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Der Israelit · 1882-04-12 · Heft 15 (12.4.1882) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 15 (12.4.1882)
Date
1882-04-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXIII. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 15 des Israelit. Leitender Artikel. Line erneuerte Verdächtigung gegen das Schächten. Erwiderung auf die Schrift des Herrn C. Bau Werker. „Das rituelle Schächten im Lichte der Wissenschaft." (Schluß.) 8. „Beide Methoden waren zur Zeit der Kayserling'schen Brochüre noch nicht gekannt; die Autoren jener Gutachten waren demnach auch nicht in der Lage, einen Vergleich Zwischen den neuen Schlachtarten und dem rituellen Schächten anzustellen .... Würden die Autoren der Kayserling'schen Schrift heute nochmals unr Abgabe ihrer Gutachten ersucht und hätten sie einen Vergleich Zwischen Schlacht- und Schußmaske einer- und zwischen dem Schächten andrerseits zu ziehen, dann bliebe wohl die ganze Brochüre ungedruckt, auf die sich heute alle Vertheidiger des Schlichtens .... stützen." Seltsam! höchst seltsam! Herrn Bauwerker, der so ziemlich alle einschlägigen Schriften dieser Streitfrage studirt hat, der sogar in die Winkeltheologie eines Stern-Theologus-Rubens hinabgestiegen, um die religiöse Seite der Frage kennen zu lernen, der aus „einem ehrwürdigen in Schweinsleder gebundenen Folianten" sich Material für seine Schrift geholt — sollte die von Herrn vr. Engelbert im Jahre 1876 herausgegebene Denkschrift entgangen sein, in welcher die Stellung jener Autoren zur untrrdeß erfundenen Bouterole nach nochmaliger erneueter Einholung von Gutachten klipp und klar mitgetheilt ist? Seltsam! höchst seltsam! In diesen Gutachten sprechen sich nun die Her-; ren Zanegger, Gamgee, Chauveau, Gerlach, Adam,! Bagge und Hannover über das Schlachten mit der ' Bouterole im Vergleich zur Schächtmethode aus, j bleiben aber bei ihrem bereits früher über die Schechitah i abgegebenen günstigen Urtheil. Ja, Bagge und i Hannover ziehen Kopfschlag oder Schächten dem! Schlachten mit der Bouterole vor. Lydtin, badischer Medizinalreferent im großherzogl. Ministerium, räumt dem Schächten sogar einen Vorzug ein, da es den Vortheilhat, „daß es unfehlbar und ohne jede Wiederholung des tödtlichen Streiches denTod desThieres in kurzerZeit herbeiführ t, während bei dem G e n i ck st i ch e unter sechs Streichen einer, bei dem Schlag aus den Kopf unter fünf einer, bei Anwendung der Schlachtmaske unter zehn einer fehlt, und die Operation ein, zwei und auch mehrere Male wiederholt werden muß". — Und wie hat sich denn die Handhabung der Bouterole in der Praxis herausgestellt? Von allen Seiten kamen im Anfänge Nachrichten, daß die Einführung der Schlachtmaske auf Widerstand stoße; selbst in'Paris, dem Mutterorte der Erfindung, benutzten sie nur wenige. Es war dieser Widerstand nicht ein solcher, den jedes Neue zu überwinden hat, sondern die Thatsache, daß bei Anwendung der Schlachtmaske sich Scenen ereigneten, welche auch die ältesten und beherztesten Metzger schaudern machten. So erklärten 12 Metzger aus Frankfurt a. M. unterm l.Mai 1876, daß die vor zwei Jahren versuchsweise cingeführte Bouterole wieder außer Gebrauch gesetzt worden sei, weil sie sich nicht bewährt habe. „Selbst nach dem regelrechten Eintreiben der Bolzen erfolgte nicht der Tod, sondern das Thier war nur zum Fall gebracht, betäubt und schlug mit den Beinen derart um sich, daß die Adern nicht ohne Gefahr für den Metzger geöffnet werden konnten. Es mußte daher entweder mit dem Beile geschlagen oder nach Herausnahme der Bolzen der Rückenmarkstrang mit einem spanischen Rohr abgestoßen werden. 'Das Letztere ist aber so grauenhaft, daß wir es nicht mitanzusehen vermochten, obwohl wir energische, znm Theil in unserm Berufe ergraute Metzgermeister sind." Wir wollen dem noch hinzufügen, daß vor drei Jahren von Seiten des Thierfchutzvereins vergeblich der Anlauf gemachtwurde, eine verbesserte Bruneau'sche Maske einznführen; heute spricht Niemand mehr davon. Herr Bauwerker muß wohl selbst gefühlt haben, daß das Schächten an sich nicht so ohne Weiteres gegenüber den vielen maßgebenden Autoritäten als Thierquälerei erkannt werden würde, darum wendet er den Vorbereitungen seine besondere Aufmerksamkeit zu; sehen wir, ob er hier mehr Glück hat. Das Abwerfen der Thiere geschehe zumeist mit unzulänglichen Mitteln und es werde dadurch unnö-, thige Quälerei verursacht. Wenn Herr Bauwerker' das Unglück gehabt hat, seine Betrachtungen nur da machen zu können, wo man ungeschickt sich angestellt hat, so sollte er sich doch hüten, ein allgemeines ttrtheil zu fällen; doch glauben wir vermuthen zu dürfen,

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