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Der Israelit · 1882-03-22 · Heft 12 (22.3.1882) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 12 (22.3.1882)
Date
1882-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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284 Ausgerüstet mit einem reichen Wissen auf dem Gebiete der heiligen Lehre und ganz vorzüglich zur n«mn befähigt — war er ja dem Ausspruche unsrer Weisen gemäß als echter duh uo:?n vollkommen geübt in nnmo nuo nü’rw — ging R. David im Jahre 1830 nach Aub in Unterfranken, wo er 19 Jahre zum Heile der Gemeinde und der ganzen Umgegend wirkte. Alsdann trat er die Nabbinerstelle in Wallerstein an, welche seit dem Abgänge des R. Oscher Wallerftein unbesetzt geblieben war. Nachdem vor einigen Jahren die' Gemeinde Wallerstein so abgenommen hatte, daß die Werktage hindurch kein j\32 zu Tephila u^Lv mehr znsammengebracht werden konnte, wurde mit Genehmigung des Rabbinatssprengels der Sitz nach Kleinerdlingen verlegt, wo R. David noch im hohen Alter das Glück hatte, schöne Tage in der Gesellschaft seines Schwiegersohnes R. Michael Kohn und seines Freundes N. Salomon Cltenheimer, zweier ebenso hochgelehrten wie edlen Männer, zu verbringen. Kurz vor 2o"-n n"- stellte sich ein Schwächezustand bei R. David ein und am 19. Adar verschied dieser gottcssürchtige Mann yzitn nzia nj’zo O'v' im glücklichen Greisenalter und satt an Jahren, umringt von seinen Kindern, die auf das Geheiß der schmcrzersüllten Gattin ip'V'-"' 'n herbeigceilt waren. Freitag Nachmittag wurde die Hülle dieses Isch Elokim zur ewigen Nutze getragen, seine Ruhestätte befindet sich in der nächsten Nähe des bekannten Reb Lippmann Heller, des Großvaters vom Tosephot Jomtob und neben dem vor 116 Jahren Heimgegangenen Wallersteiuer Rabbiners, Rabbi Hirsch Kahne, Sohn des berühmten Fürther Rabbiners R. Boruch Charis aus der Familie Rappaport. Eine lange Reihe von Leidtragenden — die sämmtlichen Mitglieder der Gemeinden von Nördlingen und Klcinerdlingen folgten dem Verewigten bis zu dem 1 7* Stunden entfernten Friedhofe in Wallerstein, wo weit vor dem Orte die wenigen noch dortselbst wohnenden Israeliten sich dem 'Trauerzuge anschlossen. Wegen war es den übrigen zunr Rabbinatsbezirke gehörenden Ortschaften nicht vergönnt, ihrem verewigten, vielgeliebten Lehrer und Rabbiner die letzte Ehre zu erweisen. Vor dem Eingänge zum Beth Chajim sprach Rabbinats-Substitut R. Michael Kohn einige tief ergreifende Worte, wenige — wegen wu-j — aber inhaltsreiche, welche das Herz aller Anwesenden zu Thränen rührten. Das ganze Leben dieses seltenen Mannes ging in der ununterbrochenen Ausübung von rnuy nun DHDn diesen drei Grundpfeilern des Judenthums auf. Von seiner zartesten Jugend an dem unerschöpflichen Quell der hl. Lehre weilend, schöpfte und schaffte-er darin mit nimmer erschlaffendem Fleiße: weder Kälte noch Hitze, weder Freud' noch Schmerz, keine irdische Macht konnte ihn stören in dem Forschen nach den Wahrheiten von Thorasenu Hakkedoscha. Und darum wählte er auch den Beruf, der es ihm ermöglichte, auch Andere: Jung und Alt, Männer und Frauen für die hl. Lehre zu gewinnen. Mit seiner unbegrenzten Demuth unterrichtete R. David selbst die kleinsten Kinder in pon, um sie allmählich in ue?ni n:a?D einzuweihen. Man innß ihn gesehen haben, diesen Manu, mit dem Liebe verkündenden Blicke der weihevollen Freude und dem heiteren Ernste, auf. dem nur Edles verheißenden Antlitze, wenn er Groß oder Klein Thora lehrte; da fühlte man, daß rc« nun, daß die Zunge nur den Ergüssen eines von der Gottesidee einzig und allein beseelten Herzens Ausdruck verleihe. Ununterbrochenes Selbststudium der Thora und Verbreitung der Kenntnis; derselben, das war die Aufgabe, an deren Vollbringung R. David seine ganze Kraft, ja sein ganzes Dasein von dem ersten Erwachen seines Geistes bis zu seinem letzten Athemznge setzte. Erst jüngstens als die körperliche Schwäche den sonst so feinfühlenden Geist zeitweise umflort hatte, nahm der Verblichene ein Buch zur Hand, sprechend: Leider habe ich Alles vergessen, ich muß wieder zu erlernen beginnen. Und als die Stunde schlug, jene Stunde, die ihn in die himmlische Region führen sollte, wohin lebenslang sein Blick gewandt, da schied er gerne von hieniedcn, weil er — es sind dies seine eigenen Worte — nichts mehr für?"n";"n wirken konnte. Während R. David selbst sein Wissen unaufhörlich zu bereichern strebte und mit bewunderungswürdiger Geduld seine Kinder und viele Zöglinge an das Thorastudium gewöhnte, erfüllte mit tiefem Schmerz sein edles Herz die betrübende Wahrnehmung, daß die Pflege der Gotteslehre leider immer seltener in Israel werde. Unbegrenzt war seine Liebe zur Thora, unbegrenzt seine Hochachtung für Talmide Chachomim, untröstlich sein Gemüth, wenn er im Laufe der Zeit gar manchen Fels in Jehuda und Israel von der Erde verschwinden sah. Ein Thoragelehrter war für den unvergeßlichen Wallersteiner Rabbiner der kostbarste Diamant. Wenn nun alle Phasen seines geistigen Seins in der Liebe zur heiligen Lehre aufgingen, so war seine ganze irdische Existenz dem Dienste des Allmächtigen nuij/? und dem Wohle seiner Brüder und dem Heile der Menschheit onon gewidmet.

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