Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1882)
- Date
- 1882-04-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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379 lisar all sein Feldherrntalent und all seinen Helden- I muth. Ohne Helm und Harnisch, wie er sich von seinem Feldbette erhoben, hatte er sich zuerst seinen eigenen fliehenden Vorposten, dann den gothischen Verfolgern entgegengeworfen und durch äußerste persönliche Anstrengung und Aufopferung das Gefecht zum Stehen gebracht. Daraus hatte er mit seinen beiden Flanken so geschickt manövrirt, daß des Königs Rückzug ernstlich bedroht war und die Gothen, um nicht abgeschnitten zu werden, all die errungenen Vortbeile aufgeben und schleunigst in die Stadt zurückeilen mußten. An diesem Tage lernten die Gothen den Heldenmuth Belisars bewundern. Auch König Wittigis war ein Held; aber das Unglück heftete sich an seine Fersen. Die Franken, mit denen er ein Bündniß geschlossen, versagten die Hilfe, ebenso die Westgvthen. Zweihundert Getreideschiffe, welche die Vorräthe in Ravenna vermehren sollten, konnten in Folge des niedrigen Wasserstandes — es hatte Monate lang nicht geregnet — nicht rasch genug den Fluß herabgebracht werden; sie sielen in Belisar's Hand. So hatten auch die Gothen ihre Flotte verloren. Da zog ein mächtiges Gewitter heraus. Den Himmel bedeckten schwarze Wolken. Ein rother Strahl fiel grell und blendend hernieder; in demselben Augenblick schmetterte ein furchtbarer Donnerschlag, knatterend, prasselnd, krachend über die bebende Stadt; zugleich erhob sich ein schrecklicher Sturm Unaufhörlich rollte der Donner. Auch die Erde erbebte. Die Mauern von Ravenna stürzten ein und die Thürme fielen in Trümmer. Plötzlich erglühte der ganze Horizont über der Stadt. Eine Flammensäule schoß hoch empor und zahllose Funken stoben nieder. Es schien Feuer vom Himmel zu regnen, ganz Ravenna glänzte im rothen Lichte. Der Blitz hatte im Innern der Kornspeicher gezündet, ohne daß es Jemand bemerkt hatte. Der Sturmwind fuhr in die Lohe und entfachte sie riesengroß. An Löschen war nicht zu denken. Die Speicher mit allen ihren Borräthen verbrannten bis auf die Mauern. Die letzte Zuversicht der Gothen war dahin. König Wittigis ließ sofort die Breschen, welche das Erdbeben in die Mauern gerissen, mit den Tapfersten seiner Helden besetzen, um das Eindringen der Griechen abzuwehren; allein es war keine Hoffnung mehr aus Rettung; der Hunger mußte zur Uebergabe zwingen. Da faßte der König einen heroischen Entschluß. Er schrieb an Belisar einen! Brief des folgenden Inhalts:! „Feuer, Wasser, Luft und Erde haben sich ' gegen mich empört. Es liegt ein Fluch auf mir, , um meinetwillen erliegen die Gothen, und ich bin > das Unglück meines Volkes. Das soll nicht länger , sein! Belisar, tapferer Held und großer Feldherr, ich lege die Krone in Deine Hand. Erhebe Dich gegen Iuftinian, den treulosen und undankbaren Mann. Laß mich der Erste sein, der Dich begrüßt als den Kaiser des Abendlandes und als den König der Gothen. Alle Rechte bleiben meinem Volke, Du trittst einfach an meine Stelle. Ich selber setze Dir meine Krone auf das Haupt und wahrlich! kein Iuftinian soll sie Dir entreißen. Verwirfst Du diesen Antrag, so mache Dich gefaßt auf einen Kampf, wie Du noch keinen gekämpft. Ich breche dann mit fünfzigtausend Gothen in Dein Lager. Wir werden fallen, aber auch Dein ganzes Heer. Eins oder das Andere. Ich hab's geschworen. Wähle! Wittigis." Als Belisar diesen Brief empfing, versammelte er die Feldherren seines Heeres; auch Lucius Licinius nahm an der Berathung Theil. „Ich bewundere den Mann," sagte Belisar, nachdem er den Brief vorgelesen hatte, „und verzeihe ihm, daß er mich der Empörung fähig hält. Dieser Brief bringt mich in große Verlegenheit. Ich kann natürlich die dargebotene Krone nicht annehmen; aber ich kann sie auch nicht verweigern ohne des Kaisers Heer der Vernichtung auszusetzen. Rathet mir, was ich thun soll." „„Es bleibt kein anderer Ausweg,"" sagte Lucius Licinius, „„als daß Du die Krone zum Scheine annimmst, ohne Schwertstreich in Ravenna einziehst und dann die Gothenkrone sammt dem Könige nach Constantinopel schickst."" „Das ist Verrath!" rief Belisar. „Darein willige ich niemals!" „„Gut,"" antwortete der Römer, „„so ist Dein Heer verloren. Fünszigtausend in Verzweiflung kämpfende Gothen werden ihm Tod und Verderben bringen."" „Rein, nein," sagte Belisar, „ich kann solchen Verrath nicht üben." „„Großer Feldherr',"" entgegnete Lucius Licinius, „„es bietet sich Dir die beste Gelegenheit, das Mißtrauen des Kaisers auf's Glorreichste zu beschämen. Er beschuldigt Dich, Du trachtetest nach der Herrschaft des Abendlandes. Die hast Du etzt in Händen. Ziehe in Ravenna ein, laß Dir von Gothen und Jtaliern huldigen und zwei Kronen auf Dein Haupt setzen. Du aber. Du legst alle diese Macht nnd alle diese Herrlichkeit Deinem Herrn zu Füßen und sprichst: Siehe, Iuftinian, Belisar ist lieber Dein Knecht als der Herr des Abendlandes."" Solchen Argumenten konnte Belisar nicht widerstehen. Am andern Tage schon zog eine Gesandtschaft des Belisar in den Palast des Königs Wittigis, um die näheren Bedingungen und die Form der