Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1882)
- Date
- 1882-03-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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262 Freundschaft und Sympathie ihres getreuesten Verbündeten, Englands, in das Gegentheil zu verwandeln wußte? Und hat nicht jede Nation, die dergleichen begangen, dies bitter empfinden müssen? Sollen wir Ungarn jetzt, dem Beispiele Rußlands folgend, uns Feinde in der Welt suchen? Bei einer großen Nation respektirt man selbst die Sünden; eine kleine Nation wird selbst wegen ihrer Fehler verurtheilt. Wir glauben, daß im ungarischen Parlament diese Hetze mit dem Empfang, der ihr heute geworden, für immer begraben ist, und daß der Abgeordnete, der diese Frage wiederholt vorgebracht hat, sich nicht angeeifert fühlen werde, sie noch einmal vorzubringen, sondern bestrebt sein wird, seine sonst so schönen Fähigkeiten und seinen untadelhaften Patriotismus auf einem anderen, würdigeren Gebiete zur Geltung zu bringen. Den petitionirenden Seelsorgern aber geben wir zu bedenken, daß sie ihrem Berufe viel' würdiger entsprechen werden, wenn sie sich bemühen, die wahre Quelle der vorhandenen Nebel im Volke selbst aufzusuchen und zu saniren, anstatt die bösen Neigungen noch zu vergiften; wenn sie dem Volke die Mäßigkeit, den Fleiß, die Arbeitsamkeit und Sparsamkeit predigen werden; wenn sie bemüht fein werden, durch ländliche Aushilfö- und Sparkassen dem Volke in der einfachsten und natürlichsten Weise aus seiner Bedrängniß zu helfen; wenn sie die zur Existenz nothwendigen Kenntnisse verbreiten und das Volk zum Lernen aneisern. Das ist ihre Ausgabe, und wenn sie diese erfüllen, wird der Segen nicht ausbleiben. Die Politik sollen sie bleiben lassen; dieser Versuch ist ihnen mißglückt. Es möge Niemand von einer ungarischen politischen Partei — sei es welche immer — erwarten, daß sie Sondergesetze schaffen werde für einzelne Racen oder Konfessionen, daß sie einen Theil der Bürger des Landes ihres Rechtes an das Vaterland berauben werde. Wir schaffen solche Gesetze, daß unter dem Schutze derselben alle Bürger dieses Landes, Ungarn, Deutsche, Rumänen, Slaven und Juden in diesem Lande ihr theures Vaterland erkennen, lieben und beschützen. Dieses Eine ist „keine Frage"; hierin sind wir alle einig." England. London, 3. März. (Unterhaus.) Worms beantragte, von Slagg unterstützt, eine Motion, worin die Kammer die Verfolgungen und Gewaltthaten gegen die Juden in Rußland tief beklagt und hofft, die Regierung werde Mittel finden, und allein oder gemeinsam mit anderen Mächten ihre guten Dienste bei Rußland zur Verhinderung und Erneuerung ähnlicher Gewaltthaten auszubieten. — Gladstone glaubt, die Annahme des Antrages Worms' wäre den Interessen, die er vertheidigen soll, schädlich; er sei überzeugt, der Kaiser von Rußland wie seine Regierung betrachteten die begangenen schrecklichen Frevel ebenso wie England mit Abscheu. Die Frevelthaten bildeten eine beklagenswerthe Thatsache in der Geschichte eines Landes, besonders aber, weil von Christen verübt; Vorstellungen müßten aber unparteiische, nicht diplomatische oder parlamentarische sein. Northcote sympathisirt mit dem Zweck des Antrags; wenn Vorstellungen unthunlich, hofft er, die Negierung werde, versichern, alles Mögliche zu Förderung des durch den Antrag zu erzielenden Zweckes zu thun, und Worms ,werde seinen Antrag zurückziehen. Dilke wiederholt die früheren Erklärungen Granvilles, worauf Worms seinen Antrag zurückzieht. Rußland. Petersburg Laut Meldung aus Sarja drohen in Nowosylkow, Gouvernement Tschernigow, und Nowomoskowski, Gouvernement Jekaterüwslow, Judenunruhen auszubrechen; es wurden dort Aufrufe mit Angabe der Namen der zu plündernden reichen Juden vertheilt. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht große Aufregung. Feuilleton. 'Aarthenope. XI. In dem Castellum zu Neapolis war eine lange Tafel hergerichtet, an welcher sich Belisar und sein Gefolge nach dem errungenen Siege erquickten. Zur Rechten des Helden saß feine geliebte Gattin, die ihn meistens auf seinen Feldzügen begleitete. Antonina war sehr schön; sie war die intimste Freundin der Kaiserin Theodora und wetteiferte mit derselben in allerlei unsittlichen Abenteuern. Zur linken Belisars saß Lucius Licinius, dessen schöne Gestalt bereits die volle Aufmerksamkeit Antonina's erregt hatte und deren leicht entzündliches Herz in Flammen setzte. „Patricias", sagte Belisar zu ihm, „wir sind Dir zu großem Danke verpflichtet. Nur Dir und Deinem Sklaven verdanken wir die schnelle Einnahme dieser Stadt. Wer weiß, wie lange wir noch vor den Mauern derselben hätten liegen müssen! Schon rückte Totila mit neuer Besatzung heran. Auch haben die Gothen ihren König Theodahad gerichtet und den Helden Wittigis zu ihrem Könige erkoren. Wer weiß, ob er nicht schon unterwegs ist, um Neapolis zu retten. Hätte ich nicht rasch diese Stadt erobert, so wäre vielleicht., schon der ganze Feldzug beim Beginne vereitelt worden. So aber habe ich festen Fuß im Lande gefaßt, und Niemand wird f