skuptschina zusammentretcn und das genannte Decret bestätigen wird. (Die Israeliten von Aegypten). Am 4. Februar verschwand plötzlich die Tochter einer arabischen Frau aus Port Said; es Hßr ein Kind von 7 Jahren; ein Individuum, in dessen Gesellschaft dasselbe am Nachmittage gesehen worden war, wurde arretirt und der Leichnam' des Kindes in seiner Wohnung entdeckt. Es war dies eine gute Gelegenheit, um jene Anklagen und Agitationen gegen die Israeliten zu erneuern, welche im vergangenen Jahre so ernster Natur gewesen sind; übelwollende Gerüchte verbreiteten sich sofort in der Stadt, und einige Zeitungen machten sich zum Echo derselben; aber die Behörde beeilte sich, eine Untersuchung zu eröffnen, und die offizielle Zeitung, der ägyptische Moniteur, veröffentlicht am 21. Febr. die folgende Note: Aus der Untersuchung in Angelegenheit des in Port Said an einem jungen Mädchen begangenen Mordes geht hervor, daß der genannte Ali Mohamed el Schaffei allein desselben schuldig befunden worden ist. Die Untersuchung hat festgestellt, daß der An-

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