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Der Israelit · 1882-03-08 · Heft 10 (8.3.1882) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 10 (8.3.1882)
Date
1882-03-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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2S5 als Oberfeldherr, die Interesse« des kaiserlichen Mßtrauens gegen Belisar wahren sollte. Zähneknirschend mußte Belisar seine Flotte in dem Augenblicke absegeln sehen, da er ihrer am meisten bedurft hätte. In Folge dessen blieb den Gothen die Verbindung mit der See frei; auch die Straße nach Nom, durch das Castell des Tiberius gedeckt, suchte Graf Uliaris mit höchster Kraftanstrengung offen zu halten. Aber Totila, der Seegras, hatte ebenfalls keine Flotte zur Verfügung; denn König Theodahad hatte vor vielen Wochen das ganze Geschwader der Gothen von Neapolis abberufen. Zu einem Kriegsrathe hatte Isaak seinen Schwiegersohn Joseph mitgebracht. „Das Meer ist frei", sagte Totila. „In unglaublicher Verblendung ist die griechische Flotte nach Byzanz zurückgekehrt. Aber was hilft es uns? Auch wir haben keine Schiffe." „„Laß uns, o Herr"", sagte Joseph, „„neue Schiffe bauen. Es liegen im Hafen allerlei Fischerboote, Kaufmannsschiffe, Kähne und alte Wracke. In der jüdischen Gemeinde gibt es einige tüchtige Schiffszimmerer. Wir werden aus dem alten Material eine kleine Flotte Herstellen können, welche freilich nicht geeignet sein wird, einen Sturm auf hoher See auszuhalten oder regelrecht gebauten Kriegsschiffen zu widerstehen, die aber nach Nordwesten wird fahren können, um die Stadt stets mit den nöthigen Lebensmittel zu versehen."" Der Plan Joseph's wurde mit Beifall ausgenommen. Alsbald entspann sich im Hafen ein reges Leben, und die jüdischen Schiffszimmerleute brachten in kurzer Zeit zwölf Segelschiffe zu Stande. Und nun zeigte sich Totilas Kühnheit und unerschrockene Tapferkeit. Mit einer kleinen Schaar landete er oft im Süden, im Rücken des griechischen Lagers, schlich sich ins Land, überfiel und zersprengte einzelne Abtheilungen der Feinde. Einen Theil seiner Boote verwendete er dazu, täglich eine Anzahl wehrunfähiger Einwohner nach Bajä und Cumä in Sicherheit zu bringen. Miriam war von ihrer Krankheit wieder genesen; schon hatte die Hochzeit stattfinden sollen, als in Folge der begonnenen Belagerung dieselbe wiederum verschoben werden mußte. Nunmehr drang Joseph darauf, daß sie eines der rettenden Schiffe besteige und in Sicherheit in der Ferne den Ausgang des Kampfes abwarte. Aber Miriam weigerte sich dessen standhaft. „Wie könnte ich", sagte sie, „mich der Ruhe und Sicherheit erfreuen, während mein geliebter Vater und der meinem Herzen so theure Bräutigam in steter Gefahr sich befinden! Die Angst und die Sorge würden «ich tödten. Laßt mich bei Euch bleiben, und wenn Gott unfern Tod beschloflen haben sollte, mit Euch sterben. Was sollte ich auf Erden beginnen, wenn die beiden einzigen Menschen, die mir nahe stehen, nicht mehr wären!" So blieb denn Miriam in der belagerten Stadt. Unterdeß machte Belisar die größten Anstrengungen, sich der Stadt zu bemächtigen. Aber die Gothen und die Juden vertheidigten die Mauern derart, daß kein Grieche sich nahen konnte. Desto größere Verwüstungen richteten die Wurfgeschosse an. Brandpfeile wurden in die Stadt geschleudert, so daß die Bewohner von Neapolis Tag und Nacht auf der Hut sein mußten, um die in Brand geschossenen Häuser zu löschen. Die kleine Schaar der Gothen schmolz immer mehr zusammen; auch von den Juden waren Viele den griechischen Pfeilen erlegen. Ein solcher hatte auch Isaak schwer verwundet. Er starb bei der Vertheidigung der Festungswerke, deren Obhut ihm König Theoderich anvertraut hatte. Wohl war der Schmerz groß, den der Tod des Vaters für Joseph und Miriam brachte; allein sie durften sich der Trauer nicht hingeben. Die Roth und die Gefahr wuchsen mit jedem Augenblicke. Boten auf Boten hatte Totila ausgesandt, um Entsatz oder doch wenigstens Verstärkung zu erlangen. Die Gothen hatten Anderes zu thun: sie mußten ihren König richten und einen neuen wählen. In dem Castell des Aurelian auf der Straße nach Rom, lagen vierhundertundfünfzig Mann gothischer Besatzung; sie hatten von König Theodahad den strengen Befehl erhalten, das Castell nicht zu verlassen. Von der gothischen Besatzung Neapels waren mehr als sechshundert Mann gefallen. „Ich kann die wichtigsten Posten nicht mehr besetzen!" klagte Graf Uliaris. „Wenn ich nur wenigstens noch vierhundert Mann hätte!" „„Ich selbst will hmeilen"", sprach Totila, „,.um die Besatzung des Castells des Aurelian herbeizuholen; in dieser höchsten Roth werden sie sich nicht weigern, mir zu folgen."" Rasch bestieg er sein Roß und jagte, begleitet von wenigen Reitern, zur Porta Capuana hinaus. Belisar ließ zum Sturme blasen. Da wurde eine Anzahl Römer, die eben im Süden des Lagers gelandet waren, in sein Feldherrnzelt geführt. „Großer Feldherr", redete ihn einer derselben an, „Befreier Italiens vom Joche der Barbaren, ich heiße Lucius Licinius und bin gekommen. Dir die Stadt ohne Schwertstreich in die Hand zu liefern. Einer meiner Sklaven, Pausanias heißt er, stammt aus Neapolis. Er kennt die alte, verfallene

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