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Der Israelit · 1882-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1882) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1882)
Date
1882-03-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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315 Feuilleton. 'Uarthenope XIII. Kaum hatte Wittigis mit seinen Schaaren Rom verlassen, als Lucius Licinius dort ankam. Er berief sofort die Spitzen der Priesterschaft, des Adels, der Beamten und der Bürgerschaft zur Berathung über Heil und Gedeihen der Stadt. Auch der Bischof von Rom, Silverius, den man schon damals Pabst nannte, war erschienen. Lucius Licinius redete die Versammlung an: „Römer", sagte er, „endlich ist die Stunde gekommen, das Joch der Barbaren abzuwerfen." „„Wie"", fragte der Archediaconus Blasius, „„nachdem wir gestern auf's Neue den Eid geschworen?"" „Sprich Tu, heiliger Vater!" sprach Lucius Licinius zu dem Pabste. „„Meine Kinder"", sprach Silverius feierlich, „„ich als Nachfolger Petri, kraft meiner apostolischen Macht zu binden und zu lösen, entbinde Euch hiemit von dem Eide, den Ihr, gezwungen durch die Gewalt der gothischen Waffen geleistet habt."" Alle Anwesenden fielen auf die Knie, und Silverius sprach den apostolischen Segen über sie aus. Lucius Licinius entwickelte nunmehr seinen Plan, wie die gothische Besatzung überwältigt und die Stadt für den Kaiser gewonnen werden sollte. Und es geschah so, wie er es angeordnet hatte. Wenige Wochen nachher hielt Belisar seinen Einzug in Rom, von Lucius Licinius empfangen. „Patricius", sagte der Feldherr, „der Kaiser ist Dir wiederum zu großem Danke verpflichtet. Ich werde nicht verfehlen. Alles, was Du für uns gethan, nach Constantinopel zu berichten." Auch Antonina lächelte dem schönen Römer holdselig zu. „Jetzt, Patricius". sagte sie, „darfst Du uns nicht mehr verlassen, Du mußt an Belisars Seite kämpfen." Belisar verweilte nicht lange in Rom. Er wollte den Feldzug bald beenden und beschloß, nach Ravenna aufzubrechen, um, wie er sagte, die Barbaren in ihrem letzten Schlupfwinkel zu erdrücken. Uuterdeß wurde der Süden von den Griechen wie ein erobertes Land betrachtet. Bald kamen die griechischen Steuereinnehmer, um für das immer geldbedürftige Byzanz recht viel Geld aus den eroberten Provinzen herauszupressen. Dadurch vollzog sich sehr bald ein Umschwung in der Stimmung der Jtalier. Sie bereuten es, daß sie zu dem Heere des Kaisers übergegangen waren und dadurch die Eroberung Italiens bewirkt hatten. Sie sehnten [ die Herrschaft der Gothen wieder herbei, die stets! gerecht und milde gegen sie verfahren waren. Je-! mehr sich Belisar mit feinem Heere nach Norden! zog, desto mehr wurde die Stimmung im Süden! den Griechen abhold.! Diese Umstände kamen den Bestrebungen Cha-! ninas zur Befreiung Josephs sehr zu Gute. Der! Kerkermeister Dromon fing an, sich mit dem Ge- | danken vertraut zu machen, daß ihm hier eine Ge-! legenheit geboten sei, zu Wohlstand zu gelangen.! Joseph war nicht wenig erfreut, als er eines I Tages Gebetriemen und Gebetmantel auf seinem j Tische liegen sah. Er wusch sich die Hände, nahm! die Gebetriemen und küßte sie mit heißer Andacht, s Dann hüllte er sich in den Gebetmantel, band die j Tephillin um Arm und Haupt und betete inbrünstig zu Gott. | . Mittags wurde ihm ein versiegeltes Körbchen in die Zelle gebracht. Er öffnete es und fand j Speisen und Getränke darin. Auch ein Zettelchen j lag dabei, das die Worte enthielt: „Verzage nicht, : Joseph, wir arbeiten an Deiner Befreiung. Auch j Miriam lebt, und befindet sich wohl."! „Gelabt sei dev AllgüUijc", sprach ^MPY, „der j gütig ist und Gutes erweist."! Zum ersten Male seit seiner Einkerkerung! schmeckte ihm jetzt Speise und Trank. 1 Täglich, oder vielmehr an jedem Abende bei I einbrechender Dunkelheit besuchte Chanina den Kerker-! meister und brachte ihm Geschenke und für Joseph! Speisen und Getränke. „Höre einmal, Dromon", sagte er eines Tages,! „es muß doch ein langweiliges Leben sein, das! Leben eines Kerkermeisters. Würdest Du es nicht vorziehen, ein Gütchen zu besitzen, ein eignes Haus j und Aecker und Weingärten und Sklaven, die für Dich die Feldarbeit verrichten?" I ,,„O Chanina"", antwortete Dromon, „„warum! stellst Du mir so schöne Dinge in Aussicht, die ich! doch niemals werde besitzen können?"" > „Da ist ein Gütchen", sagte Chanina, „auf i Sicilien, in der Nähe von Syrakus, welches ich für! Dich kaufen möchte. Es ist ein schönes Haus, nicht! groß, aber fest gebaut, gerade groß genug für Dich, I Deine Frau, Deinen Sohn und Deine Tochter, i nebst zwei Sklaven und einer Sklavin. Für fünftausend Solidi ist es mir, die Sklaven mitinbegriffen, zum Kauf angeboten." „„Aber Chanina"", rief Dromon, „„woher soll ich das viele Geld nehmen?"" Du könntest es verdienen", sagte Chanina leise. „Ich habe das Gut bereits gekauft und liefere Dir die Kaufsurkunde aus an dem Tage, oder vielmehr in der Nacht, in welcher Joseph seiner Hast entrinnt. Damit Du hier keine Unannehmlichkeiten

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