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Der Israelit · 1882-03-22 · Heft 12 (22.3.1882) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 12 (22.3.1882)
Date
1882-03-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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287 chen, daß die ihm verlobte Braut eine Beute der grimmigen Feinde geworden, war ihm schrecklicher als der Tod. So verbrachte Joseph viele traurige Stunden. ' Gegen die griechischen und italienischen Bewohner von Neapel, welche bei der Eroberung der Stadt waren festgenommen worden, verfuhr Belisar milde. Er stellte ihnen frei, in sein Heer einzutreten, welches dadurch um zehntausend Streiter vermehrt wurde. Auch von den gefangenen Juden nahm er Lösegeld. Nur die Gothen und die Führer der Griechen, Italiener und Juden, die sich bei der Verteidigung der Stadt besonders hervorgethan hatten, sollten in die Bergwerke geschickt werden. Für's Erste blieben sie gefangen in der Stadt, da keine Schiffe vorhanden waren, welche sie ihrer Bestimmung hätten zuführen können. Nicht lange hielt sich Belisar in Neapel aus. Er zog gegen Norden. Ueberall fiel ihm die italienische Bevölkerung zu, während die gothischen Familien flüchteten, um in dem Lager des Königs Schutz zu suchen. König Wittigis war bereits nach Süden gezogen, um dem belagerten Neapel Entsatz zu bringen, als er vernahm, daß Belisar die dritte Stadt des Reiches — die erste war Ravenna, die zweite Rom — erobert hatte. Dies mußte seinen ganzen Kriegsplan ändern. Dazu kam noch Aufruhr in eigenem Lager. Wittigis war ein Mann von hohem Ruhm der Tapferkeit; aber er stammte nicht aus einem edlen Geschlechte. Die Amalungen, die Balten, die Völsungen leiteten ihr Geschlecht von den alten Göttern ab. Aus dem Geschlechte der Amalungen stammten die ostgothischen Könige, deren letzter Sproß, König Theodahad, eines unrühmlichen Todes gestorben war. Die Balten herrschten über die westgothischen Stämme; sie waren nach dem fernen Hispanien gezogen und hatten dort ein westgothisches Königthum gegründet. Aber die Völsungen lebten inmitten der Ostgothen und außer ihnen noch viele andere edle Geschlechter. Wittigis war der Sohn eines gemeinfreien Bauern. Erst König Theoderich hatte ihn um seiner Tapferkeit willen zum Grafen ernannt und an die Spitze des Heeres gestellt. Nur ungern gehorchten dem Bauernsohne die altadeligen Geschlechter. Herzog Arahad, aus dem Geschlechte der Völsungen, erhob die Fahne des Aufruhrs. Diese mußte König Wittigis zuerst unterwerfen. Deßhalb zog er sich nach Norden zurück, zunächst nach Rom. Herzog Arahad hatte Florenz zu seinem Hauptwaffenplatz gemacht. Deßhalb begnügte sich Wittigis, den Bürgern von Rom den Eid der Treue abzunehmen. Dann verließ er Rom, dämpfte den Aufstand in Florenz und bezog die feste Stadt Ravenna. Wie ein Triumphzug gestaltete sich der Heereszug des Belisar. Keine Stadt widerstand ihm; wohin er kam, flohen die Gothen und jubelten ihm die Italiener entgegen. Der Schrecken, welcher sich aller Bewohner von Neapolis nach der Eroberung der Stadt bemächtigt hatte, wich mehr und mehr im Verhältnisse, da Belisar mit seinem Heere sich von dem Süden entfernte. Chanina, ein vornehmer, jüdischer Einwohner von Neapolis, versammelte die angesehensten und einflußreichsten Glaubensgenossen in seinem Hause. „Meine Brüder," redete er sie an, „ich habe Euch hierherberufen, um Euch eine heilige Pflicht an's Herz zu legen. Gott hat uns beschützt und errettet aus großer Gefahr. Unser Leben hätte uns der Eroberer rauben können; aber durch Gottes Gnade ist uns nicht allein unser Leben geschenkt worden, auch unser Eigenthum hatten wir zur Zeit der Plünderung größtentheils wohl verwahrt und geborgen. Nur Einer muß büßen für uns Alle, und das ist gerade der Edelste und Beste aus unsrer Mitte. Joseph, unser Rabbi, unser Lehrer, unser Meister, sitzt gefesselt im Kerker und sieht einem traurigen Geschicke entgegen. Ihr wißt es, daß er nach Cherson in die Bergwerke zu lebenslänglicher Zwangsarbeit geschickt werden soll. Wir müssen ihn befreien." „„Wie könnten wir das?"" fragte einer der Versammelten, Namens Jsachar. „„Schon haben wir dem Belisar hohe Summen für die Befreiung Josephs geboten. Er weigerte sich darauf einzugehen. Kein Lösegeld wäre mir zu hoch, um den edlen Jüngling zu retten. Wenn man aber die Annahme des Lösegeldes verweigert — was können wir weiter thun?"" „Wenn wir unfern theuern Rabbi," sagte Chanina, „nicht auf gesetzmäßigem Wege befreien können, so müssen wir es in anderer Weise versuchen." „„Was verlangst Du von uns!"" rief Jsachar. „„Das hieße ja unser Leben und das unsrer Frauen und Kinder gefährden!"" „Schweige, Jsachar," rief ihm ein Anderer der Versammelten, Namens Naphtali, zu, „schweige von allen kleinlichen Bedenken. Wenn wir es nicht um Josephs willen wagen, wenn wir es nicht thun, um ein gottgefälliges Werk zu vollbringen, um einen Mitbruder, um einen Gelehrten von einem schmachvollen Geschicke zu erretten, das schlimmer ist als der Tod, so müssen wir es thun um unsres Freundes und Beschützers Isaak willen, dem Gott die ewige Seligkeit verleihen möge! Hat Isaak jemals gezaudert, wenn es galt, einen Bruder zu erretten, eine bedrängte Wittwe zu beschützen, einer Waise ihr

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