Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1882)
- Date
- 1882-04-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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357 unterrichtet," sprach Opotschna nach langem Bedenken, „und ich kann das nicht begreifen. Selbst Dein Bruder Tije weiß z B. nichts von meinen Beziehungen zu Wodnian; so kennt meine Verhältnisse nur ein Mensch auf Erden, mein Buchhalter Josef Pardubitzer, aber das ist ein ewedneemon^) — der ist verschwiegen wie das Grab!" „Du befindest Dich da in einem großen, gefährlichen Jrrthume. Es ist eben Pardubitzer, Dein Vertrauter, mit dem Du Alles besprochen, vor dem Du gar kein Geheimniß hattest, der mir diese Mittheilung gemacht hat... . Durch ihn lernte ich auch den vollen Umfang Deiner väterlichen Liebe für mich kennen .... Du wolltest, daß ich ewig ein thörichter Mann bliebe, der sich nicht um den Ernst des Lebens, nicht um sein großes Vermögen kümmert, das sein Vater für sich und seine Kinder zweiter Ehe auszubeuten beabsichtigt. .... Durch ihn erfuhr ich, weßhalb Dir ein reicher Schwiegervater für mich nicht paßte; — ein solcher hätte verlangt, ich sollte mich mit meinem großen Vermögen auf eigene Fuße stellen, darum begünstigst Du — der Du für Deinen zweiten Sohn möglichst viel Geld erpressen wolltest, — meine Neigung — was sprech' ich — meine glühende Leidenschaft für Ester! Deren Vater, der arme Schammes, würde es nicht wagen, mit Ansprüchen hervorzutreten, er würde mir nicht in meine Angelegenheit d'rein reden, würde es ganz Dir überlassen, mich zu leiten, und da würdest Du mich, wie Du es bisher gethan, in schlauer Weise von Deinem Geschäfte fern halten, würdest mich mit Spielereien, kindischen Ehrenämtern beschäftigen, würdest mit meinem Gelde, das ich von meinem Großvater und meiner Mutter geerbt, Dein großes Geschäft weiterführen, meinen Bruder, meine Schwester zu reichen Leuten machen! .... Ester, dachtest Du, würde eine begnügliche, anspruchslose Frau sein, sie würde mich zur Sparsamkeit anhalten, ich würde nicht den fünften Theil von dem, was Du mit meinem Gelde gewinnst, verzehren; das Andere sollte Dir und meinen Geschwistern zu Gute kommen; — der Plan war gut ausgedacht — aber Tate, Du hast die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Ich fordere den Ausweis über mein Vermögen, das Du so lange verwaltetest — und dann dieses selbst, .... Ich hoffe, Du wirst so klug sein, diese Angelegenheit ohne Zwang, ohne daß ich dieserwegen die Vermittlung des Oberrabbiners oder des Primators in Anspruch zu nehmen brauche, rasch in freundschaftlicher Weise ordnen!" Opotschna sank wie vernichtet in seinen Lehnstuhl zurück. Er wußte nicht, was er auf die wohlbegründeten Anschuldigungen seines Sohnes zu erwidern vermöchte, in seiner momentanen Ohnmacht entlud sich sein Grimm auf den Verräther, auf seinen Buchhalter Josef Pardubitzer, und er brach los: „Der elende, nichtswürdige Mensch, den ich von Jugend an wie meinen eigenen Sohn gehalten! — Als armen, elternlosen Knaben habe ich ihn aus dem Armenkinderlehrhause in mein Haus ausgenommen, habe ihn unterrichten lassen, ihn in mein Geschäft genommen, ihm mein unbeschränktes Vertrauen geschenkt — er hat ein großes Gehalt bei mir, mancher Kaufmann würde gern mit ihm tauschen, er hätte auch schon recht gute Schiduchim machen können! .... Den nächsten Rosch chodosch^) muß er mein Haus verlassen!" „Du kömmst feinem Wunsche zuvor, er will Dein Haus verlassen." „Was will er beginnen?" frug Opotschna hastig. „Er tritt in ein neues Geschäft — in meines. Da Du es vorgezogen, statt Deines Erstgeborenen Deinen zweiten Sohn zu Deinem Handlungsgesellschaftler zu machen, muß ich mich selbständig machen. Ich habe nur so lange gewartet, bis ich ein Mädchen gefunden, das ich zum Weibe nehmen will; — ich habe es Dir schon gesagt, Ester's Vater hat Reb Gerschom's Antrag mit Freuden angenommen, — jetzt fordere ich mein Vermögen von Dir — und da Du stets so gütig gewesen, mich nie durch Beschäftigung in Deinem großen Geschäftshause zu belästigen, da ich im Handlungswefen keine genügende Kenntnisse besitze, muß ich mir meinen wahren, aufrichtigen Freund — Deinen Buchhalter Josef Pardubitzer zum Compagnon wählen. Ich besitze das große Vermögen, er die Geschäftskenntniffe; auch hoffe ich, mich selbst in nicht gar zu langer Zeit eingearbektet zu haben, — ich glaube, es wird sich ganz gut machen!" Opotschna blieb wie versteinert sitzen, er hatte den eignen Sohn nicht gekannt! Zodok. den er für einen unselbständigen, nur halb klugen, nur für Schmeicheleien empfänglichen, eines ernsten Gedanken unfähigen, einer anstrengenden Arbeit abholden, ziellos fortlebenden, nur momentanen Eingebungen folgenden Menschen gehalten hatte, entpuppte sich nun als schlauer, zielbewußter, tückisch im Dunkeln schleichender, rücksichtsloser Mensch; der, wo es seinen Vortheil galt, den eigenen Vater nicht schonte, ihn erbarmungslos zu Grunde richtete. Zu spät lernte er einsehen, daß Zodok auch geistig sein echter Sohn, sein wahres Abbild war. Mit dem Aufgebote aller feiner Geisteskräfte haschte er nach einem Mittel, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, er glaubte ein solches gefunden zu haben und schrie: „Also dem Menschen, der sich gegen Deinen 2) treuer L teuer. 3) ersten Monatstag.