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Der Israelit · 1882-03-22 · Heft 12 (22.3.1882) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 12 (22.3.1882)
Date
1882-03-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXIII. Jahrgang. Erste Leilage;u Ar. 12 -es Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Bilder aus dem altjüdischen Familienleben nach Original-Gemälden von Moritz Oppenheim, Professor, mit Einführung und Erläuterungen, von Dr. Leopold Stein, Frankfurt am Main. Verlag von Heinrich Keller 1882.*) Die vorliegende Prachtausgabe der berühmten Oppenheim'schen Bilder aus dem altjüd. Familienleben erfüllt uns zugleich mit tiefer Wehmuth. Der geniale Künstler, dem wir dieselben verdanken, weilt, wie wir bereits berichtet haben, nicht mehr unter den Lebenden. Moritz Oppenheim wurde im Dezember des Jahres 1799 zu Hanau geboren. Wiewohl er schon von früher Kindheit ein großes Talent zum Zeichnen und Malen zeigte, so wollte sein Vater, ein Kaufmann, doch nicht gestatten, daß er sich dem Rufe eines Malers widme. Erst mit 18 Jahren erhielt er die Erlaubniß, die Kunstakademie in München zu besuchen. Von hier aus begab er sich zu seiner weiteren Ausbildung zuerst nach Paris und dann nach Rom. Bei einer Preisvertheilung wurde sein Bild als das beste anerkannt; allein man verweigerte ihm den Preis, weil er Jude war. Aber gerade dieser Unrstand verschaffte ihm die Protection des berühmten Bildhauers Thorwaldsen, der auch ein Bild bei ihm bestellte: „Die Rückkehr des jungen Tobias", welches sich noch heute im Thorwaldsen-Museum zu Copenhagen befindet. Als Oppenheim nach Deutschland zurückkehrte, fand seine hohe Begabung überall Anerkennung. Auf Göthe's Empfehlung ernannte ihn der Großherzog von Sachsen-Weimar zum Professor der bildenden Künste. Das eigentliche Genre, in welchem Oppenheim seinen größten Ruhm finden sollte, sind seine Darstellungen ans dem altjüdischen Familienleben. Diese liegen uns in photographischer Nachbildung und in ganz wundervoller Ausstattung in einer neuen Prachtausgabe vor. Es sind im Ganzen zwanzig; sie umfassen die namhaftesten Momente des jüdischen Familienlebens. Die erste Darstellung betrifft die Beschncidung; es ist der Moment dargestellt, in welchem der Gevatter das Kind erwartet. Ein Jahr *) Liehe auch den der heutigen liummer beiliegenden Prospect. später finden wir dasselbe Kind, wie es, nach süddeutschem Ritus, in die Synagoge getragen wird, um für die Thorarolle die Mappe oder Wimpel zu überreichen. Das größer gewordene Kind läßt sich auf dem dritten Bilde vom Rabbi „benschen" (segnen) und auf dem vierten von demselben „verhören". Aus dem fünften Bilde hat der Knabe seine religiöse Mündigkeit erreicht; er wird „Bar Mizwah" und hält eine „Droschoh". Durch lebhafte Gesticulation zeigt der kleine Talmudist das Verständniß des von ihm Vorgetragenen, und mit seligem Blick schaut die Mutter nach dem hoffnungsvollen Sohn. Das sechste Bild führt uns die Trauung nach jüdischem Ritus vor. Nun folgt eine Reihe von Momenten aus dem jüdischen Festesleben: Sabbat-Anfang, Freitag Abend, Sabbat-Nachmittag, Sabbat-Ruhe auf der Gasse, Sabbat-Ausgang, das Purimfest, die Sedernacht, das Schabuot-Fest, der Kol-Nidre-Abend, das Laubhüttenfest und das Chanakufest.' Während die vorhergenannten Bilder bei ihrem jedesmaligen Erscheinen in diesen Blättern besprochen wurden, wollen wir bei dem Letztgenannten etwas länger verweilen. Der Künstler liefert uns auch hier ein gelungenes Familienbild. Ein stattlicher Knabe ziindet im Beisein seiner Eltern und Geschwister die Chanuka-Lichter an; er ist wahrscheinlich zu spät aus der Schule gekommen, denn die übrigen Familienglieder haben sich bereits der Festesfreude hingegeben. Zwei Männer spielen Schach, eine andere Gesellschaft spielt Karten, denn während in vielen israelitischen Gemeinden das Kartenspiel bei der Strafe des Bannes das ganze Jahr hindurch verboten ist, so machen doch Ehanuka und Purim hiervon eine Ausnahme. Die kleinen Kinder der Familie unterhalten sich in ganz eigenthümlicher Weise. Sie haben auf einen Holzklotz Lichter gesteckt und springen darüber hinweg. Dieses sonderbare Spiel war vor einem halben Jahrhundert noch in Gebrauch, ist aber seitdem vernünftiger Weise in Vergessenheit gerathen. Auch das nachfolgende Bild „der Dorfgeher" zeigt uns ein Stück altjüdischen Lebens. Ein armer jüdischer Hausirer zieht in Begleitung seines Sohnes von Dorf zu Dorf, um seine mancherlei Waaren zu verkaufen; der Knabe hat ein jüdisches Herz und spendet, wiewohl selbst arm, einem Handwerksburschen eine Gabe. Das neunzehnte Bild stellt eine Scene aus dem

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