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Der Israelit · 1882-03-08 · Heft 10 (8.3.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 10 (8.3.1882)
Date
1882-03-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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236 Wasserleitung, die hier im Lager mündet. Ein Mann kann gebückt durchschleichen; es ist kein Wasser inehr darin." „„Habe Dank"", sagte Belisar. Jeder Wunsch, den Du mir aussprechen wirst, sei Dir im Voraus gewährt!"" Sofort ließ Belisar den Kriegsrath berufen. Sein Unterfeldherr Johannes wurde beordert, mit dreißig armenischen Söldnern, welche außer ihren Schwertern kurze Handbeile führten, durch die Wasserleitung zu kriechen, das Ausfallspförtchen zu öffnen, durch das die Griechen in die Stadt dringen sollten. Der Sklave Pausanias führte die kühne Schaar; ihm folgte Johannes und dessen Bruder Perseus; dann die Armenier. Bald auf Händen und Füßen kriechend, bald gebückt tastend, rutschten und schlichen sie bei völliger Dunkelheit, sorgfältig jeden Lärm vermeidend, dahin. „Ich sehe einen Stern," flüsterte Johannes. „„Das ist das Tageslicht in Neapel,"" sagte Pausanias. „„Nur noch wenige Ellen sind wir von der Lrtadt entfernt."" Der Helm des Johannes stieß bald nachher an die Wurzeln eines Oelbaumes, der über der alten, verfallenen Wasserleitung gewachsen war. „Hier ist der Ausgang," sagte Pausanias, „hebe den Baum empor und wir sind in der Stadt." Johannes that so; dann schwang er sich in die Höhe. Hierauf half er seinem Bruder Perieus und dann dem Pausanias herauf. Ihm folgten die Armenier. „„Führe uns zur Pforte"", sagte Johannes Zu dem Sklaven. Es währte nicht lange, so krachten Beilschläge an der Innenseite der Mauer; das Pförtchcn fiel, von innen eingeschlagen, hinaus, und mit gellenden! Jauchzen jagten die Hunnen zu Tausenden in die ^tadt. Ein Theil stürzte sich mordend in die Straßen, ein Haufe brach die nächsten Thore ein, den Brüdern draußen Eingang schaffend. Rasch eilte der alte Maris herbei, um die Eingcdrungenen wieder hinauszutreiben. Ein Wurfspeer schlug ihn nieder. Um seine Leiche fielen ffechtend die Gothen, die mit ihm waren. Die Bewohner von Neapel schickten eine Gesandtschaft an Belisar, der, von seinen Heerführern umgeben, zur Stadt hereinritt. Die Gesandtschaft bat um Gnade für die eroberte Stadt. Belisar aber sprach: „Fünfzehn Tage hat mich Neapolis aufgehalten, sonst läge ich längst vor Rom. Fünfzehn Tage hat sich Eure Feigheit von einer Hand voll Barbaren beherrschen lassen. Die Strafe dafür seien fünfzehn Stunden Plünderung. Doch ohne Brand und ohne Mord. Wo ist der Führer der Gothen? Todt?" „„Ja,"" sprach Johannes, „„hier ist sein Schwerdt. Graf Maris fiel."" „Und der Andere, Totila?" „Der Seegraf, sagte einer der Neapototaner, eilte mit wenigen Reitern nach dem Castelle des Aurelian um Verstärkung zu holen. Er kann jeden Augenblick zurückkehren." ** „„Johannes."" sagte Belisar, „laß schnell das gothische Banner wieder aufstecken, wir müssen den Seegrafen hereinlocken. Die gefangenen Neapolitaner stelle wieder bewaffnet auf die Wälle. Und neben sie als Gothen verkleidete Griechen. Wer den Totila warnt, auch nur mit einem Augcnwinken, ist des Todes. Man lasse ihn ruhig herein. Sowie er das Fallgitter hinter sich hat, läßt man's nieder. Ich will ihn lebendig fangen, er soll nicht fehlen beim Triumphzuge in Constantinopel." " Johannes that so, wie ihm geheißen worden war. Draußen sprengten einige Reiter die Straße heran. „Auf, auf das Thor!" rief Totila von weitem, „vierhundert Gothen folgen mir auf dem Fuße." Da erhob sich langsam das Gitter und Totila wollte hineinreiten, als plötzlich eine Stimme aus der Mauer rief: „„Fliehe, Seegraf, fliehe, die Stadt ist gefallen! Fliehe, Du reitest in Dein Verderben!"" Es war Miriam, die ihrem Lebensretter den Warnungsruf zusandte. Totila hielt sein Pferd an. Mit raschem Blicke erkannte er, daß als Gothen verkleidete Griechen die Wache am Thore hielten. Mit wuchtigem Schlage zerhieb er das Seil, welches das Fallgitter hielt, so daß dieses dröhnend niederfiel. „Auf, das Gitter, hinaus auf ihn!" rief Johannes von innen. Aber Totila wandte sein Pferd und sprengte mit seinen Begleitern davon. Ein Hagel von Speeren und Pfeilen folgte ihm, ohne ihn zu verwunden. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Di. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des »Israelit" große Bleiche 45 I. GottSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger). \ Wla

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