Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1882)
- Date
- 1882-03-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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260 Kap. 4 die Israeliten eroberten. Sie hatte Mauern und Thore und ihre Einwohner waren reiche Leute. Unmittelbar am Fuße des Gebirges muß sie gelegen haben, sonst hätte Rahab die Kundschafter Josuas nicht auffordern können von der Stadtmauer sich vor den Nachstellungen in die Berge zu retten. Da nun Josephus berichtet, daß die Quelle, deren Wasser Elisa gesund gemacht habe, ganz in der Nähe dieses alten Jericho heraussprudelte, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die älteste Stadt in der Nachbarschaft von Ain es-Saltan gestanden hat. Zerstört wurde sie nicht von den Israeliten, denn der Ort taucht verschiedenemale in der Geschichte Israels wieder auf. Er erhielt sich in allen Wechseln der Herrschaft des Landes, bis Herodes der Große ihn zu hoher Blüthe emporhob und damit eine neue Periode für die Geschichte der Stadt eröffnte. Dieser mußte sich freilich den Besitz derselben von seiner Feindin, der berühmten Kleopatra erst für eine hohe jährliche Rente erkaufen, da Antonius ihr Gebiet um des schönen Palmenhains und des kostbaren Balsams willen von dem Königreich des Herodes getrennt und der Beherrscherin Aegyptens geschenkt hatte. Als aber Jericho nach der Schlacht bei Actium wieder freies Eigenthuu: des jüdischen Königs wurde, hat er auch hier seine Bauten im griechisch-römischen Stile errichtet. Eine starke und schöne Burg oberhalb Jericho's nannte er zu Ehren seiner Mutter Kypros. Außer den herrschaftlichen Palästen hatte die Stadt selbst ein Amphitheater und einen Hippodrom. Archelons der Sohn des Herodes, schmückte das königliche Haus mit neuer Pracht." Aus der zwölftel: Lieferung mag das ^Nachstehende hier seine Stelle finden: „Der Paß von Michmos verdient ein Urbild seiner Gattung genannt zu werden. Er hat seinen Namen von dem alten Dorfe Michmas und ist der obere Theil des Wadi es-Savenis. Dasselbe zieht sich dort zu einer so engen Felsspalte zusammen, daß man sie erst bemerkt, wenn man ihren steilen Rand erreicht hat. Ihre senkrechten Wände fallen zu einer Tiefe von 240 Meter ab. Diese großartige Schlucht ist der Schauplatz einer der kühnsten Heldenthaten in der Geschichte Israels gewesen. Jonathan, Saul's ältester Sohn, hatte de:: Statthalter der Philister in Gibea erschlagen. Diese rücken mit Heeresmacht in's Land, um Israel wieder zum Gehorsam zu zwingen, und während Saul sie in Gibea erwartet, umgehen sie seine Stellung und lagern sich ihm nördlich gegenüber in Michmas. Ein Feind sieht dem andern in's Auge — und drei Kilometer sind die beiden Orte von einander entfernt — aber die tiefe Schlucht ist zwischen den Heeren, mit einer nördlichen Klippe Michmas gegenüber, steil aufgerichtet wie eine Säule, m:d einer südlichen Klippe Gibea gegenüber. Jene hatten dazu die Philister besetzt, um den Engpaß beobachten zu können. Sie fühlten sich als Herr der Lage und Saul wagte nicht loszuschlagen. Da überredet Jonathan seinen Waffenträger den vorgeschobenen Posten der Philister ohne Wissen Sauls zu überfallen. Bor ihren Augen klettern sie die steile Wand hinunter, spottend ermuntern sie jene, nun auch zur nördlichen Klippe hinaufzusteiAen. Aber aus dem Spott wird Ernst. Durch die überhängenden und vor einander geschobenen Felsen den Blicken des Postens entzogen, erklimmen Jonathan und sein Begleiter auf Händen und Füßen die gegenüberliegende Wand und stehen plötzlich mit blanker Waffe vor den arglosen Philistern. Erschreckt wenden sich diese zur Flucht. Jonathan schlägt nieder, wen er erreichen kann, das Lager selbst geräth in Verwirrung und Sauls rechtzeitiger Angriff bringt der kühnen That Jonathans den schönen Erfolg eines vollständigen Sieges über die Philister. Ueberraschend genau schließt sich diese Erzählung in Sam. I. 14 der Beschaffenheit des Wadi-es- Suwenit an. In geringer Entfernung östlich vom heutigen Dorfe Machmas stehen sich zwei Klippen an den beiden Seite:: der Schlucht gegenüber, beide gleich hoch und den: Augenschein nach gleich unzugänglich. Der Durchlaß, den sie unten auf der Sohle des Thales gewähren, ist nur sechs bis acht Schritte breit. Man begreift wohl wie in einem so schmalen Felsenthor mit senkrechten Wänden der oben lagernden Wache die Bewegungen Jonathans und seines Waffenträgers verborgen bleiben mußten. Dr. Furrer, der Palästina wie seine heimischen Schweizerberge zu Fuß durchwanderte, ist mit vieler Mühe an der nördlichen Thalwand unmittelbar hinter den: Felsenthor hinaufgeklettert und konnte die Spitze der senkrechten Klippe nur auf einen: Umwege erreichen." In Bezug auf die in dem vorliegenden Werke enthaltenen Bilder wollen mir noch hervorheben, daß, wie uns von Kennern des heiligen Landes versichert wird, dieselben mit großer Naturtreue dargestellt sind. Denkwürdige Bauwerke, Szenen aus dem Leben der Städter und Landleute, charakteristische Landschaften, Alles findet in dem reichen Cyclus dieser Bilder Berücksichtigung. Welch hübsches Bild z. B. Seite 71. Zwischen hochgewachsenen Eypressen schaut ein Minaret an der Westseite des Tempelplatzes hervor. Im Hintergrund schimmern vom Mond bestrahlt einige kleine Kuppeln. Eine Stadt mit tausend Kuppeln ist nämlich Jerusalem, da beinah ein jedes Zimmer daselbst eine derartige Bedachung trägt. Seite 49 zeigt uns eine der engen Straßen der Stadt. Selten ein Fenster an