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Der Israelit · 1882-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1882) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1882)
Date
1882-03-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
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326 tirenbe gewinnest. Für ein Draufgeld von 50 Rubel könnte ich einstweilen den Kauf abschließen .... Es wäre von großem Vortheile auch für uns, denn ich sehne mich danach, -er Inanspruchnahme der hierhergelangenden Unterstützungsgelder enthoben zu fein . . . Vorstehendes dürste jedenfalls von den betreffenden Herren, die sich mit der Unterstützung der russischen Auswanderer befassen, einer Erwägung gewürdigt werden. Nagelsberg (Württemberg), 21. März. Die Aufforderung in der jüngsten Nummer Ihres gesch. Blattes: „angesichts der gegenwärtigen traurigen Lage unsrer Glaubensbrüder in Rußland einen n»jyn zu veranstalten," ist auch in weiteren Kreisen mit Beifall ausgenommen wurden. Auch die hies. Gemeinde, obwohl nur ayo na d'z-jm -isd, hat es nicht versäumt, vergangenen Montag als svp -ns:) o-.» zu begehen. Es ist dies besonders erwähnenswerth, da nur 11 isr. Familien hier wohnen, die ohne Rücksicht darauf, daß sie ihrem Geschäfte, welches sie jeden Tag auf einige Stunden Entfernung über Land ruft, nicht nachgehen konnten, sich mit inniger Theilnahme zum Gebete für unsere unglücklichen Glaubensbrüder in Rußland zusammenfanden. Es war ein rührender Anblick, mit welcher brüderlichen Wärme und heil. Andacht Männer und Frauen hieran Theil nahmen. Auch im benachbarten Städtchen Künzelsau wurde in derselben Weise dem innigen Mitgefühl für unsre Glaubensbrüder in Rußland Ausdruck gegeben. Ferner wurde, des Ausspruches unsrer Weisen eingedenk, muri y-i nx jnoyc npisi n^n, n:r.»n, nachdem schon bereits eine Sammlung für Rußland vorgenommen worden war, auch jetzt noch einmal eine solche in der Synagnge veranstaltet, welche ein sehr erfreuliches Resultat erzielte. Möchte Israels Gebet vor Gott nicht leer zurückkehren! England. London, 5. März, (oms) Am gestrigen Sabbath-Nachmittag hielt Madame Finn, die Wwe. des verstorbenen englischen Consuls zu Jerusalem, einen öffentlichen Vortrag über „jüdische Sitten und Gebräuche" zu Gunsten des für Unterstützung unserer auswandernden russischen Glaubensbrüder gegründeten Ladies - FundS. An der Spitze dieses menschenfreundlichen Unternehmens, den armen hilf-! losen Auswanderern Kleidungsstücke rc. zu verab-! reichen, stehen die hervorragendsten nichtjüdischen! Ladies, und die Präsidentin des Vereins ist Lady! Strangsord, deren Gemahl englischer Gesandter zu Constantinopel war. — Der Vortrag wurde in der Westminster Abtei und zwar in Jerusalem Chambers, mit gütiger Einwilligung des Dechants von Westminster, abgehalten und der sehr berühmte Cannon Farrar, königl. Caplan, präsidirte in der zahlreichen, von meistens christlichen hohen Ladies besuchten Versammlung. Wohl bedarf es keiner Erwähnuung, daß eine derartige, von einer christlichen Dame gehaltene Ansprache lebhaftes Interesse erregt. Die begabte Rednerin skizzirte alle Hauptmomente der jüdischen Geschichte und schilderte die Zeiten der Verfolgungen mit erregter Stimme, welche den Eindruck innerster Wehmuth zu erkennen gab, manchmal wurde sie sogar zu Thränen gerührt. Mit Hochachtung sprach sie ferner über die russischen und polnischen Juden, deren religiöse Lebensweise und selbst deren jüdisch-deutsche Sprache sie genau kennt und mit ganz besonderer Begeisterung erzählte sie von deren Hingebung zum Studium des Talmuds. Die dortigen Geschäftsleute, sagte sie, studiren den Talmud Tag und Nacht und lassen ihr Geschäft von den Frauen besorgen; ihre langen Haarlocken können sie nur deßhalb nicht abschneiden, weil ihnen das Neligionsgesetz solches verbietet. Nachdeni sie Betrachtungen über manche Ceremonialgesetze anstellte und Verschiedenheiten des Sephardischen Ritus von dem Aschkenasischen besprach, erklärte sie schließlich den Grund des Purimfestes und die Vorschriften des Seder Abends — die Bemerkung daran knüpfend, daß schon deßhalb die Blutbeschuldigungen unbegründet waren, weil es den Juden verboten ist, nach der Zerstörung des Tempels noch Opfer darzubringen. — Schließlich betonte die Rednerin, indem sie über die an unfern Glaubensbrüdern jüngst verübten Grausamkeiten zu sprechen kam, daß deren Hauptanlaß von der leider noch herrschenden Ignoranz herrühre. Nach beendigter Rede stattete der berühmte jüdische Serjeant Simon (Mitglied des Parlaments) den gebührenden Dank an die geistreiche Rednerin sowohl, als auch an alle an der Spitze solch' wahrhaft menschenfreundlicher Unternehmung stehenden Persönlichkeiten ab, worauf nach einigen von sehr gelehrten Theologen gehaltenen Reden die Versammlung, welche 2 Stunden währte, schloß und die Collecte für den Ladies-Fund begann, deren Resultat noch unbekannt ist.

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