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Der Israelit · 1882-03-08 · Heft 10 (8.3.1882) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 10 (8.3.1882)
Date
1882-03-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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239 den der Voreltern zu sühnen, die sie gegen die Inden verschuldet hatten. „Hoffen wir", schließt der Redner wörtlich, „daß man unserm Jahrhundert den Ruhm nicht schmälern werde, eine Pflicht der Menschlichkeit und Gerechtigkeit anerkannt und erfüllt zu haben." Zum Schluffe wollen wir noch bemerken, daß der Vortrag, wie uns Herr Prof. Edel mittheilt, in Druck erscheint. D r. B r a u n s ch w e i g e r. England. Liverpool, 14. Febr. Meinem Versprechen gemäß, erlaube ich mir, Ihnen einen kurzen Bericht über die in voriger Woche zu Gunsten der verfolgten Juden in Rußland hier abgchaltenen öffentliche Versammlung (public meeting) zu erstatten. Dieselbe fand im Stadthause unter dem Vorsitze des ersten Bürgermeisters (Mayor) Statt. Die Halle war dicht gefüllt von den hervorragendsten Männern der Stadt, geistlichen und weltlichen Standes, gleichviel welcher politischen Partei und religiöser Richtung sie auch angehörten. Der protestantische und katholische Bischof entschuldigten sich brieflich, durch uuabweisliche Geschäfte nicht anwesend sein zu können, wünschten der Versammlung den besten Mfplg, und baten ihre Namen in die Liste Derer au^Wmen, die mit den Opfern der Tyrannei sympathffiren. Der Vorsitzende eröffnete das Meeting mit den Worten, daß er dasselbe nicht blos deshalb einberufen habe, um den armen, verfolgten Juden, dessen Mitgefühl auszudrücken, sondern womöglich die englische Regierung zu beeinflussen, der russischen bekannt zu geben, das die schrecklich verübten Grausamkeiten in den Augen der Stadt Liverpool solche wären, die man im 19. Jahrhunderte nicht erwartet hätte. Er hofft, diese Versammlung werde aber auch selbst in den höchsten russischen Regierungskreisen nicht ohne Wirkung bleiben. Herr Whitley, Advokat und Parlamentsmitglied, beantragte folgenden ersten Beschluß: „Diese Verfammung ist überzeugt, daß die Verfolgung und Gräuelthaten, denen die Juden in vielen Theilen des russischen Reiches unterworfen woHen sind, einen Protest von allen civilisirten Nationen Hervorrufen, und während sie (die Versammlung) jedem Wunsche, sich in die innere Verwaltung auswärtiger Länder einzumischen, oder die freundlichen Beziehungen zwischen Rußland und Großbritanien zu stören, entsagt, fühlt sie sich dennoch verpflichtet, die Meinung auszusprechen, daß ein wirksamerer Schutz nöthig sei, die jüdischen Unterthanen des Czars vor den fanatischen Ausbrüchen der unwissenden Massen zu retten, und daß eine Verbesserung, der die jüdischen Einwohner Rußlands schwer bedrückenden Gesetze höchst wünschenswerth sei." Redner führte aus. daß es höchst bedauerlich sei, daß die Grausamkeiten in Rußland unter den Augen der constituirten Behörden, der Magistrate, j der Offiziere der russischen Armee und der Polizei-; beamten begangen worden waren, welche nicht nur dem Gesetze keine Genugthuung verschafften, sondern in vielen Fällen dem System der Bedrückung, Grausamkeit und Beraubung hilfreiche Hand leisteten. Er greife nicht den Czar an mit dem und dessen Familie das englische Volk vielmehr Mitleid habe, allein es sei die Pflicht der Regierung dem schrecklichen Elende von drei und ein halb Millionen Menschen ein Ende zu machen. Herr Charles Beard, ein hervorragender Redner und Geistlicher der Unitarier hier, sekondirte dem Anträge. Er sagte, es herrsche jetzt eine Krisis in der Entwickelung der Civilisation. Als sie fanden, daß diese Aufreizung gegen intellektuelle und prosperirende Leute in der Hauptstadt einer Nation anfing, die sich als die Vertreter der Civilisation des 19. Jahrhunderts betrachtet; daß diese Agitation insofern Deutschland zur Schmach gereicht, als dieselbe sich unter den niedrigsten Volksklaffen bis nach Rußland verbreitete, wo sie in Mord, Raub und Schändung resultirte: so fragt es sich, ob diese Civilisation nicht eine Schein-Civilisation wäre, und ob sie den Grundsätzen des Christenthums entspräche, deren sie sich so häufig rühmen. Im Namen der gleichen Menschenrechte appellire er an die Stadt Liverpool, daß sie ihr moralisches Gewicht in den einstimmigen Protest einlege, den die englische Nation gegen die so bedauernswerthen Grausamkeiten erhebt. Canonicus Dr. Taylor führte des Längeren aus, daß wenn Christen bedächten, welche Verbindlichkeiten sie dem auserwählten Volke Gottes schuldig sind, so sollten sie ob der jüngsten Ereignisse in Rußland in Scham und Kummer sich hüllen. Verdanken sie doch ihre Religion und Civilisation dem Juden. Im Namen der Humanität, Gerechtigkeit, Dankbarkeit und Erleuchtung fordert England, daß den Israeliten Rußlands gleiche Gesetze, gleiche Rechte und gleicher Schutz mit den andern Bewohnern gewährt werden. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Herr I. Tobin, Großhändler, beantragte die nächste Resolution, welche lautete: „Der Oberbürgermeister als Vorsitzender der Versammlung, werde achtungsvoll ersucht, eine Abschrift dieser Resolutionen an den Premier-Minister Gladstone und den Grafen Granville, Minister des Aeußern, zu befördern und die Hoffnung auszudrücken, es werde sich den Ministern eine Gelegenheit darbieten, die Regierung des Czar's in einem versöhnlichen Geiste, in Neberein-

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