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Der Israelit · 1882-03-15 · Heft 11 (15.3.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 11 (15.3.1882)
Date
1882-03-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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264 Nachher, dachte Antonia, kehre ich mit Belisar nach Constantinopel zurück und muß ohnehin den schönen Römer verlassen. „Dein Wille geschehe, schöne Herrin", sagte Licinius. Belisar hatte mit größtem Mißfallen diesem Gespräche zugehört. Er bemerkte die spöttischen Blicke seiner Feldherren, denen Antonina's Untreue und vielfache Liebesabenteuer kein Geheimniß war. Auch er wußte davon, und oft genug war er von seinen Freunden und Untergebenen gewarnt worden. Allein er konnte sich von diesem Weibe nicht trennen. Er hatte ihr nicht allein stets Alles verziehen, was sie gegen ihn verbrochen, sondern war auch immer wieder ihr gehorsamer Sklave geworden. Diesmal jedoch raffte er sich auf und suchte das vor seinen Augen sich entspinnende Liebesverhältniß im Keime zu ersticken. „Wohlan denn", sagte er, „ich schenke Dir das Mädchen, Patricius. Lasse es durch Deine Diener auf eins Deiner festen Schlösser bringen. Ich weiß, Du bist begütert hier in der Nähe. Du selbst aber besteigst mit Deinen Freunden die Trireme und fährst sofort nach Rom. Ich verlange nicht, daß Du und die Römer ihr Leben nutzlos opfern sollen; allein Du wirst sehen, was zu thun ist. Wie ich vernehme, ist die gothische Besatzung in Rom nur schwach und leicht zu überrumpeln. Gewinnst Du Rom, so werde ich den Kaiser bitten, Dich zum Exarchen von Italien zu ernennen, nachdem die gothische Herrschaft gestürzt sein wird." „„Aber, Belisar"", riefAntonina lebhaft, „„ich habe doch den Wunsch ausgesprochen, daß der Patricius bei uns bleibe!"" Schon wollte Belisar, wie gewöhnlich, dem Willen seines Weibes sich fügen; allein Lucius Licinius sprach: „Nicht doch, mein Feldherr, Dein Plan ist der bessere. Es ist notbwendig, daß ich nach Rom zurückkehre und die Römer zum Aufstand aufrufe." „„Und ich will"", schrie Antonina, „„daß Du bei uns bleibst und an der Seile Belisar's kämpfest!"" Rathlos blickte der Feldherr im Kreise umher. Da sah er, wie sie lachten, der blutige Johannes, Martinus, der Geschützmeister, Perseus, der Anführer der Reiter, Ehanaranges, der Anführer der Illyrier. Ein Lächeln der Verachtung schwebte auf ihren Lippen. Sie, die alle vor einem Stirnrunzeln Belisar's erzitterten, wie verhöhnten sie jetzt den Weiberknecht! Da nahm er sich zusammen und schrie: „Es bleibt bei dem, was ich gesagt habe; Du fährst sofort nach Rom, Patricius!" Antonina erhob sich wüthend von ihrem Sitze; sie schleuderte dem größter! Helden des Jahrhunderts einen Blick zu, vor dem dessen Herz erbebte. Dann verließ sie zornig die Tafel. Dem armen Belisar war sein Triumph verbittert. Wie konnte er sich des glorreich begonnenen Feldzug freuen, da sein Weib ihm zürnte! Nichts schmeckte ihm mehr Speise und Trank, und mißmuthig hörte er dem Lucius Licinius zu, da dieser sich bei ihm verabschiedete. Der römische Patricier verließ in Begleitung des blutigen Johannes das Eastel, um die Gefangene in Empfang zu nehmen. Die arme, bedauernswerthe Miriam lag gefesselt in dein Hause, in welchem sie bisher als Herrin gewaltet hatte. Lucius Licinius durchschnitt die Stricke. „Kennst Du mich, Parthenope?" fragte er das unglückliche Mädchen. Miriam sah in an. „„Geh hinweg' ", schrie sie, „„Du bist der Räuber, der mich im Hause der Veturia überfallen hat!"" „Ich bin der Retter DeinesZLebens,,, sagte Lucinius. „Belisar hat Dich zum Tode verurtheilt, weil Du dem schönen Secgrafen einen Warnungsruf hast zukonunen lassen. Auf meine Fürbitte hat Dich der Feldherr begnadigt und Dich mir zum Geschenke gemacht. Du bist jetzt mein Eigenthum, stolze Parthenope!" ,,„O Gott"", schrie Miriam in größter Verzweiflung, „„warum hast Du mich nicht sterben lassen!" ' „Weil Du leben sollst", lachte Licinius, „leben zu meiner Freude und Lust! Nur schade, daß ich Dich nicht gleich mit nach Rom nehmen kann und daß ich mich schon jetzt von Dir verabschieden muß. Du bleibst unter der Aufsicht meines Dieners Volivius. Lebe wohl, schöne Jungfrau, bald sehe ich Dich wieder." Er ging. Miriam athmete erleichtert auf, als der Verhaßte sich entfernte. (Fortsetzung folgt.) hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Or. L eh wann in Mainz. — Vertag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottslebeu's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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