Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1882)
- Date
- 1882-04-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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351! Gothen den Römern auch das Brod^ abgeschnitten. Da die sämmtlichen Wassermühlen Roms nunmehr versagten, so konnte das aufgespeicherte Getreide nicht gemahlen werden. Da ersann Belisar die Schiffsmühlen , die ersten, welche die Welt erblickte, und Martinus, sein Geschützmeister, führte sie aus. Die Mühlräder wurden durch den Fluß, der aus den Brückenbogen mit verstärkter Gewalt hervorströmte, von selbst getrieben. Die Belagerer warfen Balken und Bäume in den Fluß, die hinabschwimmend die Mühlen mit sich fortrissen. Aber Belisar ließ wieder neue Mühlen Herstellen und oberhalb der Brücke starke Ketten gerade über den Fluß ziehen. So schützte er die Mühlen vor Allem, was den Fluß Hinabtrieb. Sturm folgte auf Sturm. Achtundsechzigmal ließ König Wittigis zum Angriff blasen, und achtnndsechzigmal suchten die Gothen die Stadt in Sturm zu nehmen, und dreißigtausend ihrer Helden fanden ihren Tod an den römischen Mauern. Endlich mußte König Wittigis die Belagerung aufgeben, welche ein volles Jahr und neun Tage gedauert halte. Alle Anftrengnugen und alle Opfer waren vergeblich gewesen. schweigend zogen die Gothen an den stolzen Wällen vorüber, an denen ihr Glück und ihre Macht zerschellt war. König Wittigis zog sich mit dem Ueberreste seines Heeres nach Ravenna zurück. Belisar folgte ihm aut dem Fuße, und bald war das Verhältnis ein umgekehrtes: Die Gothen wurden von den Griechen und Italienern belagert. Währeno der Einschließung von Rom hatte Antonina, die Gemahlin Belisar's, sich vergeblich bemüht, ein intimes Verhältnis; mit Lucius Licinius anzuknüpfen. Der ehrgeizige Römer fürchtete die Feindschaft Belisar's und verhielt sich der Gemahlin des Helden gegenüber stets kühl und ablehnend. Da entbrannte in dem Herzen Antonina's die Eifersucht gegen jenes Judenmädchen, dessen Schönheit Lucius ncinius so sehr gerühmt und das er sich von Belisar hatte schenken lassen. Als nun die Stadt wieder aufging, beschloß Antonina, jenes Mädchen zu verderben. Belisar hatte Botschaft nach Coitftantinopel gesandt und neue Hilfsvölker sich erbeten. Der mißtrauische Kaiser hatte ihm diese versagt. „Wir können nicht verhehlen," schrieb Juftiniau, „daß wir eine raschere Beendigung des Krieges gegen diese Barbaren erwartet hätten und glauben auch, daß eine solche bei einer größeren Anstrengung Deinerseits nicht unmöglich gewesen wäre. Eine Vermehrung Deiner Macht in Italien scheint uns um so weniger wünschenswerth, als man uns wieder täglich vor Deinem ungemessenen Ehrgeiz warnt. Erst neulich sollst Du beim Weine gesagt haben, das Scepter sei aus dem Feldherrnstabe und dieser aus dem Holze entstanden. Im Rausche hast Du die gefährlichen Gedanken Deines Herzens in unziemlichen Worten offenbart. Du siehst, wir sind von Deinen ehrgeizigen Träumen unterrichtet. Diesmal wollen wir warnen, ohne zu strafen, aber wir haben nicht Lust, Dir noch mehr Holz zu Deinem Feldherrnstabe zu liefern, und wir erinnern Dich, daß die stolzest ragenden Wipfel dem kaiserlichen Blitz am nächsten stehen." Belisar befand sich inmitten seiner Feldherren, als er diesen Brief erhielt, der seine Wuth auf's Höchste stachelte. Alle Vorsicht vergessend, schrie er: „ Der undankbare, boshafte, schändliche Tyrann! Er verdiente, daß ick ihn stürzte, daß ich ihm thäte nach dem Argwohn seiner falschen Seele!"" In seinem Zorn dachte Belisar nicht daran, daß>-> anck diese seine Worte dem Kaiser hinterbrachtwürden. Belisar mußte nunmehr darauf denken, sein stark zusammengeschmolzencs Heer in anderer Weise zu ergänzen. Er schickte seinen Unterfeldherrn Johannes nach Uuteritalien, um neue Hilfstruppen anzuwerben. Perseus, der Bruder des Johannes, sollte diesen begleiten. Perseus war der Antonina treu ergeben; ihn beauftragte sie, das Schloß des Lucius Licinius bei Beneventum zu besuchen und das Mädchen, welches ihre Eifersucht erregt hatte, aus dem Wege zu räumen. Unterdeß hatte Joseph tausend vergebliche Anstrengungen gemacht, Miriam zu befreien oder doch wenigstens zu sehen und zu sprechen. Er hielt sich in der Nähe von Benevent auf. Eines Tages zog Perseus in Benevent ein und ließ die Werbetrommel ertönen. Von allen Seiten strömten ihm die Jtalier und Griechen zu. In dem Gasthofe, in welchem Joseph sich einlogirt hatte, war auch Perseus abgestiegen Joseph hörte, wie Perseus sich nach dem Schlosse des Lucius Licinius erkundigte und wie er dem Wirth erzählte, daß er dort Briefe von Belisar und von dem Herrn des Schlosses abzugeben habe. Sofort stand bei Joseph der Entschluß fest, Alles zu versuchen, um mit dem griechischen Anführer zugleich in das Haus einzudringen, in welchem Miriam gefangen gehalten wurde. Er ließ sich zum Kriegsdienste anwerben und einkleiden. Mit seiner ganzen Schaar zog Perseus nachdem Schlosse des Lucius Licinius. Aber die Zugbrücke war aufgezogen und der Eingang wurde den Kriegern verwehrt. „Im Namen des Feldherrn Belisar, im Namen des Kaisers macht auf und laßt die Zugbrücke nieder!" schrie-Perseus. Bolivius erschien jenseits des Grabens.