Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1882)
- Date
- 1882-03-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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312 Aettrrrrg-nachrichler» und Correfpondenzen. D e u t s ch l a n d. Die Regierung zu Aachen hat über die Theilnahme der jüdischen Kinder am Religionsunterricht folgende wichtige Entscheidung getroffen: „Der Unterricht in der Religion gehört nach §13 der Allgemeinen Bestimmungen vom 15. Okt. 1872 zu den obligatorischen Lehrgegenständen der Volksschule. Nach § 62 des Gesetzes vom 22. Juli 1847 ist jede Synagoge verbunden, solche Einrichtungen zu treffen, daß es keinem jüdischen Kinde während des schulpflichtigen Alters an dem erforderlichen Religionsunterrichte fehlt. Hieraus ergibt sich, daß die jüdischen Kinder verpflichtet sind, dem schulplanmäßigen Religionsunterrichte beizuwohnen, und daß die jüdischen Eltern, welche ihre Kinder ohne Religionsunterricht aufwachsen lassen, seitens der Polizeibehörde angehalten werden können, ihre Kinder in den jüdischen Religionsunterricht zu schicken, insoweit hierfür seitens der Schule, bezw. der Synagogen - Gemeinde Einrichtungen getroffen sind. Ein Dispens von der Theilnahme an dem schulplanmäßigen Religionsunterrichte ist nur dann zulässig, wenn der Nachweis erbracht wird, daß die Kinder außerhalb der Schule einen ordnungsmäßig eingerichteten Religionsunterricht durch einen qualiffcirten Lehrer erhalten. Die Schule hat die Pflicht, den Nachtheilen, welche aus dem Mangel einer sittlich religiösen Unterweisung der Kinder entstehen, nach Kräften entgegenzuwirken. Es ist demnach auch für den Fall, daß ein Familienvater aus der jüdischen Religionsgemeinschaft austreten sollte, ohne zu einer anderen überzutreten, nachzuweisen, daß die betreffenden Kinder, wenn sie nicht an dem Religionsnnterrichte der christlichen Schule theilnehmen, Religionsunterricht durch einen qualisicirten jüdischen Lehrer erhalten." (Jsr. Wchschrft.) Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, den 26. März. Gestern fand hier eine große von 4000 meist dem Arbeiterstand ungehörigen Personen besuchte Volksversammlung statt. Der bekannte demokratische Abgeordnete Kronawetter sprach über die Forderungen des vierten Standes vor dem Forum des österreichischen Parlaments. Kronawetter verwarf unter stürmischem Beifalle alle Nationalitäten- oder Racenstreitigkeiten, um welche die Arbeiter sich nicht kümmern. Diese hätten von keiner der heutigen Parlaments-Parteien etwas zu erwarten, weßhalb sie alle gesetzlichen Mttel anwenden müßten, um sich Gehör zu verschaffen. Nach Kronawetter sprachen noch mehrere Arbeiterführer sehr scharf gegen Schönerer, welcher die Nationalitäten und Konfessionen gegen einander Hetze. Schließlich wurde einstimmig die Resolution angenommen: „Die Arbeiter Oesterreichs erklären, daß sie weder mit den Umtrieben der Nationalitäten- Hetzen noch mit jenen gegen einzelne Konfessionen etwas gemein haben und dieselben in keiner Weise unterstützen." Die Versammlung verlief vollkommen ruhig. Pefth. Dem zweiten Bericht der ersten Ungarischen Heil-, Pflege- und Erziehungs-Anstalt für Schwachsinnige und Epileptische des I. Frim in Budapest entnehmen wir: Obwohl wir im letztvergangenen Jahre fast den gleichen Präsenzstand hatten, so waren die Gesundheitsverhältnisse doch so günstig wie nie zuvor. Ganz besonderen Dank sind wir schuldig Sr. k. k. apost. Majestät unserem glorreichem Könige; mit wahrer Vaterliebe ging Se. Majestät mit dem Beispiele voran und wies uns zweimal je 300 fl. aus der allerhöchsten Privatschatulle an. Dies Beispiel spornte an und e§ blieb eine Anstalt, die dem Untergange nahe war, so weit erhalten, daß selbe noch besteht. Das hochlöbl. k. ung. Ministerium für Eultus und Unterricht wies uns eine erhöhte Subvention von 500 st. an. Unser löbl. Magistrat dto. 150 ft. Eine besondere Freude machte uns eine Gäbe vor 2 Jahren von 200 fl., die aus weiter Ferne kam u zw. aus London von k. 9). Z. und 58 fl. von einer Spielgesellschaft umsomehr, da es Zeugnis; ablegt dessen, daß unsere Thätigkcit selbst im Auslände gewürdigt wird. Durch all' diese Unterstützungen ist es uns möglich geworden, unsere Anstalt noch für Weiteres zu erhallen und unsere Thätigkeit nicht einzustellen. Um dieser Anstalt eine Basis zu geben, wäre es erwünscht, einige Freistellen für arme, verwaiste Jdioden zu gründen. Bisher hatten wir 38 Zöglinge, von denen gegen wärtig noch 13 hier in Pflege und Erziehung sind. Von den 25 Ausgetretenen sind 20 mannl. und 5 weibl. Geschlechtes. Von den 5 weibl. Geschlechtes starben in der Anstalt 2; bei seinen Eltern starb 1; als gebessert wurde 1 entlassen und 1 mußte als bildungsunfähig seinen Eltern zurückgegeben werden. Von den 20 niännl. Geschlechtes: 2 starben bei ihren Eltern; 3 sind Gärtner; 2 sind im Ledergeschäfte; 1 ist in einer Seidenhandlung bedienstet; 6 sind Handwerker; 2 besuchen mit Erfolg die öffentl. Schule; 4