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Der Israelit · 1882-03-22 · Heft 12 (22.3.1882) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 12 (22.3.1882)
Date
1882-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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283 Bis hierher hatten wir geschrieben; wir hatten noch die Absicht gehabt, unsere einflußreichen Glaubensgenossen in den Hauptstädten Europas dringend zu bitten, dahin zu wirken, daß auch diesmal die europäischen Regierungen sich beim Kaiser von Rußland für die bedrohten Juden des russischen Reiches verwenden möchten. Da erhielten wir die nachstehende Freudenbotschaft aus Rußland: St. Petersburg.*^ Die bekannten Beschlüsse der Hauptcommission, nach welchen unter Anderm die Juden aus den kleinen Städten und Dörfern vertrieben werden sollen, wurden vom Grafen Jgnatiew Sr. Majestät, dem Kaiser, zur Bestättgung unterbreitet. Seine Excellenz machte die ^>ache sehr dringend; es müßten, angeblich zum Schutze der Juden, diese Beschlüsse noch vor dem Osterfeste zum Gesetz erhoben werden und zur Ausführung gelangen. Der Kaiser entgegnete, daß so hochwichtige Beschlüsse der sorgfältigen Ueberlegung bedürfen und Allerhöchftderselbe sie zuvor mit einigen Angehörigen des Kaiserhauses berathen wolle. Im allerhöchsten Familienrathe wurde dann überzeugend nachgewiesen, daß die Ausführung jener entsetzlichen Beschlüsse nicht nur den Juden, sondern auch dem ganzen Reiche zum größten Nachtheile gereichen würde, da in vielen Gegenden die Producte des Bodens lediglich durch den Zwischenhandel der Juden verwerthet werden können. Als nun Jgnatiew zum zweiten Male vor dem Kaiser erschien und aus die Bestätigung drang, so wies ihn der Kaiser zurück und bedeutete ihn, daß Se. Majestät diesen blutigen Beschlüssen niemals die Allerhöchste Genehmigung ertheilen werde. — Gelobt sei der allgütige Gott, dessen Huld und Gnade so Schlimmes von uns abgewendet haben. Aabbi Iavid Weißkopf y"j- „Darum umgürtet Säcke, klaget und jammert." oed O’pttf ran n«i Wieder ist gefallen eine herrliche Ceder im Heine des Herrn, eine der stärksten Stützen des Judenthums, eine Koryphäe der Orthodoxie a->n «nio '’nb b"L"l in -nino iV'n »on D^y, der greise, ehrwürdige Distrikts-Rabbiner David Weißkopf aus Wallerstein segnete das Zeitliche am 19. Adar. Der Tod dieses wahrhaft Gerechten wird weit über Deutschlands Gauen hinaus Schmerz und Trauer erwecken, denn der Verlebte, welcher das hohe Alter von fast 84 Jahren erreichte, hatte sich *) Einigen unsrer geehrten Leser bereits durch ein Extrablatt mitgetheilt. im Verlaufe seiner thatenreichen Lebensbahn nur Freunde und Verehrer erworben und zahlreiche Schüler ausgestellt, die in allen Weltgegenden in seinem frommen Geiste fortwirken. Rabbi David Weißkopf, geboren Samstag den 12. Jjar 5558 (den 28. April 1798) stammte mütterlicherseits aus einer alten Gelehrtenfamilie, von denen einzelne Mitglieder Dajanim zu Metz und Fürth waren. Sein äußerst gottesfürchtiger Vater führte ihn als einzigen Sohn schon frühe dem Studium der hl. Thora zu. Den ersten Grund zu der späteren Berühmtheit des R. David }'V'? legte dessen Jugendlehrer R. Abraham Böhm aus Gunzenhausen, seinem Geburtsorte. Dort schloß er ewige Freundschaft mit dem so frühe verstorbenen Rabbi Elieser Bergmann aus Heidenheim, welcher später nach dem hl. Lande übersiedelte und sich um die Angelegenheiten Palästinas so große Verdienste erworben hat. Beide verlebten eine Reihe von Jahren als wahre Chaberim in brüderlicher Gemeinschaft und weder die Entfernung noch der frühzeitige Tod hatten das Feuer der Liebe auslöschen können, welches Rabbi David Weißkopf bis zu seiner letzten Erdenstunde dem Freunde und dessen in Jerusalem weilenden Nachkommen bewahrt hat. Immer nur unter Thränen erwähnte er den längst Verstorbenen, der in Berlin ruht. Von Gunzenhausen zog R. David nach seiner Bar Mizwah zu Rabbi Moses Hechheim W'?, dem damaligen Oberrabbiner zu Ansbach. Nach mehrjährigem, eifrigem Studium unter diesem ebenso frommen, wie ttefgelehrten Mann wanderte R. David nach Würzburg, wo er fortan unter dem väterlichen Schutze des damaligen Medinerabs Rabbi Abraham Bing r>"L"i eine lange Reihe von Jahren nur für min und Maaßim tobim lebte. R. David im Vereine mit R. Elieser Bergmann waren die eigentlichen Pioniere der später so berühmt gewordenen rabbinischen Hochschule, naufrv aus welcher so viele edle Männer hervorgegangen sind. In Würzburg entfaltete sich vollends in R. David der hl. Eifer zur Gotteslehre, seine Tugendhaftigkeit und sein unvergleichlich frommer Lebenswandel. Vier Jahre hindurch fungirte der jetzt Heimgegangene an der Stelle seines durch das Alter gebeugten Lehrers, der ihn wie sein eigenes Kind liebte. In Würzburg war es auch, wo R. David im Jahre 1826 seine fromme bescheidene Gattin, eine Tochter des R. Sekel und Nichte des R. Mendel Rosenbaum heimführte; mit ihr lebte er in einem niemals getrübten Ehenglücke; sie stand ihm treu und hilfreich zur Seite in der streng-jüdischen Erziehung seiner vier Söhne und drei Töchter vn\

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