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Der Israelit · 1882-04-12 · Heft 15 (12.4.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 15 (12.4.1882)
Date
1882-04-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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349 bei: düsteren Legenden, mit denen man ihren Geist genährt hatte. Was können aber zu ihrer Vertheidigung Diejenigen anführen, welche nur einer Raffen- Antipathie gehorchen? Sie sollten doch wissen, da sie sich so viel auf ihre Gelehrsamkeit einbilden und mancher von ihnen sein ganzes Leben damit verbringt, die heilige Schrift zu erklären, daß semitisches Blut in den Adern des Stifters der chr. Rel. und der Apostel rollte, wie in den Adern Spinoza's, welcher der Patriarch ihrer Pilosophen geworden rst, wie in den Adern Mendelssohn's und Meyerbeer's, deren erhabene Musik sie in Exstase versetzt. Ein christlicher Prediger, sei es selbst ein Hofprediger, wie Herr Stöcker, sollte wissen, daß das Evangelium keinen Unterschied zwischen den Rassen macht, daß der Paulus Juden, Griechen und Barbaren auf dieselbe Stufe stellt, daß endlich nach den Lehrsätzen des Glaubens der Stifter der chr. Religion der „Sohn des Menschen" ist gekommen, die Menschheit loszukaufen. Ich scheue mich nicht, diesen schmerzlichen Gegenstand im Vorbeigehen zu berühren. Sie würden mich der Feigheit und der Jnconsequenz zeihen, wenn ich, der ich hier das Recht gegen die Gewalt und den Menschen gegen das Thier vertheidige, nicht auch die Stimme zu Gunsten dieses Theils der Menschheit erhöbe, dem ich anzugehören die Ehre habe und welchen Frankreich den Ruhm hat, befreit zu haben. Der Priester, welcher zuerst in der Constituante diesen Act der Gerechtigkeit vorschlug, der Abb6 GrSgoire, wird in dem Gedächtniß der Nachwelt größer daftehen, als alle Prediger des deutschen Kaisers. Nach Herrn Franck sprach noch Herr Frtzderie Passy und wies aus einem Capitel Rabelais' nach, daß dieser große Humorist schon alle Ideen der Gesellschaft der Friedensfreunde getheilt hat. Paris. Ueber den in Paris verstorbenen Maler Heinrich Lehmann schreibt der „Hbg. Corr.": Heinrich Lehmann gehörte seiner Familie, Erziehung und Herkunft nach unsrer Stadt an. Sein Vater lebte als Maler und Zeichenlehrer in Hamburg, wo er, äks Mensch und Künstler gleich hochgeachtet, in den 60er Jahren verstorben ist. — Das Talent des Sohnes wurde von dem hochgebildeten und freisinnigen Vater früh entdeckt und sorgfältig gepflegt und der junge Künstler alsbald nach Beendigung seiner Schulstudien in die französische Hauptstadt gesendet, wo die Familie Verbindungen besaß und wo die von Ingres vertretene „stylisirende" Richtung auf irebenden Talenten eine besonders günstige Schulung versprach. 1835 wurde Lehmann's erstes Bild .,Tobias und der Engel" im Salon ausgestellt: Publikum und Kritik sprachen sich über dasselbe so günstig aus, daß die Reputation des Künstlers fortan fest begründet war und daß Frankreich denselben als hervorragenden Repräsentanten seiner Kunst ohne Weiteres in Beschlag nahm. Ehren und Auszeichnungen folgten einander in so ununterbrochener und langer Kette, daß der zu einer Zeit künstlerischer und literarischer Allmacht der Seinestadt nach Frankreich verpflanzte jugendliche Künstler zum französischen Künstler werden mußte; 1835 gewann er die zweite Medaille, in den Jahren 1840, 1848 und 1855 erste Preise — bereits unter Louis Philipp war er Ritter der Ehrenlegion geworden (1846), Napoleon HL machte ihn zum Osficier dieses Ordens (1853) und zum Mitgliede der Akademie der Künste (1864), nachdem er im Anftrage der Regierung vier der berühmtesten Gebäude von Paris (die galerie des fetes des Stadthauses, den neuen Thronsaal des Senatsgebäudes, die Clothilden-Kirche und den Saal des Justizgebäudes) mit allgemein anerkannten (in der Folge durch Vervielfältigungen weithin bekannt gewordenen) Fresken geschmückt hatte. Als Lehmann diese Compositioneu schuf, hatte er sich außer auf dem historisch-religiösen Gebiete auch noch auf demjenigen des Portraits einen wohlbegründeten Ruf geschaffen. Nachdem seine Bildnisse Liszts, der Gräfin d'Argout, der Marquise von Bedmar u. s. w. ausgestellt worden waren, galt er neben seinem Lehrer Ingres und dem genialen, in den verschiedensten Gattungen gleich bedeutenden Flandrin (gest. 1869) für den bedeutendsten französischen Portraitisten; diese Stellung hat Lehmann durch seine späteren Arbeiten, insbesondere durch die Bildnisse Alphonse Karrs, des Vice-Admirals Jaures (1868) und des Präfecten Baron Hausmann auf das Rühmlichste befestigt. In seinen letzten Lebensjahren hat der Künstler sich selbst portraitirt und in diesem Bilde ein Meisterwerk hinterlassen, das allein ausreichend gewesen wäre, ihm den Namen eines auf der Höhe seiner Kunst stehenden genialen Portraitmalers für alle Zeiten zu sichern. Rußland. Petersburg, 28. März. Von den gegen die Juden in Kiew verhängten Maßregeln wird auch eine große Zahl von jüdischen Bediensteten bei den Bahnen im südwestlichen Rußland getroffen, deren in der genannten Stadt angesiedelten Familien der weitere Aufenthalt daselbst untersagt wurde. China. Von einem mir befreundeten Chinesen, der seine Studien in Peking gemacht, den Grad eines „Literaten" erhalten und seine Ausbildung später in Europa vervollständigt hat, gingen mir kürzlich einige briefliche Mittheilungen über die Juden in China zu, welche auch weitere Kreise interessiren dürften. Das betreffende Schreiben bildet ein Gemisch von Chinesisch, Englisch und Französisch und lautet, im Auszuge übersetzt, wie folgt:

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