Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1882)
- Date
- 1882-03-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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263 mich wieder vertreiben können. In meinem Berichte an den Kaiser werde ich Dein Verdienst gebührend hervorheben, und Justinian wird Dich zu belohnen wissen." „„Ich habe"", antwortete Licinius, „„nur meine Pflicht gethan. Jeder Römer muß Alles, was in seinen Kräften steht, thun, um das verhaßte Joch der Barbaren abzuschütteln."" „Deine Rede ermuthigt mich", sprach Belisar, „Deine Hilfe weiter in Anspruch zu nehmen. Ich habe leider keine Flotte zu meiner Verfügung. Mein Nauarch ist an die griechische Küste zurückgekehrt, um neue Hilsstruppen und Verstärkungen herbeizuholen Dadurch bin ich gezwungen, langsam zu Lande nach Norden zu ziehen. Es' ist jedoch von der größten Wichtigkeit, vor allen Dingen Rom zu gewinnen. Nur wer Rom hat, ist der Herr Italiens. Daher bitte ich Dich, daß Du sofort mit Deinen Begleitern Deine Trireme besteigest und nach Rom zurückkehrest. Bringe den Römern die Nachricht von der Eroberung Neapels. Ruse die Patricier und das Volk zu den Waffen, vertreibe oder tödte die gothische Besatzung. — Ich selbst werde bald zu Deiner Unterstützung dort sein." Das Herz des Römers zitterte vor Freude und er sprach: „„Dein Vertrauen, o Feldherr, ehrt mich sehr; ich werde sofort Deinen Weisungen Folge leisten. Die Nachricht von dem Falle Neapels wird den Muth der Römer heben und sie zum Kampfe und zuni Siege führen. Wehe den Barbaren!" „Gestatte mir, Belisar", nahm Antonina das Wort, „anderer Ansicht zu sein Die Gothen halten alle festen Plätze tu Rom besetzt und werden nicht so leicht zu vertreiben sein. Das Blut der römischen Helden würde ohne Zweck vergossen werden. Ist das der Lohn, den Du dem Lucius Licinius verheißen, daß Du ihn einem sichern Tod entgegentreibst? Ich glaube, er würde Dir mehr nützen, wenn er an Deiner Seite gegen die Barbaren kämpfen möchte." Belisar war der größte Held seiner Zeit. Er hatte in hundert Schlachten gekämpft und gesiegt. Er hatte mächtige Reiche zertrümmert und die Kronen der enttrohnten Könige seinem Kaiser zu Füßen gelegt. Seinem Weibe gegenüber war er nur ein Schwächling. Er wagte nie, ihr zu widersprechen. Da trat der Unterfeldherr Johannes herein. „Nun", fragte Belisar, „habt Ihr den Seegrafen gefangen?" „„Der Vogel"", antwortete Johannes, „„war schon halb in der Falle. Da warnte ihn eine Judendirne, die in einem in die Mauer gebauten Hause wohnte, die Tochter des bei der Belagerung gefallenen Isaak, des Commandanten der Festung. Rasch zerhieb Totila das Seil, durch welches das Fallgitter aufgezogen wurde, und wir mußten unthätig mit ansehen, wie er entfloh. Das heruntergefallene Fallgitter konnte so schnell nicht wieder gehoben werden. Sein Roß trug ihn in die Ferne, und so ist er mit all seinen Begleitern entkommen. Die Judenmaid haben meine Söldner ergriffen. Sprich, was mit ihr geschehen soll!"" „Führt sie augenblicklich zum Tode!" schrie Belisar. Da erhob sich Lucius Licinius. „Mein Feldherr' , sagte er, „Du hast versprochen, mir jede Bitte zu gewähren, die ich an Dich richten werde. So bitte ich Dich denn: Schenke mir jenes Mädchen. Es ist Parthenope, die schönste Jungfrau von Neapolis." „„Deine Bitte sei Dir gewährt"", sagte Belisar. Antonina aber schoß wüthende Blicke auf den schönen Römer. „Du liebst wohl diese Judenmaid, Patricius?" fragte sie giftig. Lucius Licinius blickte überrascht auf die Gemahlin des Feldherrn. Schnell erkannte er den Grund, welcher den Zorn der Antonina veranlaßt hatte. Er überlegte, wie nützlich es ihm sein würde, die Herrin des Oberfeldherrn der Griechen zur Freundin zu haben und sprach: „O, Antonina, wer könnte an die Schönheit anderer Frauen denken, wenn man das Glück hat, die Sonne zu bewundern, welche die Tage des großen Feldherrn Belisar beleuchtet? Nicht Liebe ist es, die mich zu meiner Bitte veranlaßt hat, sondern Haß. Es herrscht eine alte Feindschaft zwischen meinem Hause und dem des verstorbenen Commandanten von Neapolis. Ich erbat mir das Mädchen, um der Rache Befriedigung zu verschaffen. Ich habe den Tod meines Vaters, an dem Geschlechts des Isaak zu rächen. Und deßhalb genügt es mir nicht daß seine Tochter sterbe. Sie soll leben in Schmach und Schande und tausend Bitterkeiten kosten, im Vergleich mit denen der Tod nur ein geringes Nebel ist." „„Darf ich Dir glauben. Patricius?"" fragte Antonia. „„Du sprachst vorhin mit viel zu großer Wärme von der Schönheit des Mädchens. So spricht der Haß nicht, sondern die Liebe."" „Du darfst mir glauben, Domina!"*) „ „So verlange ich von Dir, daß Du sie nicht bei Dir behaltest, sondern sie auf eines Deiner Schlösser bringen läßt, bis nach der Vollendung des Krieges. Nachher darfst Du Deine Rache an ihr nehmen."" *) Herrin.