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Der Israelit · 1882-03-08 · Heft 10 (8.3.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 10 (8.3.1882)
Date
1882-03-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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234 wärtiger Intervention durch Mr. Gladstone's vortreffliche und kategorische Rede vollständig beseitigt ist. Was die Unterdrückung der Unruhen anbetreffe, so hätten die Zeitungen seine Unterhaltung mit dem jüdischen Rabbiner Drabkin unrichtig wiedergegeben und ausgelegt. Er könne die Thätigkeit der Administration nicht tadeln, denn die ungeheuere Anzahl von verhafteten und bestraften Personen beweise die Energie, welche die Behörde entwickelt. Was aber die Beseitigung der Ursachen sür weitere Ausbrüche der Rohheit und von Unruhen in Zukunft betreffe, so sei der Central-Ausschuß, welcher unter dem Vorsitz des Hilfsministers des Innern seine Funktionen ausübt, mit dieser Frage beschäftigt. Die Arbeiten desselben seien indeß noch nicht genügend fortgeschritten, um ihm vorgelegt zu werden, namentlich, was die Einzelheiten der Vorschläge desselben betrifft. Es würden administrative und Legislative Maßregeln von temporärem Charakter getroffen werden, um die abnormen Beziehungen zwischen den Juden und dem Reste der Bevölkerung abzuändern. Zu der von den Juden so ernstlich gewünschten Auswanderung nach Provinzen im Innern von Rußland könne die Regierung nur vorbehaltlich der Zustimmung der Lokal-Versammlungen, der Zemftvoes, die Erlaubniß ertheilen, und auch dann nur nach solchen Orten, in denen der Charakter der Bevölkerung, wo die jüdischen Genossenschaften sich niederzulassen wünschten, eine Garantie dafür biete, daß keine Ruhestörungen stattfinden werden. So lange die Juden exclusiven Tendenzen durch ihre eigentümlichen Gewohnheiten, ihre besondere Sprache, ihre soziale Organisation und dergleichen anhängen und eine abgeschlossene Gemeinschaft bilden, könnten dieselben keine vollständige bürgerliche Gleichstellung verlangen. Die Auswanderung nach auswärtigen Ländern werde die Regierung nicht hindern, nämlich die ganzer Familien; denn es würde doch hart für das Reich sein, der Kräfte der der Militärpflicht unterworfenen jungen Leute beraubt zu werden, und die für produktive Arbeiten untauglichen anderen Familienglieder auf dem Halse zu behalten. Graf Jgnatiew fügte hinzu, daß die Regierung die nöthigen Vorkehrungen zur Verhinderung irgend welcher Ausschreitungen und Bewegungen gegen die Juden in Zukunft getroffen habe. Dieselben seien zuerst lute eine Ueberraschnng eingetreten, würden sich aber, dessen sei er sicher, nicht wiederholen. Rumänien. Bukarest 25. Febr. Auf die Interpellation Jonescus bezüglich der Emigration der Juden, welche von den Londoner Komites unterstützt würden, antwortete Bratiano, daß die Minister des Innern und der Kommunikationen Maßregeln getroffen hätten, die Emigration nach Palästina zu erleichtern. Feuilleton. Varthenope. X Die Gothen hatten ein Volksting abgehalten und ihren König Theodahad zum Tode verurteilt. Darauf hatten sie ihren Feldherrn Wittigis auf den Schild erhoben und zum Könige ausgerufen. Von allem Dem erfuhr man in Neapolis nichts; denn in weit geschwungenem Halbkreis umklammerte das mächtige Heerlager Belisars die hartbedrängte Stadt. Das Heer des griechischen Feldherrn war aus allen Nationen zusammengesetzt. Man sah dort Massageten und Hunnen, persische Söldner und armenische Schildträger, Macedonier mit langen Lanzen, thessalische, thrazische und saracenische Reiter. Im Osten der Stadt befand sich Belisars Feldherrnzelt, umlagert von des Feldherrn Leibwache. Hier bildeten den Kern des Fußvolkes achttausend Illyrier und die germanischen Soldtruppen, Heruler und Gepiden und die unter dem Befehl ihres Stammesfürsten stehenden avarischen, bulgarischen und sarmatischen Schaaren. Im Südwesten befanden sich die Mauerbrecher und Wurfmaschinen, bedient von den isaurischen Bundesgenossen, und die Hilfsvölker, welche das neu von den Vandalen zurückeroberte Afrika, stellte: maurische, numidische Reiter und lybische Schleuderer. Neapolis war schlecht befestigt und schwach besetzt. Nicht tausend Gothen waren es, welche die ausgedehnte Werke gegen die dreißigtausend Soldaten des Belisar verteidigen sollten und gegen etwa zehntausend Jtalier, welche zu den Griechen übergegangen waren. Die Stadt hätte sich wohl nicht lange halten können, wenn nicht das Mißtrauen des Kaisers gegen seinen Feldherrn Belisar ihr zu Hilfe gekommen wäre. Als nämlich Belisar sein Heer an der Südspitze Italiens gelandet hatte und den allgemeinen Aufbruch mit der Land- und Seemacht gegen Neapolis befahl, sandte ihm sein Nauarchos Konon einen bisher geheim gehaltenen Auftrag des Kaisers, nach welchem die Flotte sofort nach der Landung nach der griechischen Küste zurücksegeln sollte, angeblich, um neue Verstärkung herüber zu holen, in Wahrheit aber, um den Prinzen Germanus, einen Neffen Justinians, mit den kaiserlichen Lanzentragern nach Italien zu führen, der die Siegesschritte Belisars beobachten, überwachen, nöthigenfalls hemmen und

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