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Der Israelit · 1882-04-19 · Heft 16 (19.4.1882) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 16 (19.4.1882)
Date
1882-04-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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375 einer arbeitsunfähigen Menge überfluthet zn werden, es verlangt vor Allem Auswahl; nur arbeitsfähige und willige Menschen sollen ihm zugeschickt werden; es verlangt ferner, daß Europa an den Kosten der Ansiedlungen partizipire. Es ist das sicher kein ungerechtes Verlangen, wir können nicht erwarten, daß uns Amerika die Sorge und Last abnehme und wir nur zuzusehen brauchen; wir müssen mittragen helfen. *) Die amerikanischen Comics sind mit großer Hingebung und sichtbarem Geschick bemüht, die eintreffenden russischen Einwanderer zu placiren, ihnen Arbeitsverdienst zu verschaffen. Der Staat New- Z)ork hat ein großes Gebäude aus einer Insel bei New-Jork Bläkwell Jland zur Verfügung gestellt, in welcher die Emigranten untergebracht werden bis eine Beschäftigung für sie entweder in New-Iork selbst oder im Innern des Landes gefunden ist. Zu dem Ende sind Zweigcomit6s in allen Theilen des Landes errichtet, welche die Unterbringung vermitteln und den Angekommenen zur Seite stehen. Die amerikanischen Eomittzs haben daher die Aufgabe, die Einwanderer zu verköstigen bis sie eine Beschäftigung gefunden haben, ihnen das Fahrgeld von New-Aork bis zu ihrem Bestimmungsorte zu bewilligen und für ihre Installation Sorge zu tragen. Es verursacht das außer der beschwerlichen Mühewaltung nicht unbedeutende Ausgaben, es sind solche jedoch nicht derartig, daß Amerika sie nicht allein aufbringen könnte. Allein auf diese Weise können nicht alle Einwanderer untergebracht werden, es steht dem Angebot von russischen Arbeitern nur ein sehr mäßiger Bedarf gegenüber, der nur durch die eindringliche Verwendung der Comitss hervorgerufen, bald befriedigt ist und dann ganz aufhört, es muß noch für eine dauernde Versorgung der russischen Einwanderer gesorgt werden und das kann nur durch Ackerbaukolonieen geschehen. Für diese bietet Amerika. noch für viele Jahre hinaus genügenden Raum, der Erfolg ist voraussichtlich ein sehr günstiger, allein er verlangt auch große Geldopfer. Der Erwerb des Grundbodens selbst ist nicht kostspielig, es werden große Terrains theilweise unentgeltlich, theilweise zu sehr billigem Preise überlassen, dagegen sind die Einwanderer in die ziemlich entfernt liegenden Ansiedlungen zu überführen, sie müssen mit Vieh und Ackergeräthschaften, mit zuverlässigen, den Landbau und alle einschlagenden Verhältnisse genau kennenden Jnspectoren und Jnstructoren, sie müssen ferner das erste Jahr mit Lebensmittel und sonstigem Bedarf versehen werden, bis sie so viel ernten, um davon *) Anm. der Red.: Und was soll aus den armen, arbeitsunfähigen Vertriebenen werdend leben zu können. Man hat berechnet, daß dies im Durchschnitt für die Person hundert Dollars also für eine Familie voll fünf Personen fünfhundert Dollars beträgt. Das ist Amerika nicht verpflichtet zu leisten und dafür verlangt es die Mithilfe von Europa. Dagegen ist dies Geld nicht verloren, die Farmen haben nach wenigen Jahren einen großen Werth, die Besitzer sind im Stande aus den Erträgen derselben die ihnen gemachten Vorlagen zurückzuzahlen und bleiben noch vermögende Landbesitzer, die dann im Stande sind, ihre in der Heimath zurückgebliebenen Verwandten Nachkommen zu lassen und ihnen zu ihrem weiteren Fortkommen zu verhelfen. Es sollen daher die von dem Comitö gemachten Auslagen hypothekarisch auf die Farmen eingetragen und die späteren Rückzahlungen zur Gründung weiterer Niederlassungen benutzt werden. Wenn auch durch die Ansiedlungen nur einer verhältnißmäßig geringen Anzahl unserer leidenden Brüdern geholfen werden kann, so ist die Hilfe dagegen eine dauernde, eine solche die immer weiter wirkt und immer größeren Kreisen zu Gute kömmt, sie ist ein Saatkorn, geeignet vielfältig Früchte zu tragen; es wird für die überschüssigen Kräfte ein Abfluß eröffnet, der immer stärker und befruchtender sich erweisen wird je länger er dauert. Vor etwa 40 bis 50 Jahren waren die Verhältnisse für uns Juden in Deutschland auch nicht günstig; wenn wir auch vor Mord und Todtschlag, vor Gewaltthat und Plünderung geschützt waren, so waren wir doch in vielfacher Beziehung eingeschränkt, in vielen Gegenden bestanden noch die Matrikel, in allen war die Ansässigmachung mit vielen häufig unüberwindlichen Schwierigkeiten verbunden, es waren dadurch viele junge Männer gezwungen nach Amerika, diesem Horte der Freiheit auszuwandern und haben dort nicht allein ihr eignes Glück, sondern auch das ihrer Angehörigen, ihrer Verwandten und Freunde gegründet. In vielen Fällen haben sie den Wohlstand ganzer Gegenden veranlaßt und befördert, den Verkehr zwischen der alten Heimath und dem Adoptivvaterland gesteigert, den Fabriken billige Rohmaterialien zugeführt und neue Absatzwege für ihre Fabrikate eröffnet und so für das Allgemeine höchst segensreich gewirkt. Sicherlich verdanken die deutschen Juden ihre Prosperität zum großen Theil dem direkten oder indirekten Verkehr mit Amerika. Und unseren unglücklichen, mißhandelten, geknechteten russischen Brüdern sollten wir nicht den Weg zu Wohlfahrt zu eröffnen suchen, sollten nicht unser Schärflein dazu beitragen, sie von der Knechtschaft zur Freiheit nnir> nnzjya zuführen? Die goldne Freiheit winkt uns in Amerika, thun wir

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