Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1882)
- Date
- 1882-03-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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290 deutsch - französischen Kriege vom Jahr 1870 dar.! Nach der Schlacht bei Wörth begegnete ein Militärarzt einem verwundeten Soldaten. Auf die Frage des ersteren, was er suche, antwortete letzterer: „einen Juden." — Den haben Sie in mir gefunden, erwiederte der Arzt. Hierallf ersuchte ihn der Verwundete, ihm zu folgen, da einer seiner Kameraden den Sterbetag seines Vaters, den Jener zu feiern noch nie verabsäumt, begehen möchte, ihm aber noch der zehnte Mann fehlte. Der Arzt willfahrte dieser Bitte und wohnte in gehobener Stimmung dieser Feierlichkeit in einer armseligen Bauernhütte bei. Das letzte Bild „die Rückkehr des Freiwilligen" , führt uns in die Zeit der Befreiung Deutschlands j von der französischen Gewaltherrschaft. Auch die Juden hatten an der großen nationalen Erhebung theilgenommen. Ein in der Schlacht verwundeter jüdischer Jüngling, der freiwillig dem Rufe des Königs Friedrich Wilhelm III. gefolgt war, kehrt zu den Seinigen zurück. Die Familiengruppe aus sieben Personen, ben beiden Eltern, den Söhnen und zwei Töchtern, bestehend, ist herrlich geordnet, tief bedeutungsvoll.— Sehet den Blick des Sohnes auf die Mutter gerichtet — die verstehet ihn! Und das Antlitz der Mutter, die Stirne von der züchtigen Haube umzirkt, das Auge von Wehmnth feucht, der Mund von Wonne umgeben, wie ist das verklärt und liebebeseligt gerichtet auf den wiedergeschenkteu Sohn. — Und dessen Rechte an den: verwundeten Arm, die des ehrwürdigen Vaters Hand innig umschließt, sie spricht eine nicht minder vernehmliche Sprache: „Ich bin wieder bei Euch, Ihr Lieben und Ihr habt mich, und ich habe Euch wieder." Wie wir bereits oben bemerkt haben, ist das Buch sehr reich ausgestattet, ein Prachtwerk im wahrsten Sinne des Wortes. Dasselbe wird dem Büchertische eines jeden Salons zur Zierde gereichen. Aeilungsnachrichlen und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 9. März. Gestern Abend (Mittwoch) fand die angekündigte Versammlung zu Gunsten der russischen Juden statt. Der Saal der Loge Karl war von Angehörigen aller Konfessionen gefüllt. Sowohl von hier, als aus den Nachbarbarstädten waren Herren und Damen erschienen: unter letzteren bemerkten wir auch die beiden Baronessen von Rothschild. .Herr Justizrath Dr. Fuld begrüßte die Versammlungsim Namen des Eomittz's, welches sich hier ähnlich, wie in den meisten anderen Städten Deutschlands, Frankreichs und Englands gebildet hat, um die so grausam verfolgten Juden Rußlands in ihrem namenlosen Elend Beistand zu leisten, Gaben in Empfang zu nehmen und für die richtige Verwendung derselben zu Gunsten der Unglücklichen zu sorgen. Er wolle heute nicht über die unerhörten Unthaten sprechen, welchen die Unschuldigen blos um ihres Glaubens willen erdulden mußten, so schwer es auch falle, den Schrei der Entrüstung zu unterdrücken. An die ganze civilisirte Menschheit sei eine Aufgabe herangetreten, so groß und so schwer, daß es der äußersten Anstrengung aller Kräfte und Mittel bedürfe, um einigermaßen gut zu machen, was in tollem Wahnsinn, in dämonischer Verblendung verbrochen wurde. Von den Gaben, die das Eomite bereits bekommen, fei ein Theil zum Besten der Bedrängten schon verwendet worden; noch unendlich viel mehr sei zu thun, um nur der äußersten Roth der in Rußland Zurückgebliebenen abzuhelfen. Dies sei aber nur eine momentane Abhilfe, unser Blick müsse weiter gerichtet sein, wir müßten die Mittel suchen und müßten sie finden, denn Gott werde der guten Sache beistehen, um dauernd Rettung zu bringen, und dies sei nur möglich durch Schaffung einer Stätte, wo diese Männer, denen es an geistigen Kräften, au Arbeitsamkeit und allen Eigenschaften nicht fehle, die zu einer ehrenwerthen Stellung erforderlich seien, sich eine neue Heimath gründen, und ein gutes Beispiel den Zurückgebliebenen geben könnten. Mehrere tausend kräftige Männer, nicht blos Handelsleuten, wie man den Juden vorzuwerfen pflege, sondern Handwerkern, Landbaueru, Taglöhnern, Straßenarbeitern, sei es gelungen, sich über die Grenze zu retten. Aber was mit ihnen anfangenV Da habe sich ein Ausweg in Amerika gefunden, das schon so oft der Hort und die Zufluchtsstätte der Verfolgten und Vertriebenen gewesen, dem ein reicher Boden und eine Bevölkerung gegeben sei, welche mit größter Intelligenz und Energie auch die Gefühle der Menschlichkeit verbinde. Von dort sei die helfende Hand geboten worden zur Erlösung für die Unglücklichen, wie für uns selbst; denn es sei nicht die Sache der Bedrängten allein, es sei die Sache aller Israeliten, die Sache der ganzen Menschheit, zu helfen, das gutzumachen, was von Unmenschen verbrochen werde. In Amerika habe sich eine Gesellschaft gebildet, die Hebrew Emigrant Aid Society; dieselbe habe einen Delegirten nach Europa gesendet in der Person des Herrn Moritz Ellinger, der mit einer Opferwilligkeit, einer Energie und Thätigkeit sonder Gleichen sich dem Zweck widme, über das, was in Amerika zur Unterbringung der Auswanderer geschehen sei und noch geschehen solle, Aufschluß zu