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Der Israelit · 1882-03-22 · Heft 12 (22.3.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 12 (22.3.1882)
Date
1882-03-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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288 Eigenthum zu erhalten? Wie oft ist er nach Ravenna zum Könige geeilt, um unser Recht zu wahren, unser Leben und unfern Glauben zu schützen! War er es nicht, der unsere Glaubensgenossen errettete, als der Bischof von Fäsolä sie zur Taufe zwingen wollte? War er es nicht, der den schlaffen König Theodahad zur Thatkraft anspornte und von ihm den Schutz der bedrängten Glaubensgenossen erzwang? Darum hinweg mit allen Bedenken! Sage uns Deinen Plan, Chanina, und wir wollen Alles thun, was in unseren Kräften steht, ihn zur Ausführung zu bringen!" „„Fürwahr/'" riefen die Andern, „„wir wollen unser Gut und unser Leben nicht schonen, um den unglücklichen Joseph zu befreien!"" „Und noch eins," sagte Einer der Versammelten, Namens Simeon, „wir dürfen auch der armen Miriam nicht vergessen, die in der Gefangenschaft jenes Römers schmachtet. Was mag aus ihr geworden sein?" „„Lucius Licinius,"" sagte Chanina, „„hat sie auf ein festes Schloß in der Nähe von Beneventum bringen lassen. Dort ist sie für's Erste in Sicherheit, so lange der Krieg dauert und Lucius Licinius in Rom oder bei Belisar ist. Wenn wir erst Joseph befreit haben, so wird er schon die Rettung Miriams zu bewerkstelligen suchen. Denken wir also zuerst an unsren theuern, jugendlichen Lehrer. — Bor Allem bitte ich Euch, zu beschließen, daß keine Summe zu groß sei, die für die Rettung Joseph's aufgewendet werden soll und daß wir Alle die Kosten zu gleichen Theilen tragen."" „Wir sind einverstanden", sagte Simeon." „„So überlasset mir denn,"" nahm Chanina wiederum das Wort, „„die Ausführung. Ich habe Euch nur deßhalb hierherberufen, weil ich fürchte, daß die aufzuwendenden Kosten mein Vermögen überschreiten werden. Da Ihr beizutragen Euch erboten habt, so will ich die Verantwortlichkeit für alles Uebrige allein übernehmen. Es wäre ja möglich, daß mein Plan mißlänge. Wozu solltet auch Ihr in die Augelegenheit hineingezogen und von der Strafe bedroht werden?"" „Du bist ein edler Mann, Chanina," sagte Jsachar. „Wenn nur keine Gefahr für mein Leben und das meiner Frau und meiner Kinder ist — das Geld will ich gern hergeben, das heißt, so viel auf meinen Theil kömmt." „„Ich bewundere Deinen Edelmuth, Jsachar!"" sagte Simeon. „Edelmuth hin, Edelmuth her," antwortete Jsachar, „Jeder ist sich selbst der nächste." Die Anderen schwiegen. Sie drückten dem Hausherrn die Hand und versicherten ihn nochmals, daß er über sie und ihren Beistand in dieser Angelegenheit zu jeder Zeit verfügen könne. Chanina blieb nicht lange müssig. Zunächst erforschte er, wer der Kerkermeister sei, dessen Obhut Joseph war übergeben worden. Bald brachte er heraus, daß derselbe Dromon heiße. Er besuchte ihn und erkundigte sich nach dem Gefangenen. „Ach," sagte Dromon, „er ist immer traurig und düster und in sich gekehrt." „„Das ist nicht zu verwundern,"" sagte Chanina; „„der arme Mann hat in jüngster Zeit gar viel Schlimmes erfahren. Er hat seinen Oheim Isaak sterben sehen . . . ."" „Wie," unterbrach ihn der Kerkermeister, „war der Commandant Isaak sein Oheim?" „„Hast Du den Commandanten gekannt?"" „Ob ich ihn gekannt habe? Ich werde ihm nie vergessen, was er mir gethan. Einst, vor vielen Jahren, war ein Gefangener entflohen, ohne mein Wissen und Verschulden. Graf Uliaris glaubte mir nicht und wollte mich auf die Folterbank strecken lassen. Aber Isaak trat für mich ein und rettete mich von den schrecklichen Qualen." „„Dromon,"" sagte Chanina herzlich, „„dem verstorbenen Commandanten kannst Du Deine Dankbarkeit nicht beweisen; so erzeige denn Gutes dem nächsten Anverwandten desselben. Suche ihm sein hartes Geschick zu erleichtern, so lange er noch unter Deiner Obhut ist. Bald werden die Schiffe kommen, um die Gefangenen in ein fernes Land zu bringen, wo sie in den Bergwerken mit Mördern und Räubern zusammen Sträflingsarbeiten verrichten müsftÄ. Bis dahin wollen wir dem Unglücklichen einige Erleichterungen verschaffen. Ich werde Dir für ihn einige Speisen und Getränke schicken, einen Gebetmantel und die Gebetriemen. Willst Du^das Alles dem Gefangenen zukommen lassen?"" „Ich will," antwortete Dromon. „„So nimm hier einen kleinen Beweis meiner Dankbarkeit."" Chanina drückte dem Kerkermeister eine gefüllte Geldbörse in die Hand und entfernte sich. Mit unbeschreiblichem Behagen schüttete Dromon den Inhalt der Börse auf den Tisch und zählte die Münzen. Es waren hundert Solodi. So reich war er in seinem ganzen Leben noch nicht gewesen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu sieben Beilagen. Verantwortliche Redaetion: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des , Israelit* grohe Bleiche 45. I. Gottsleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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