Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1882)
- Date
- 1882-03-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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319 durch Zertrümmerung oder Erschütterung des Gehirns herbeiführt", so zeugt das von einer Voreingenommenheit, welche das richtige Urtheil trübt. Ist es doch von Allen anerkannt und wer es gesehen hat, wird es bestätigen, daß der Kopfschlag in den seltensten Fällen gleich mit dem ersten Streiche richtig ausgeführt wird, daß hingegen der Halsschnitt immer richtig geführt sein muß und den Tod des Thieres rasch eintreten läßt. Bei dem Kopfschlag kommen immer aufregende Scenen vor, beim Halsschnitt niemals. Und wenn Herr Bauwerker den Genickstich auf gleiche Linie mit dem Schächten stellt, weil das Thier auch bei diesem den Schlachtact bei vollem Bewußtsein über sich ergehen lassen muß, so weisen wir auf Prof. Gerlachs Ausspruch hin, der den Genickstich als die v e r a b s ch e u u n g s w ü rdigste Tödtungsart von allen, als die größte Thierquälerei erklärt. Daß bei dem Schächten kein Mißlingen Vorkommen kann, wird schon an sich eine Thierquälerei ausschließen; das darf aber Herr Bauwerker nicht gelten lassen, und so statuirt er auch beim Schächten Fälle des Mißlingens, „das sogennante Nabeln". Man kann nicht sicherer auf schreckhafte Gemüther einwirken, als durch ein von ihnen unverstandenes Wort, sei es, daß man es mit einem gewissen Pathos ausspricht, sei es, daß es an sich einen schrecklichen Klang hat. Wer erinnert sich - nicht jenes Studenten, welcher vor einer Höckerin, die ihm kein Obst borgen wollte, das griechische Alphabet mit Emphase deklamirte und dadurch fertig brachte, daß die ob der furchtbaren Beschwörungsformel — für welche sie die Worte hielt — aufs Höchste geängstigte arme Frau ihm soviel borgte, als er nur wollte. So ist auch das Wort „Nabeln" ganz dazu angethan, alle diejenigen in Grausen zu versetzen, die das Wort nicht verstehen und sich deßhalb die schrecklichste - Marter, die dem armen Thiere angethan wird, darunter denken. „Nabeln!" wie gräßlich das klingt! Ist das nicht am Ende dem gemarterten Thiere den Nabel aufschlitzen, herauszerren oder dergleichen schreckliche Martereid Nun, wir wollen das Wort dem Leser erklären, und er wird einsehen, daß es von Herrn Bauwerker gelindestens gesagt, unberechtigt war, das „Nabeln" mit dem verfehlten Kopfschlag auf gleiche Stufe zu stellen. Es ist durchaus nicht ein Mißlingen, durch welches das Thier mehr als durch den regelrechten Halsschnitt litte oder eine Manipulation, welche den Tod des Thieres verzögerte; es begreift dieses Wort Fehler, welche dem Laien unbedeutend erscheinen möchten, was aber gerade das glänzendste Zeugniß dafür ablegt, daß das jüdische Schlachtgesetz ängstlich bemüht ist, jede Folter von dem Thiere abzuwenden, indem es den Schächter zur größten Aufmerksamkeit dadurch auffordert, daß das geringste Versehen das Verbot, das betreffende Thier zu genießen, zur Folge hat. Hat bei dem Schnitte der Schächter mit dem Arm oder dem Messer angestoßen, so daß bei dem Hin- oder Hcrfahren auch die kleinste Pause entstanden ist, hat es sich herausgeftellt, daß das Messer auch eine noch so feine Scharte gehabt hat, eine Scharte, die so fein ist, daß sie nur von dem hinüberfahrenden Finger gefühlt, wenn sie auch nicht gesehen wird, sind die Organe wohl durchschnitten, aber das Hintere Ende des Schnittes ist nach oben zu aus der vorgeschriebenen Schnittstelle hinausgewichen: so ist das Thier für den Genuß nicht erlaubt, die Schechita ist nicht richtig vollzogen: es ist genabelt! Nun sage Einer, ob dies im Entferntesten auch nur mit dem Fehlschlage aus den Kops zu vergleichen ist? Ob bei diesem kleinen Versehen nicht eben so rasch das Entleeren des Blutes vor sich geht und nicht ebenso rasch der Tod eintritt, als wenn der Schnitt richtig geführt worden wäre? Und wie oft kommt ein solches „Nabeln" vor? Schon darin, daß das Fleisch bei solchen Versehen zu essen verboten ist, liegt die Garantie eines nicht zu häufigen Vorkommens solcher Fälle; jede Gemeinde wird sich wohl bedanken, einen Schächter zu behalten, der sich ungeschickt benimmt. Gegen das häufige Vorkommen des verfehlten Kopfschlages gibt es aber gar keine Garantie, da kein direkter Verlust entsteht, der eine Cautel gegen den Fehlschlag bieten könnte; es kann aber auch eine solche Garantie nicht geben, weil der geübteste und gewissenhafteste Metzger es nie fertig briugen wird, große starke Ochsen auf einen Hieb zum Fallen zu bringen. Aber all die Gutachten betreffs der Schechita elten Herrn Bauwerker nichts, da, wie der Verf. ehauptet, seit jener Zeit, da diese Gutachten abgegeben wurden, zwei andere Schlachtmethoden erfunden worden seien: die vermittelst der Bouterole und der Schußmaske. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Fürth, 20. März. In sämmtlichen hiesigen Synagogen wurde heute nach anderem guten Vorbilde gefastet und war die Betheiligung eine allgemeine, wie es in einer solchen alten Kehilah nicht anders zu erwarten war, auch ein speziell für die russischen Verhältnisse verfaßtes inniges Gebetstück wird zweimal täglich mit inniger Inbrunst zum höchsten Helfer emporgesandt; möchte es am Throne des Höchsten Erhörung finden und im Monate der nyin