Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1882)
- Date
- 1882-03-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Jahr aus, Jahr ein suchte er Geld für die Armen der hl. Städte zu sammeln und gar Vieles aus eigener Tasche floß dahin. Nie blieb sein Auge thränenlos, wenn er am p"» an den Segensspruch gelangte, worin um die Wiederaufrichtung Jerusalems gefleht wird. — R. David Weißkopf ist nicht mehr; er erntet jetzt den Lohn seines tadellosen, nur dem Dienste Gottes geweihten Lebens. Möge von den Höhen des Himmels herab das Verdienst dieses wahren Tom p'NL uns führen auf die Bahn des Lebens, damit bald nicht mehr Klage ertöne in Israel und auch verschwinde der Tod. Und die Seele des frommen, vielgeliebten Morenu Harab R. David Weißkopf ruhe im Eden bis zum Tage des Wiedererwachens. S. D. Weißkops. AeitungsnachrLchten und Correspondenzerr. Deutschland. Mainz, 21. März. In sehr vielen israel. Gemeinden Deutschlands, im Norden und im Süden, im Osten und im Westen, wurde der gestrige Fast- und Bettag in feierlichster Weise begangen. Auch in der Synagoge der hiesigen israel. Religionsgesellschaft hatten sich viele Männer eingefunden, welche den ganzen Tag fasteten; so wurde denn Morgens und Nachmittags Pm gelesen und uuy in y"» recitirt. Die Feier wurde durch die Ausgabe des Extrablattes, dessen Inhalt am Schluffe des ersten leitenden Artikels in dieser Nummer wiedergegeben ist, wesentlich erhöht. Die innigste Freude malte sich auf allen Gesichtern und aller Augen füllten sich mit Thränen, als der Vorsänger die Worte sprach: :ruyK uw in->p* d->d'vn Möge der allgütige Gott Seine allmächtige Hand stets schützend über uns und unfern Brüdern halten! P a l ä st i n a. Jerusalem, den 17. Februar. Seit einiger Zeit erscheint hier ein polyglottes Localblatt unter dem Titel „Jerusalemer Anzeiger." Derselbe veröffentlicht Lokalnotizen und Anzeigen in deutscher, französischer, englischer, arabischer, hebräischer, italienischer und spanischer Sprache, und gibt so ein getreues Bild vou dem in der Stadt herrschenden Sprachenreichthum. Wir geben hier einige Notizen aus demselben wieder: „Wir haben in dieser Woche wieder einen großen Schneefall gehabt und während zweier Nächte auch einen ziemlich starken Frost. Der Kidron (Bir Jjob) fließt wirklich und nach einer alten Tradition haben wir also ein fruchtbares 'Jahr zu erwarten. Eine Menge Leute gehen täglich hinaus, um das Fließen dieses willkommenen Wassers zu beobachten; Kaffeehäuser sind deßhalb dort improvisirt worden, die gewiß gute Geschäfte machen. Bei uns hier ist der Schnee eben nur noch ein geschichtliches Faktum, aber jenseits des Jordan sehen wir noch alle Spitzen der Berge Moabs mit Schnee bedeckt. Das nasse Wetter hat nicht nur die Leute in den Städten belästigt, sondern auch die Dorfbewohner. In Artaß wurden die Leute förmlich aus ihren Häusern getrieben. Sie suchten Obdach in Herrn Baldenspergers hochgelegenem Hause und fanden solches auch für sich und ihr Vieh. 35 Kameele wurden im Stalle untergebracht und die Bauern mit ihren Familien (unter denen ein sterbender Mann war) in den oberen Zimmern. Wir hören, daß in Beit Susasa ein großes zweistöckiges Haus, dessen Fundament nur theilweise auf dem Felsen war, eingefallen ist, jedoch glücklicherweise ohne irgend Jemand zu verletzen. Das Comits der Aerzte, das einen vollständigen Plan für die Straßenreinigung Jerusalems vorzubereiten übernommen hatte (siehe unter Nummer 3) hat nunmehr seine Entscheidung dem Gouverneur von Jerusalem überreicht und dieser hat eine allgemeine Versammlung aller Delegirten für nächsten Montag einberufen. Hoffentlich haben wir nächste Woche einen muthigen Fortschritt in der Sache mitzutheilen. Der Architect der Straße nach Hebron ist;etzt auf den Befehl des Gouvernenrs von Jerusalem damit beschäftigt, die Reparaturen der Straße nach Jaffa zu überwachen." Feuilleton. Uarthenope. XII. In einem der Kerker des Castells von Neapolis saß Joseph in einer dunklen Zelle. Er war mit den Waffen in der Hand ergriffen worden. Das Loos der Kriegsgefangenen war ein schreckliches. Sie wurden in der Regel in eins der Bergwerke nach Cherson geschickt, wo sie dann für immer aus dem Leben der Menschen verfchwanden. Harte Arbeit, magere Kost und schlechte Behandlung war das traurige Loos der unglücklichen Sträflinge. Joseph wußte das. Aber dieses Bewußtsein war ihm nicht so quälend wie der Gedanke an Miriam. Er hatte noch vernommen, daß sie es war, die den Secgrafen durch den warnenden Zuruf gerettet hatte. Was war aus ihr geworden? Weilte sie noch unter den Lebenden? Der Gedanke, daß das schöne, edle Mäd-