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Der Israelit · 1882-04-12 · Heft 15 (12.4.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 15 (12.4.1882)
Date
1882-04-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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350 „Nan-tschang-fu (Stadt in China), im October 1^81. Als ich von Ihnen Abschied nahm, um nach Tsong-kuo (China) zurückzukehren, versprach ich, von Zeit zn Zeit über meine Erlebnisse zu berichten. Ich mache heute mit dem Briefwechsel den Anfang und hoffe, dass Sie noch so viel von Ihren Studien der chinesischen Sprache behalten haben, um einzelne Ausdrücke, die ich weder auf englisch noch auf französisch wiederzugeben weiß, zn verstehen. »- Meine Reise nach hier legte ich ohne Unfall zurück und sah meine Familie in bester Gesundheit wieder. Jetzt bin ir* damit beschäftigt, meine in Europa gemachten B : bachtungen aufznzeichnen, um dieselben später als „Siau-shwo" zu veröffentlichen. Wenn, was ich hoffe, dieses Buch hier eben so viel .Aufsehen erregt, wie meine Tracht und besonders hinein „Pien-tsi" (Zopf) in Ihrer Welt, so will ich mit dem Erfolge zufrieden sein. Ich verstehe übrigens immer mehr, daß Ihnen unser Zopf absonderlich erscheint, aber in Europa gibt es gar viele andere Dinge, die viel absonderlicher sind, obschon dieselben sich nicht so „greifbar" (na-cho) zeigen. Denken Sie z. B. an die sogenannte „Judenfrage"? Das ist, ich darf es wohl aussprechen, ohne mißverstanden zu werden, auch ein „Pien-si", den die Judenfeinde (tsang-ni) tragen, jedoch versteckt unter dem Roche, so daß man ihn nicht sieht. Und wenn er bei Gelegenheit zum Vorschein kommt, so ist er weniger harmlos als der unsere und oft mit dem Gift (tu-si) der Unduldsamkeit getränkt. Wir haben hier in China die verschiedensten Racen und Glaubensbekenntnisse, die friedlich nebeneinander bestehen. Auch Juden leben unter uns, schon seit langer, langer Zeit, was in Europa wohl nur wenig bekannt ist. Man nennt sie „Tiao-kingkiao", das heißt: „Secte, welche die Nerven ausreißt." Ein seltsamer Name, nicht wahr? Ich will seinem Ursprung nachforschen und Ihnen, was ich darüber erfahre, mittheilen. Sie kleiden sich wie wir und unterscheiden sich von der übrigen Bevölkerung nur durch ihre religiösen Gebräuche. Da nun bei uns ein Jeder glauben kann, was er will, so sind die Juden als Secte vor Angriffen staatlich geschützt. Nach unseren Geschichtswerken kamen die „Tiaoking-Kiao" etwa 200 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung, unter der Han-Dynastie, nach China. Sie besitzen in Kai-Fong-Fou, der Hauptstadt der Provinz Ho-nang, eine Synagoge, welche Li-pcü-ffe heißt und viele alte Inschriften, theils in chinesischer, theils in hebräischer Sprache, enthält. In diesem Tempel befindet sich ein besonderer Raum, den nur der Oberpriester betreten darf. Wie diese Juden behaupten, stammen ihre Vorfahren aus dem Königreich Juda und gelangten aus langer Gefangenschaft nach China, I wo sie gastfreundlich ausgenommen wurden. Hier! leben sie zumeist in der Provinz Ho-nang mit der ' mohamedanischen Bevölkerung vermischt in guter! Eintracht und bekleiden mehrfach öffentliche Aemter in der Verwaltung. Bei ihrem Gottesdienst, den ne regelmäßig am Sabbath halten, verhüllen sie sich das Gesicht mit einem durchsichtigen Gewebe und \ lesen das Gesetz. Der Andächtige legt das „Ta-; king", oder das heilige Buch, auf ein Pult, neben i welchen: ein Mula als Vorsager steht und genau! darauf achtet, daß kein Wort ausgelassen werde.! Im Allgemeinen sind die hiesigen Inden arm, und was ihre Zahl betrifft, so iit dieselbe mit Sicherheit nicht festznstellen. Das ist Alles, was ich über die hier lebenden Juden weiß. Ist es auch nur wenig, so wird cs Sie doch interessiren. Es mag Ihnen zeigen, daß die jüdische Einwanderung in China älter ist als man gewöhnlich annimml und daß diese religiöse Secte seit etwa zwei Jahrtausenden friedlich und unangefochten unter uns lebt. In Europa hat sic viele Verfolgungen (chui-kan) erleiden müssen, wodurch wohl die Absonderung (fen kai) und gegenseitige Entfremdung entstanden ist, Diese Verfolgungen, welche seit einiger Zeit wieder begonnen haben, erscheinen mir als Bekenner der Lehren des Confucius (Shengkiau) umso unbegreiflicher, als gerade die christliche Religion dieselben verbietet. Wir besitzen auch Ihr heiliges Buch in chinesischer Sprache und darin steht geschrieben, daß, was Sie „lieben" und „ai" nennen, das höchste Gebot ist. Th. Stromer. Feuilleton. 'jjfarfljenope. xv. Eng hielten die Gothen Rom umschlossen; sie machten die größten Anstrengungen, die Stadt in Sturm zu nehmen. Hier aber zeigte sich die großartige Feldherrnkunst des Helden Belisar. Er hatte in unglaublich kurzer Zeit die verfallenen Festungswerke wiederherstellen lassen. Als die Gothen die prachtvollen vierzehn Wasserleitungen, welche die Stadt speisten, abschnitten, ließ Belisar die Mündungen innerhalb der Stadt verschütten und vermauern, damit die Barbaren nicht in derselben Weise in Rom eindrängen, wie er selbst in Neapel eingedrungen war. Durch das Abschneiden des Wassers hatten die

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