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Der Israelit · 1882-04-19 · Heft 16 (19.4.1882) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 16 (19.4.1882)
Date
1882-04-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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376 unser bestes um sie für unsere russischen Brüder zu erringen und danken wir Gott, daß wir sie nicht dort zu suchen haben, daß sie uns in unserem geliebten Deutschland zu Th eil geworden. Unsere Aufgabe, ja unsere Pflicht ist daher, unsere amerikanischen Brüder in ihrem edlen Streben zu Gunsten unserer flüchtigen russischen Glaubensgenossen zu unterstützen und ihnen mit Geldbeiträgen an die Hand zu gehen; der weit schwierigere Theil der Aufgabe bleibt doch ihnen allein. Und daß die Schwierigkeiten überwunden werden, dafür sorgt der praktische Geist der Amerikaner, ihre Energie und Thatkraft. Das ist es auch was wir allen Bedenken entgegenzusetzen haben, die Amerikaner werden ihre Ehre darin suchen, ihr Vorhaben durchzuführen, ste sind findig genug, alle Hemmnisse zu beseitigen, sie sind die Garanten des Erfolgs, und diese Bürgschaft muß uns genügen und kann uns genügen. Wir haben noch eine Sache zu berichten, die uns nicht minder warm am Herzen liegt, es ist die religiöse. Es ist schon von Herrn Moritz Ellinger, den die Amerikaner herübergesandt haben, um die Sache anzuregen und der es verstanden hat, namentlich Frankfurt zu begeistern, erklärt worden, daß jedem der Einwanderer die Gelegenheit gegeben werden müsse, seiner religiösen Ueberzeugung gemäß zu leben, er hat besonders dargelegt, wie es ihnen in den Ackerbaukolonien möglich sei, ihre Gemeindeeinrichtungen und Institutionen ganz aus streng religiöser Basis zu gründen und zu erhalten. Er erzählte uns, wie eine Anzahl Arbeit bei einer Eisenbahn gefunden, am Samstag feierten und dagegen am Sonntage arbeiteten und für diesen Tag doppelten Lohn empfingen, weil am Sonntag die Arbeiter rar seien. Es herrschen eben in Amerika andere Verhältnisse wie bei uns und gerade jetzt ist dort dem Antisemitismus gegenüber das Bestreben den Juden herauszukehren und das kömmt unfern armen Brüdern auch hinsichtlich der Befolgung des jüdischen Religionsgesetzes sehr zu statten. Wenn auch Herr Ellinger volles Vertrauen verdient, wenn wir auch persönlich keinen Zweifel in seine Versicherungen setzen, so genügt das, sobald es sich um eine allgemeine Angelegenheit handelt, nicht, wir müssen suchen, uns Gewißheit zu verschaffen. Wir haben deßhalb mit Freude eine dargebotene Gelegenheit ergriffen, um von unparteiischer, zuverlässiger Seite Erkundigungen einzuziehen. Einer unserer Freunde, ein braver Jehudi, ist nämlich vor 12"' von einer Geschäftsreise nach Amerika zurückgekommen und hat uns berichtet, daß er selbst auf Blackwell Jland gewesen, daß dort die Küche koscher sei und unter der Aufsicht der zuverlässigsten Gemeinde in New-Aork resp. ihres Rabbiners und jm stünde, daß es wohl möglich sei, in i New-Aork selbst wie auch in den größeren Städten i des Inlandes, namentlich aber in den zu gründenden! Colonieen als Jehudi zu leben. Er bemerkte uns! ferner, daß grade der Verkehr mit den Einwanderern in den Händen der orthodoxen ComitLmitglieder! liege und daß diese gewiß Jedem, der Jehudi bleiben! wolle, die Möglichkeit verschafften, demgemäß zu leben; allerdings befanden sich auch unter den Einwanderern solche, die auf das jüdische Leben nicht reflectirten und diese können zu einem solchen nicht gezwungen werden. Wir halten diese Auskunft, die, wie gesagt, von einem gewissenhaften und angesehenen deutschen Juden gegeben ist, für genügend, um unsere religiösen Bedenken zu beseitigen. Wenn uns gesagt wird, es seien Berichte von Einwanderern eingelaufen, die sich anders aussprechen, so kommen diese von uns unbekannten Leuten, deren Gewissenhaftigkeit und Wahrheitsliebe wir nicht kennen und haben dadurch für uns keinen Werth; wir kennen es aus Erfahrung, daß dergleichen Leute zur Unzufriedenheit geneigt sind und Alles bekritteln und bemängeln, wenn auch in der That keine Ursache dazu vorhanden. Nach der Lage der Sache dürfte das Londoner Comitö der Mittelpunkt für das russische Hilsswerk werden, dasselbe ist am genauesten mit den Verhältnissen namentlich in Amerika bekannt und hat bereits am meisten geleistet, die bedeutendsten Persönlichkeiten stehen an der Spitze, zu seinen Mitgliedern gehören Dr. Adler und andere als religiös bekannte Männer, es bietet daher nach jeder Seite hin die besten Garantieen. Dasselbe hat einen gemeinschaftlichen Fond von Lstr. 25000 für die Colonisation in Amerika gebildet, welcher Fond in die zuverlässigsten Hände in New-Aork gelegt werden soll; das Frankfurter Comittz hat gutem Vernehmen nach auf Aufforderung des Lord Mayor von London Lstr. 5000 zur Bildung dieses Fonds beigesteuert und dabei betont, daß dem Einwanderer die Gelegenheit gegeben werden müsse, seiner religiösen Ueberzeugung gemäß zu leben, die Ehrenhaftigkeit des englischen Comitös bürgt dafür, daß dieses auch geschehen wird. Wir dürfen nicht vergessen, daß soviel auch geschehen ist, dies verschwindet gegen die Größe der noch zu bewältigenden Aufgabe, daß die Anforderungen sich naturgemäß stets steigern, daß es Pflicht eines jeden Menschen, insbesondere eines jeden Juden ist, mit voller Hingebung und voller Kraft dafür einzutreten, daß diesen Anforderungen Genüge geschehe. Nachschrift. Nachdem wir das Vorstehende, das unserer vollen Ueberzeugung Ausdruck gibt, niedergeschrieben, wird uns von gewichtiger Seite der Colonisation in Palästina das Wort geredet, wir haben dem gegen-

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