Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1882-04-19 · Heft 16 (19.4.1882) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 16 (19.4.1882)
Date
1882-04-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2447898-2447913--18637-2474689
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

380 Uebergabe zu berathen. Das in Ravenna stehende Gothenheer wurde nach allen Richtungen hin zerstreut, alle in die Stadt geflüchteten Gothen wurden mit ihren Familien nach ihren Heimstätten entlassen. Als Belisar völlig Herr der Stadt war, ließ er den König Wittigis und seine Gemahlin gefangen nehmen, um sie nach Constantinopel zu senden. Das Gothenbanner wurde niedergerissen und an dessen Stelle die Fahne mit dem Golddrachen des oströmischen Kaisers gesetzt. In dem Augenblicke, da auf dem Thurme des Palastes, die Fahne der Gothen fiel und der König ergriffen ward, wurden die noch in der Stadt befindlichen Gothen entwaffnet. Diejenigen, welche Widerstand versuchten, wurden niedergestoßen. Nun zog Belisar in die Stadt. Im Palaste angelangt, berief er den Senat und nahm ihn in Eid und Pflicht für Kaiser Justinian. Belisar schickte seinen Geheimschreiber, den später so berühmt gewordenen Geschichtsschreiber Prokopius, dessen Aufzeichnungen wir die Berichte über diesen Krieg verdanken, mit den goldnen Schlüsseln von Rom und Ravenna zu Justinian. Dieser sollte sogleich ausführlichen Bericht erstatten, für Belisar die Ehre des Triumphes erbitten und Lucius Licinius für die hohe Stellung eines Exarchen von Italien empfehlen. Auch Antonina gab dem Prokopius einen Brief au die Kaiserin Theodora mit, in welchem sie ihre Freundin ersuchte, daß dieselbe bewirke, daß Lucius Licinius den Befehl erhalte, mit Belisar nach Constantinopel zu reisen, um sich persönlich dem Kaiserpaare vorzustellen. Justinian und seine Gemahlin befanden sich um diese Zeit in den Bädern von Epidaurus, so daß die Meldung bald zur Stelle sein konnte und die Antwort nicht allzulange auszubleiben brauchte. Gern wäre Lucius Licinius auf sein Schloß bei Benevent geeilt, um Miriam zu holen; aber Belisar, von Antonina beeinflußt, ließ ihn nicht fort. Bald kam auch die kaiserliche Antwort und zu seiner Ueberraschung mußte Lucius Licinius nach Constantinopel reisen, wohin sich unterdeß auch das Kaiserpaar begeben hatte. Belisar übergab den Oberbefehl einem seiner Feldherrn Namens Bessus. Stolz und freudig trat er die Rückreise nach Constantinopel an. Sein Sieg über die Gothen war der schönste und herrlichste, den er erkämpft hatte. An Zahl und an Heldenthum waren die Gothen den Griechen überlegen gewesen, und sie hatten es nicht fehlen lassen an jeder Anstrengung. Die griechischen Soldaten waren den großen, gewaltigen Gothen nicht gewachsen. Dennoch hatten sie gesiegt. Es war die Feldherrngröße Belisar's, welche den Sieg errungen. Er und nur er war es, welcher das Westreich zurückerobert, Rom wiederum dem Kaiser gewonnen hatte. Und welchen Beweis von Treue hatte er gegeben! Eine Krone war ihm angeboten worden. Er hatte sie angenommen, aber nur um sie seinem Kaiser zu Füßen zu legen! Diese Gedanken schwellten seine Brust und ließen ihm schon im Voraus in den Freuden des zu erwartenden Triumphes schwelgen. In der Nähe von Byzanz fuhr der Trireme des Feldherrn, ein kaiserliches Luftschiff entgegen. Nachdem es an der Trireme angelegt hatte, bestieg Alexandros des Feldherrn Schiff. Er überbrachte ein kaiserliches Handschreiben. Belisar nahm dasselbe knieend entgegen, küßte das Sigel, erhob sich wieder, öffnete und las: „Justinianus, der Imperator der Römer, Herr des Morgen- und des Abendreichs, Besieger der Perser und Saracenen, der Vandalen und Alanen, der Hunnen und Bulgaren, der Avaren und Slovenen und zuletzt der Gothen, an Belisar, den Consularen, ehemals Magister Militum. „Einen Triumph, wie nach dem Vandalenkrieg, können wir Dir um so weniger gewähren, als weder Rom noch Ravenna durch Deine Tapferkeit gefallen, sondern Rom durch Uebergabe, Ravenna durch Erdbeben „Dagegen bist Du wegen höchst verdächtiger Aeußerungen des Hochverraths angeklagt. „Da wir eingedenk früherer Verdienste nicht ohne Verhör Dich verurtheilen wollen, so sehen wir von der Verhaftung ab, die Deine Ankläger beantragten. Ohne Ketten, nur in den Fesseln Deines Dich selbst anklagenden Gewissens, wirst Du vor unser kaiserliches Antlitz treten." Da wankte Belisar, er konnte nicht weiter lesen; er bedeckte das Gesicht mit den Händen. Das Schreiben entfiel ihm. Alexandros hob es auf, küßte es und las weiter: „Alexandros wird Dich in Dein Haus führen und dasselbe bewachen lassen, bis Du Deine Unschuld erwiesen hast. „Morgenland und Abendland sollen für ewige Zeiten uns feiern als den Kaiser der Gerechtigkeit." (Fortsetzung folgt.) Hierzu fünf Beilagen. verantwortliche Radaction: Or. Lebmann in Mainz. — Verlag u::v ^jroebition des .Israelis* gtoge Bleiche 4f>. I. GotiS! ebe n'S Bnchdruckere, ( i'Catmet Änreiger >.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.