Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1882)
- Date
- 1882-03-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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321 mit folgendem Wunsche: Gebe Gott, es gelänge den Bemühungen der Polizei, alle Juden aus Moskau auszuweisen! — Ich hatte die Absicht, über die auch mir bekannt gewordene Judenausweisung zu berichten, urlterließ dies aber aus gewissen Gründen. Nun berichten alle hiesige Blätter über die von der Polizei eifrig betriebenen Judenausweisungeu, folglich kann auch ich sie meiner Tageschronik einverleiben. Bereits seit einem Monat beschäftigt sich die Polizei mit der Suche nach Juden, welche hier kein Recht zum Wohnen haben. Wer sucht, der findet und so wandern alltäglich Schaareu meist armer Juden zur Brester Bahn, um Moskau unsreiwillig den Rücken zu kehren. Gegenwärtig hat die Polizei allen jüdischen Fleischschauern die Passe abgenommen, weil das Fleischschauergewerbe kein Gewerbe sein soll, folglich werden auch diese armen Menschen anderswo ihr Brod suchen müssen. Und weit der Pristaw Major Bernow nicht eifrig genug die ihm befohlene Judenausweisrulg betreibt, bekam er eine Woche Arrest auf der Hauptwachc und zwei Distriktsaufseher wurden sogar des Dienstes entlassen! Ich enthalte mich einer Kritik dieser neuesten Strenge unseres OberpolizeimeisterS und konstatire nur, daß man allgemein bedauert, daß Major Bernow, welcher in mehreren Schlachten sein Leben für das Vaterland aufs Spiel gesetzt und dessen Körper mit unzähligen Wunden bedeckt ist (welche zwar schon längst vernarbt sind, doch bei jedem Witterungswechsel diesem Veteranen Schmerzen bereiten), nun im Dienste der Polizei stehend, acht Tage auf der Hauptwachc sitzen muß, weil er vielleicht in einer menschlichen Regung, vielleicht von anderen Dienstangelegenheiten in Anspruch genommen, es übersehen hat, einigen armen Juden die Marschroute zu behändigen. Die hiesigen Juden und die Menschenfreunde überhaupt fragen sich beim Bekanntwerden dieser Zustände: tzuou8gu6 tandem? Wie lange noch? Feuilleton. 'Iarthenope. XIV. König. Wittigis hatte in Ravenna die verschiedenen Heeresabtheilungen der Gothen zusammengezogen und fühlte sich nun stark genug, dem heranuahcnden Belisar entgegenzurücken. Zuvor aber schickte er einen Gesandten an den griechischen Feldherrn und ließ ihm sagen: „Der König der Gothen liebt den Frieden mebr^ als den Kamps, lllld er grwvt/dem Kaiser Justinian die Insel Sicilien abzutreten und ihm in jedem seiner Kriege mit dreißigtansend Mann Gothen beizustehen, wenn Du sofort Rom und Italien räumst, das den Gothen gehört, nach dem Vertrag mit Kaiser Zeno, der es dem Theoderich überließ, wenn er den Oddoaker stürzen könne. Belisar aber lachte und rief: „„Wittigis ist sehr gnädig. Er will mir die Insel Sicilien abtreten, die ich schon besitze! — Der Vertrag Theoderichs mit Kaiser Zeno war abgezwungen, und hat deßhalb keine Giltigkeit. — Ich willige in keinen Frieden, außer unter der Bedingung, daß das ganze Gothenheer die Waffen strecke und das ganze Volk über die Alpen ziehe und Italien verlasse. Der König und die Königin aber sollen als Geiseln nach Conftantinopel geschickt werden."" Zornig, ohne Antwort aus solchen Vorschlag zu geben, wandte ihm der Gesandte den Rücken und eilte, seinem Könige Bericht zu erstatten. Belisar hielt die Friedensvorschläge des Gothenkönigs für ein Zeichen der Schwäche. Daß die Barbaren zum Angriff übergehen könnten, fiel ihm nicht ein. Vergebens warnte ihn Lucius Licinius vor allzugroßer Zuversicht. „Bleibe Du doch hinter den Mauern Roms, wenn Du die Barbaren fürchtest', sprach Belisar in stolzem Uebermuth. „„Wohlan,"" sagte Lucius Licinius, „„ich mache von Deiner Erlaubniß Gebrauch und kehre nach Rom zurück, um die Stadt Dir und Deinem fliehenden Heere offen zu halten."" Bei diesen Worten, wandte er sich, um seine Römer um sich zu sammeln und mit ihnen nach Rom zurückzukehren. Höhnend sah Belisar ihnen nach, vor sich hinmurmelnd: „Entartete Nachkommen eines großen Geschlechts! Diese Römer von heute fürchten die offene Feldschlacht." Aber bald sollte er seinen Uebermuth bereuen. Mit großen Heeresmassen zogen die Gothen heran. Die Vorhut des griechischen Heeres, die hunnischen Reiter, wurden zurückgeworfen. Fliehend ritten sie Belisars Leibwache nieder. Ihnen nach rückten die siegreichen Gothen; die Hauptschlachtlinie der Griechen war durchbrochen. Belisar mußte den Rückzug befehlen. In guter Ordnung zog sich der große Feldherr zurück, um bald auf's Neue den Angriff zu beginnen. Da ergriff ein riesiger Gothe einen Grenzstein, schwang ihn erst langsam hin und her, hob ihn dann über den Kopf mit beiden Händen und schleuderte ihn mit aller Kraft auf den heransprengenden Helden. Wvnip ( .Ält« -«EM"SykN^Zferde. „Belisar ist todt, Alles ist verloren!' — So ertönte der Schreckensruf durch die Reihen der Griechen. Umsonst war's, daß sich die Lanzen-und Schild-