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Der Israelit · 1882-03-22 · Heft 12 (22.3.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 12 (22.3.1882)
Date
1882-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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285 Seinem Streben nach Vervollkommnung in p"mn entsproß sein Feuereifer in der täglichen, ja allaugenblicklichen Betätigung von moy* Von frühester Jugend an übte R. David Weißkopf alle 'i roso mit einer Freude, die keine Feder beschreiben kann, mit einer rein himmlischen Wonne. Nur Diejenigen, welche das Glück hatten, ihm nahezustehen, sind im Stande, sich einen — aber auch nur schwachen — Begriff zu machen von der Beseligung, die sich seines frommen Gemüthes bei der Erfüllung einer .-iwv bemächtigte: es war nicht mehr irdisch, es war eine höhere Lust, welche sein ganzes Sein durchströmte, so er eine anscheinend mindergroße msa ausübtc. Da vibrirte vor Freude der ganze Mensch in R. David und auf seiner edlen Stirne konnte man da deutlich die '-i ren* lesen. Seine große Opferfähigkeit im Dienste des Schöpfers betätigte er auch durch häufiges Fasten. Abgesehen von den üblichen Hauptfasttagen pflegte der Heimgegangene an allen Rüsttagen von Rosch Chodesch, die ganze Selichoth- und Teschuj bohwoche hindurch bis vor wenigen Jahren ganze! Tage zu saften, ohne darum in seinem Fleiße und! Eifer mnyi minb nachzulassen. Wie oft stand er! noch in dem letzten strengen Winter, vor einigen j Jahren, früh Morgens, allein in der Synagoge, > um trotz den Unbilden der rauhen Jahreszeit, wenn! auch ohne po doch »np aipas zu beten. j Und was war Rabbi David Weißkopf als , Mensch, was als Gatte, was als Vater, Sohn, , was als Ehaber, als Talmid, als Lehrer und; Unterweiser? j In seinem edlen Herzen war nie Raum für; eine Leidenschaft, kein Platz für eine Untugend. j Seinem Vater war er ein folgsamer Sohn,! der nur den Willen seiner Eltern kannte; seiner > Gattin war er nur Liebe und Güte und Zuvorj kommenheit, so daß auch sie, die ehrwürdige Mai trone kein anderes Glück je gekannt hatte, als an! der Seite ihres theuren Mannes, für ihn und durch; ihn zu leben; die Erfüllung seiner Wünsche, darin! allein gipfelte sich das Prinzip, nach welchem diese! jüdische Biederfrau 56 Jahre hindurch im Bunde! mit R. David gelebt hat. Wie für seine Gattin '"n so war der Selige auch nur Liebe und Sanftmuth für seine Kinder, die er mit der größten Selbstverleugnung und Auf-! opferung großzog im Geiste des wahren Judenj thums. j Aber nicht für seine Familie allein, lebte und > wirkte R. David Weißkopf W'r, seine Liebe zu der ganzen Judenheit war unbegrenzt, sie war cosmopolitisch. Von einer Bescheidenheit, wie sie nur bei solcher feurigen 'i n*n» zu finden ist, von einer Selbstlosigkeit sonder Gleichen, war R. David Jedermann gegenüber zuvorkommend, diensteifrig in einem Grade, der das Menschenmögliche fast überschreitet. Das können wir von R. David Weißkops getrost behaupten, zu keiner Zeit und in keinerlei Verhältnissen konnte irgend ein materielles Interesse in seinem frommen Sinn auftauchen oder gar Wurzel fassen. Nur die Gottesfurcht, sie allein und keinerlei irdischen Gedanken hat je einen seiner Schritte bestimmt. Darum war er auch freundlich gegen Jedermann, liebevoll für Alle. Jsraelite und Nichtjude, Greis oder Knabe, Jung und Alt, Reich und Arm. Jedermann mußte sich im Verkehre mit dieser ehrwürdigen Gestalt sagen, nur eine Engelseele kann so unvergleichlich gut und sanft gegen die Menschenkinder sein. Soll ich erzählen, wie er mit Hinten - ansetzung seines Vortheiles Anderen zu Stellen verhaften hat, wie er mit der größten Selbstverläugnung jungen Leuten Stipendien zum ungestörten Thorastudium verschafft hat, während seine Kinder in der Ferne darbten, wie er von Haus zu Haus wandelte oder Nächte durch Briefe schrieb, um die Begüterten zu rida 00:271 msa zu veranlassen, wie er Tag und Nacht sann, um ganz Unbekannten helfend beizustehen? Da müßte ich eines der thatenreichsten jüdischen Existenzen der neuen und der alten Zeit erzählen. Wer von R. David Weißkopf d"L"- gehört, der wird wissen, daß kein Armer je sein Haus unzufrieden verlassen hat, es war das Haus Davids ein offenes, wo Jeder Trost und Hilfe suchte und fand. Nun, eines muß ich noch hinzufügen: zahlreich und unschätzbar sind die Edelsteine der uns nun entrissenen Krone, aber eine Perle glänzt in diesem Diadem, wie kein irdisches Juwel zu glänzen vermag. R. David Weißkopf, dem in seinem Leben manche Zurücksetzung nicht erspart worden war, — wovon aber kein Menschenkind je aus seinem Munde etwas erfahren hatte — er besaß ein Gottvertrauen, das unerschütterlich war, eine Zuversicht auf die Hilfe Gottes, die kein Sturm wankend machen könnte. Sein nnus auf na"pn war die ebenbürtige Zwillingsschwester seiner Selbstverläugnung, seiner Uneigennützigkeit, seines anspruchslosen Wesens und seiner eminenten Bescheidenheit. Man kann diesem Frommen nachrühmen, er hat in seinem Leben nie eine Sorge um das Materielle empfunden. Dagegen verursachten ihm die Reformen und die Verletzung der jüdischen Gesetze schweren Kummer; es erfüllte seine Seele mit Gram, wenn er sah, wie die Füchse den Garten des Ewigen zertraten und in dem Weinberg des Herrn die Reben ausrissen. Da richtete er denn sehnsuchtsvoll feinen Blick nach Jerusalem. Für Palästina schwärmte R. David.

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