Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1882)
- Date
- 1882-04-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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„„Nicht eher,"" sagte er, „„wird die Zugbrücke niedergelassen, bis Du mich überzeugt hast, daß Du wirklich eine Botschaft an mich habest. Ich bin schon einmal betrogen worden."" Da warf ihm Perseus eine Schreibtafel hinüber. Bolivius betrachtete genau die Schnüre und das Sigel. Es war kein Zweifel, die Botschaft kam von seinem Herrn. Er löste die Umhüllung und las, daß sein Herr ihm anbefahl, den Boten Belisar's, den Archonten Perseus, freundlich zu empfangen und bei der Anwerbung von Hilfstruppen behilflich zu sein. „Wohlan," sagte Bolivius, „ich lasse die Zugbrücke wohl herunter, aber nur für Dich und einen Deiner Begleiter." „„Gestatte, Archon,"" sagte Joseph, „„daß ich Dich in das Schloß begleite."" „Wohlan," rief Perseus, „ziehet Ihr Andern nach Benevent und schließet Euch dort dem Heereszuge meines Bruders Johannes an! Belisar bedarf nothwendig der Ergänzungstruppen. Ich aber und dieser da, wir wollen uns alleilt in das Schloß begeben. Wir werden vielleicht eine Zeit lang dort verweilen müssen." Die ganze Schaar zog ab. Nur Perseus und sein Begleiter blieben zurück; dann wurde die Zugbrücke niedergelassen und die Beiden überschritten dieselbe, um in den Schloßhof einzutreten. „Sei mir gegrüßt," sagte Bolivius, „Du ruhmvoller Feldherr! Verzeihe, daß ich Dich nicht gleich hereinließ; aber mein Herr hat mir die äußerste Vorsicht zur Pflicht gemacht." Dann ging er voran und führte die fremden Krieger in das Schloß. „„Führe mich,"" sagte Perseus, „„zu der Jungfrau, die Du im Aufträge Deines Herrn gefangen hältst! Ich habe einen Auftrag an sie'auszurichten."" „Willst Du nicht zuvor," fragte Bolivius, „einen! Imbiß nehmen?"! „„Nein,"" sagte Perseus, „„ich will meinen i Auftrag sobald als möglich ausrichten, damit ich die! Meinigen wieder einzuholen vermag. Ich möchte die! Jungfrau allein sprechen."" . j „Das kann ich Dir nicht gestatten," sagte Bo-; livius. „Du mußt Dir schon meine Begleitung gefallen lassen." „„Meinetwegen sei es so,"" antwortete Perseus.! „„In diesem Falle mag auch Bulan mit uns gehen.""! Bulan war der Name, welchen Joseph sich bei-! gelegt hatte.! Die drei Männer schritten dem Gemache zu, j welches Parthenope bewohnte. >2 Wie schlug Joseph's Herz, als der Augenblick herankam, da er die geliebte, so lange von ihm getrennte Braut Wiedersehen sollte! Miriam erschrak, als sie die fremden Krieger erblickte. Perseus trat auf sie zu und rief: „Ha, Du bist die schöne Parthenope, welche den Seegrafen durch ihren Warnungsruf gerettet hat! Du hast zehnfach den Tod verdient, welchem der große Belisar Dich nunmehr in Uebereinstimmung mit Deinem Herrn, Lucius Licinius, weiht!" Bei diesen Worten blitzte ein Dolch in des Griechen Hand, mit dem er die Jungfrau zu durchbohren gedachte. Da sprang Bolivius auf ihn zu und hielt seinen Arm fest. „Verräther," schrie er, „was unterfängst Du Dich zu thun!" Aber Perseus machte mit einem einzigen Rucke seinen Arm frei und schleuderte den Bolivius weit hinweg. Aufs Neue blitzte der Dolch vor dem Busen der zitternden Miriam. Da stieß Perseus einen furchtbaren Schrei aus und brach zusammen. Joseph hatte ihm — zwischen Helm und Harnisch — ein Dolchmefser tief in den Nacken gestoßen. Rasch schnellte Perseus wieder empor, zog sein Schwert und stürzte auf Joseph los. Aber auch dieser hatte schnell sein Schwert gezogen und hieb mit solcher Wucht dem Griechen auf das Haupt, daß der Helm zersprang und eine mächtige Kopfwunde einen gewaltigen Blutstrom hervorströmen ließ. Erschöpft ließ Perseus seinen Arm sinken. Rasch sprang Joseph herzu, entriß ihm sein Schwert und tödtete ihn vollends. In diesem Augenblicke erkannte Miriam den ihr anverlobten Bräutigam. „Joseph!" schrie sie und sank ohnmächtig zu Boden. Joseph verließ den im Todesröcheln liegenden Perseus, eilte auf Miriam zu und rief: „Erwache, Miriam, und fliehe eilig mit mir!" „„Halt, Jude,"" schrie da Bolivius, „„weder meine Gefangene noch Du, Ihr sollt mir nicht entfliehen!"" Und schon waren durch den Lärm und das Geschrei die anderen Diener und Dienerinnen, die sich im Schlosse befanden, herbeigeeilt. Nach verzweifelter Gegenwehr wurde Joseph verhaftet und in den Kerker geworfen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition deS .Israelit" große Bleiche 45. I. GottSieben'« Buchdruckerei «Mainzer Anzeiger).