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Der Israelit · 1882-03-08 · Heft 10 (8.3.1882) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 10 (8.3.1882)
Date
1882-03-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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LXm. Jahrgang. Erste Leitage M Ur. 1v -es Israelit. Leitender Artikel. Lntwicklungs-Theorie und Schöpfungs- Lehre. Von Dr. H. Sänger. (Schluß.) Das Verhältuiß zu seinen Mitmenschen, das als Konsequenz des Darwinismus nur nach äußerem Zwang, nach der Notwendigkeit des geselligen Zusammenlebens sich regelt und ordnet und jedes sittlichen Motives entbehrt, wird nach der Schöpfungslehre dadurch geregelt, daß der Mensch als Ebenbild Gottes mit göttlicher Vernunft begabt, in jedem Menschen dieses Ebenbild Gottes erblickt. Nicht größere Kraft, nicht Reichthum, nicht höhere Machtstellung, nicht größere Kenntnisse, nicht größere Vernunft verleiht einem Menschen einen Vorzug über den andern, stellt ihn aus eine höhere Stufen sondern einzig und allein die Reinheit und Lauterkeit feines Denkens und Handels. Ob reich oder arm, ob Taglöhner oder Philosoph, das trennt die Menschen nicht von einander; sie alle können Ebenbild Gottes sein, wenn sie als solches leben, wenn sie nicht blos in der Lebensbeschäftigung ihr Menschenthum erblicken, sondern wenn sie alle ihrer höheren Menschenaufgabe bewußt sind. Und nur dieses einigende Band vermag das Verhältnis der Menschen zu einander segensreich, kann den Kampf um's Dasein zu einem friedlichen gestalten, mit Ausschluß aller Gewalt. Der Darwinismus macht den Menschen zum Egoisten. Was er schafft und wirkt und selbst für Andere, er schafft und wirkt nur für sich, hat nur sein persönliches Interesse im Auge. Das oberste Ziel ist ihm ja seine Erhaltung, seine Bequemlichkeit auf Kosten Anderer. Und ebenso handelt er nur ganz consequent, wenn er sich das Leben so bequem als möglich zu gestalten sucht, jeder Gefahr aus dem Wege geht, jeden Kampf vermeidet, der ihm nicht aufgezwungen wird. Der Darwinist hat keine moralische Verpflichtung, Arme zu unterstützen, in der Roth dem Nebenmenschen beizustehen; er hat keine moralische Verpflichtung sich in irgend einer Weise geistig anzustrengen, wenn es nicht unbedingt nothwendig ist zu seiner Erhaltung; er hat keine Verpflichtung, moralische Unterschiede zu machen; gut ist!! ihm Alles, was ihm den Lebenskampf erleichtert, - schlecht ist ihm nur das, was ihn stört und zum i Kampf herausfordert. Daraus wird für ihn die große, nnbestreitbare Wahrheit, daß alles Gute erkämpft werden muß, zur Quelle alles Schlechten. Der mit so viel Ostentation obenangestellte Kamps um's Dasein wird bei näherer Betrachtung nichts anderes, als eine grobe Lüge und Täuschung. Denn dieser Kampf gilt der Außenwelt allein, für sich selbst aber will der Darwinist Ruhe, Bequemlichkeit, ist abhold jeder Anstrengung. Mit sich selbst kämpft er nicht, da läßt er sich gehen nach Willkür und Laune. Anders die Schöpfungslehre. Sie lehrt und verpflichtet uns zu einer Achtung und Anerkennung aller Geschöpfe, will den Frieden allüberall, nur für das Individuum stellt sie die Forderung des unablässigen Ringens und Kämpfens gegen alle und jede Leidenschaft, verlangt sie gebieterisch von unserer Vernunft, daß sie herrsche mit aller Gewalt. Die Entwickelungstheorie, diese Philosophie der Neuzeit, bietet eine auffallende Erscheinung gegenüber anderen philosophischen Theorien. Bis heutigen Tages behaupteten - die Philosophen aller Zeiten, nur ihre Vernunft zum Maßstab und zur Richtschnur ihres Forschens und Erkennens zu machen, nur von der Vernunft sich leiten und führen zu lassen. Die Entwicklungstheorie aber legt ihren Schwerpunkt in ihr exactwissenschaftliches Verfahren. Sie wird darin durch die Erfahrung bestärkt, daß die Vernunft auf dem Wege ihres Forschens nach der obersten Warheit, nach den Gründen alles Seienden dahin gelangt und gelangen muß, die Weltentstehung als ein unlösbares Räthsel zu betrachten und zu erklären. Den Ursprung der Dinge zu finden wird die Vernunft als unmöglich bezeichnen. Damit kann sich die allmächtige Wissenschaft nicht begnügen; das wäre ja ein Armuthszeugniß, das sich unsere Zeit ausstellt. Darum, was der Verstand des Verständigen nicht sieht — das erkennt ein exactwissenschaftlich Gemüth. Und flugs wurde ausgerechnet, daß vor Jahrmillionen „Etwas" vorhanden ist, das sich entwickelt, und beweist mit Affengeschwindigkeit, daß wir Menschen nur Thiere sind, von Thieren abstammen, nicht besser als diese, da wir sterben und — verderben wie sie. Es gibt keinen Gott, es gibt nichts Göttliches im Menschen und darum ist die Schöpfungslehre, die all' diesem

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