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Der Israelit · 1882-04-19 · Heft 16 (19.4.1882) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 16 (19.4.1882)
Date
1882-04-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXIII. Jahrgang, Erste Leilage zu Ar. 1k des Israelit. Zeitungsnachrichten nnd Correfpondenzen Deutschland. Würtemberg. Der Staatsanzeiger vom 25. März bringt nachstehendes Kuriosum: Ulm, 23. März. Am 16. d. Mts. verstarb zu Meran mit Hinterlassung einer jungen Wittwe Herr Hermann v. Kaulla von Oberdischingen. Die sterblichen Reste wurden in die Heiniath verbracht, um zu Laupheim, woselbst der Verblichene der israelitischen Gemeinde angehört hatte, bestattet zu werden. Die Einwohner Oberdischingens aber, welche der Familie und namentlich dem Vater des Verstorbenen, Rittergutsbesitzer Friedrich v. Kaulla, sehr anhänglich gesinnt sind und an dem großen Unglück, das so schöne Hoffnungen zerstört hat, wärnfften Antheil nehmen, baten darum, daß der Verblichene, der allseitig beliebt war, in ihrer Mitte ruhen möge. Das katholische Pfarramt gab bereitwilligst seine Zustimmung und so erfolgte am Dienstag auf dem Friedhof zu Oberdischingen unter großer Theilnahme des Ortes und der Umgegend die Beisetzung. Es ist dies ein erfreuliches Zeichen von Toleranz in einer Zeit, wo konfessionelle Unterschiede nur allzu häufig zur Ursache oder zum Vorwand von Unfrieden und Hetzereien genommen werden. Es wäre doch interessant zu erfahren, ob keine Anverwandten und Glaubensgenossen bei der Beerdigung anwesend waren, wer die Leiche rituell behandelte und einkleidete, welcher Geistliche als Redner dabei functionirte und ob der Verstorbene ein Reihen- oder ein Familiengrab erhalten hat. (Siehe die Antwort unter Artikel „Laupheim". — Red.) Laupheim. (Württemberg.) Hermann v. Kaulla, Sohn des Herrn Friedrich v. Kaulla, Rittergutsbesitzer zu Oberdischingen, unweit hier, starb am 17. März in Meran (Südtyrol), wohin er sich zur Wiederherstellung seiner gefährdeten Gesundheit begeben, im Alter von 37 Jahren, nachdem er kaum 18 Monate verheirathet war. Nach dem Tode des Sohnes telegraphirte der bei ihm weilende Vater hierher an Herrn Dr. Rödelheimer, Oberamtsarzt, daß die Leiche nach Laupheim verbracht werde, um sie auf dem israelitischen Friedhofe (in Oberdischingen wohnen keine Israeliten) beisetzen zu lassen. Auf diese Nachricht hin wurden alle möglichen Anordnungen getroffen, um dem Verstorbenen einen würdigen Empfang und ein standesgemäßes Grabgeleite zu bereiten, um so mehr, da er ungefähr vor einem Viertel Jahre in die hiesige Israel. Gemeinde sich eingekauft. Doch da Herr von Kaulla vor dem Todten in die Heimath zurückgekommen war, wurde der Sache eine andere Wendung gegeben. Wie Abraham zu den Kindern rin als er diese um eine Begräbnißstätte für seine verstorbene Sara anging, sprach er zu dem Gemeinderathe von Oberdischingen: un \io mjpü' DDoy -)jp nrns und als darauf in entgegenkommender Weise der Gemeinderath antwortete: 'na -op unap -'naoa wurde am 20. März — p'j n"i — der junge Herr Kaulla auf dem katholischen Kirchhofe zu Oberdischingen in den kühlen Schvoß der Mutter Erde gebettet und zwar, was die Hauptsache ist, unter Leitung des hiesigen Herrn Rabbiner Kahn. Er hielt, unbeachtet seiner nrna, wie gewöhnlich auf dem Gottesacker die Grabrede, sprach darauf das V'-i:-Gebet, doch nicht o’or, denn cs war ja onn tp«n. (!!!) lieber diese in den Annalen Laupheims Epoche machende Handlungsweise des Herrn Rabbiners sind die Ansichten getheilt. Ein Häuflein der Kinder der Reform, speziell die Schleppträger des Herrn Rabbinen, erblicken in dem Vorgehen einen Akt der höchsten, lobenswürdigsten Toleranz, dagegen alle Uebrigen, unter denen viele, die auch dem Zeitgeiste huldigen, erklären die rabbinische Handlungsweise als eine wahrhaft antijüdische. Heilbronn, 26. März. Der Aufruf her hochwürdigen Rabbinate in Berlin, Mainz und Würzburg durch die jüdische Presse jeglicher Parteirichtung und in Flugblättern und das besondere Circulär des Comitb's in Frankfurt a. M., an dessen Spitze Herr Schwarzschild unterzeichnet ist, haben hier ihre volle Wirkung für die leidenden Glaubensgenossen in Rußland geübt und allgemein rege und thätige Liebe wach gerufen. Zunächst wurde die Gemeinde von dem stellvertretenden Vorsänger L. am Sabbat 'pb: 'p.-p’i 's von der Kanzel aus zur Abhaltung einer außerordentlichen Feier des pp -v.bu am P’j n"^y eingeladen und zu reichen Spenden in die aufgestellten Öpferbecken und vollen Gaben an die

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