Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1882)
- Date
- 1882-03-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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241 ernähren kann, einen solchen Schwiegersohn hätte ich mir schon gefallen lassen können; — aber Du hast recht gehabt .... Benjamin ist der einzige Mensch — der mit dem Hund umgeht, der die Schwelle seiner Wohnung betritt! — David Wodnian, der kommt wohl auch zu ihm, aber das ist etwas anderes, bei dem kauft Munitz Szchore*), der muß zu ihm kommen, er muß sich allwöchentlich das Geld abholen .... Mein Vater olow hascholom war ein Schammes, ich selbst bin ein Schammes, ich hab's genug gekostet, wie schmerzlich es ist, verachtet zu werden. Hunger, Durst, Kälte, Krankheiten thun nur dem Guf^) wehe; — aber Bisojon«) — thut der Neschomo?) weh! — und weißt Du Ester, mein Kind, was noch dabei is? Wenn Körperschmerzen vorüber sind, is es gut — man kann sie vergessen und Gott, boruch hu, dafür danken, daß er geholfen hat — aber, wenn man Charpo^) und Buscho") gehabt hat, das frißt an der Seele, das löscht man nit mehr aus; — auch wenn es vorüber is, spürt man es noch immer, das is gar nie ungeschehen zu machen — und ich will nicht Ester, daß Du einen Mann bekommst, dessen Du Dich zu schämen brauchst — (Das durch Elkes Einfluß lange künstlich unterdrückte Gefühl der Vaterliebe und des Bedauerns mit seiner trefflichen Tochter, flackerte einen Moment hoch empor) — „Du hast genug Zores 10) im Hause Deines Vaters gehabt, wenn Du einmal in Dein eigen Haus kommst, sollst Du Masel und Brocho'*) haben! .... Und dann .... Du bist jetzt bei mir. Dein Dett und Dein Vetter sind bös auf Dich, weil Du nicht von mir fort, zu ihnen gehen willst — nu, cs is ja ganz recht, daß ein Kind beim Vater bleiben soll; — ab:r ich bin ja ein blutarmer Mann und wenn es zu einem Schiduch kommt, muß ja doch mit Deinem Großvater gesprochen werden; — da hilft ja Alles nichts, Du bist ja doch sein Fleisch und Blut und er kann auf seine prächtige Enkelin stolz sein, er muß Dir ja doch Nedan, wenigstens Aussteuer, Hauseinrichtung geben, — mit einem Worte, wenn Du Kalle12) wirst, muß der Großvater um seine Einwilligung befragt werden und er würde diese zu Deiner Verbindung mit Benjamin nie ertheilen, er ist ein stolzer Mann." — Ulschitz preßte die Lippen fest übereinander und sprach bitter — „ich weiß von seiner großen Gawo 13) ein Lied zu singen .... Ich war ein braver, hübscher, anstelliger Mensch und Mißaßik") in seinem Geschäfte, Deine Mutter war ein 4) Waare. 5) Körper. 6) Verachtung. 7) Seele. 8) Schmach. 9) Schande. 10) Leiden. 1!) Glück und Segen. 12) Braut. 13) Hochmuth. 14) Ladendiener, Commis, Geschästsgehilfe. &etamte§15) Mädchen, wir haben einander lieb gehabt und ich habe Deinen Großvater fußfällig gebeten, mir seine Tochter zur Frau zu geben; Deine Mutter hatte ihre Bitten mit meinen vereinigt. Wenn Dein Großvater — wie wir gehofft hatten, — mir gemeinschaftlich mit seinem Sohne, meinem Schwager, sein großes einträgliches Geschäft übergeben, oder wenn er dieses seinem Sohne ungetheilt erhalten wollte, wenigstens Deiner Mutter eine seinem Vermögen entsprechende Mitgift gegeben hätte, ich wäre ia auch wie viele Andere, ein angesehener Szocher und geachteter Balbos geworden; — aber Dein unbeugsamer stolzer Großvater, in seiner Härte noch von Deinem Oheim Reb Hirsch bestärkt, wollte unter keiner Bedingung seine Tochter dem Sohn des armen, gering geachteten Schammes geben; — zuletzt wurde auch mein armer Tat der fortwährenden Beleidigungen Deines Großvaters müde, sein mit Füßen gettetenes Ehrgefühl bäumte sich auf, und er verbot mir, ein Mädchen, das einen reichen Vater habe, ohne Mitgift zu nehmen. Er behauptete, das an Wohlstand und Wohlleben gewohnte Mädchen würde mir nicht nur keinen Kreuzer Geld ins Haus bringen, sondern überdies große Anforderungen an mich stellen, und nichts arbeiten, nichts verdienen können, mich nur unglücklich und elend machen; wenn ich schon ein Mädchen ohne Nedan heirathen wollte, so solle dieses armer Eltern Kind sein; das würde sich wenigstens freuen, einen braven, ehrlichen Mann zum Gatten zu bekommen, würde genügsam und arbeitsam sein, und man hätte wenigstens von dessen Eltern, die in gleichem Stande mit uns wären, keine Beleidigungen zu erdulden; — aber die Liebe ist, wie Schlomo hamelech") sagt stärker als der Tod; wir Beide ließen nicht von einander. Deine Mutter veruneinigte sich mit ihrer Familie, verließ in Unfrieden das Haus ihres Vaters und folgte mir. Auch mein Tat war eine Zeit lang bös' auf mich; — aber ich glaube, der arme Mensch besitzt mehr Rachmonos") als der Reiche; als es mir herzlich schlecht ging und ich Kummer und Sorgen hatte, versöhnte er sich mit mir.Dein Großvater konnte es Deiner armen Mutter nie verzeihen, daß sie um ihres Gatten willen ihm ungehorsam gewesen .... Das Weitere weißt Du, ich habe es ja oft genug erzählt. — Ich selbst werde nie und nimmer meine Einwilligung zu einer Ehe mit einem Menschen geben, der sich dem Gespötte der ganzen Kehilla preisgibt, der sich so tief erniedrigt, vor Löb Hund — selbst wie ein Hund — zu kriechen, ihn wie ein solcher zu umschmeicheln. Ich wiederhole es, ich gewiß nicht! 15) anmnthiges, liebenswürdiges. 16) König Salomon. 17) Barmherzigkeit, Mitleid, Theilnahme.