Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1882)
- Date
- 1882-04-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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348 1) Das Wohnrecht ist auf einen bestimmten Ort beschränkt. 2) Der temporäre Aufenthalt anderwärts ist nur von vierzehn zu vierzehn Tagen mittelst einer zu verversteuernden Bollette zu erlangen. 3) Die Uebersiedlung wird nur nach Bezahlung eines Abfahrtsgeltes für zulässig erklärt. 4) Der Erwerb städtischer und ländlicher Realitäten ist verboten. 5) Zur Verheirathung ist eine Konzession erforderlich. 6) Daö Halten christlicher Dienstboten und Ammen ist untersagt. 7) Die Ortsbürger-, Gewerbe- und Handelsrechte sind gesetzlich beschränkt. 8) Die Zulassung zu Saats- und Kommunalämtcrn ist unstatthaft. 9) Außer den gewöhnlichen Steuern haben die Juden noch eine besondere Toleranzsteuer zu entrichten. 10) Die Anzahl der tolerirten Juden darf eine gewisse Zister nicht übersteigen." Hätte die Polizei nicht interventirt, wäre die Resolution sicher zur Annahme gelangt. Tie Auflösung der Versammlung erfolgte übrigens auö einem rein formellen Grunde, nämlich weil Herr Holubeck nicht über den Gegenstand der Tagesordnung, die Lage des Kleingewerbes, sondern über die Judenherrschaft sprach. Um einem solchem Hinderniß für die Zukunft zu begegnen, wurde gestern beschlossen, für Ostern eine neue Versammlung einzuberufen und als Gegenstand der Tagesordnung anzugeben: „Die Jüdenwirthschaft und ihr schädlicher Einfluß auf das Kleingewerbe." Mar: ist sehr gespannt, ob die Regierung diese Versammlung gestatten oder ob sie dieselbe wegen beabsichtigter Verhetzungen der Nationalitäten verbieten wird. Graf Taaffe ist persönlich ein Gegner des Antisemitismus, aber seine Parteigenossen Czechen, Polen und Ultramontanc sähen sehr gern eine kleine Judenhetze inscenirt. Tr. Rieger hat im Abgeordnetenhause stark in: Antisemitismus gemacht und das „Vaterland" schreibt fast täglich gegen die Jüdenwirthschaft. Hoffentlich laßt sich Graf Taaffe dadurch nicht beirren, sondern macht trotz Rieger und „Vaterland" von alten ihm zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln Gebrauch, um den antisemitischen Hetzern ihr Handwerk zu legen. Wien, 7. April. Graf Taaffe erließ wegen der Antisemitenbewcgung strenge Weisungen an die Statthalterei. Darnach wird zur Abhaltung antisemitischer Versammlungen keine Erlaubniß ertheilt. Alle Versammlungen sind aufzulösen, in'welchen gegen die Juden zu Haß und Verachtung oder zu Feindseligkeiten anfgefordert wird. Wien, 30. März Gestern Namittags um halb 3 Uhr faltd zur Anhörung der hier eingetroffenen Delegirten des Londoner Mansion -.House - Comittzs, der Herren Lawrence Oliphant und D. F. Mocatta, und des Delegirten des Newyorker Comittzs für russische jüdische Emigranten, Herrn M. Ellinger, eine außerordentl. Sitzung des Vorstandes der Wiener Israel. Allianz und den genannten Delegirten statt, zu der sich noch die Herren Albert Freiherr v. Rothschild, Moriz Freiherr v. Königswarter, Moritz Ritter v. Goldschmiedt uitd Ritter v. Kallir eingefunden hatten. Den Vorsitz führte der Präsident der Allianz, Herr Joseph Ritter v. Wertheimer. Es handelte sich um die Unterstützung der hilflosen, vertriebenen russischen Juden und ihre Beförderung nach Amerkia, ferner um ihre Seßhaftmachung daselbst durch Ankauf von Grund und Boden in größerem Maßstabe, worüber der amerikanische Delcgirte positive Anträge seitens der dortigen Unterstützungs- Eomitös überbrachte. Hierauf wurde beschlossen, eine Collecte für diese Zwecke einzuleiten, und wurde bereits von einer anwesenden Persönlichkeit eine namhafte, den Erfolg sichernde Spende gezeichnet. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Evacuirung Brodys von den dort angesammclten etwa 1300 israelitischen Flüchtlingen aus Rußland, und erklärte sich der berühmte Gelehrte und Delegirte des Mansion-House-Comitös, Herr Oliphant, bereit, sich dieser schwierigen Mission zu unterziehen, wenn ihm die Wiener Allianz einen Delegirten für Brody beigeben würde, was denn auch mit großem Tanke acceptirt wurde. Frankreich. Paris, 4. April. Die französische Gesellschaft der Friedensfreunde hielt letzten Mittwoch unter dem Präsidium des Herrn Ad. Frauck ihre 16.General- Versammlung. Professor Franck sprach in längerer Rede gegen den Materialismus und den Eroberungsgeist, kam dann auf die jüngsten Reden des General Skobelew zu sprechen und fuhr fort: Ehe aber dieser Vernichtungskrieg zwischen Stäben und Teutonen ausbricht, stürzen sich diese beiden Nassen auf eine dritte, deren Schwäche sie ihrer Wuth wehrlos preisgibt. Dank jenem Rückfall in Barbarei, welcher seine wahre Ursache in dem Eroberungsgeiste und den damit verbundenen üblen Instinkten hat, sahen wir am Abend des neunzehnten Jahrhunderts bei zwei Nationen, welche für civilisirt gelten, und von denen eine sogar darauf Anspruch macht, an der Spitze der Civilisation zu. schreiten, die Judenverfolgungen wieder auftauchen, die man mit den Scheiterhaufen und der Unduldsamkeit des Mittelalters für immer erloschen glaubte. Die Geschlechter des Drittelalters konnten wenigstens eine Entschuldigung finden in ihrem Fanatismus und in