Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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au allen Licitationen, fordern bereits bezahlte Schulden ein, bekämpfen das Christenthum, verhetzen die Nationalitäten, treiben Börsenspiel und bilden die Plutokratie, fabriciren öffentliche Meinung durch die jüdischen Journalisten, gründen und liquidiren Banken und Syndnate und schreiben Prospekte; wünschen von den Eisenbahnen Freibillete und Refactien (schallendes Gelächter) und alle diese Verbrechen bleiben in den meisten Fällen ungestraft. Wohl sagt man, das Gesetz sei für die Juden wie für die Christen, aber kein Jude kann angegriffen werden, denn alle stehen solidarisch zusammen, und wehe dem, der sich gegen sie auflehnt. Wir sind wehr¬ und rechtlos gegen ihre kastenartig gegliederte Organisation. Deßhalb reicht Redner folgenden Beschlußantrag ein: „Der erste Theil des Gesuches möge, wie der Petitions-Ausschuß es beantragt, dem Justizausschuffe, der zweite Theil dem Justiz- und Cultusminifter zum Studium und zur Begutachtung hinausgegeben werden." Minister-Präsident Tisza: Ich möchte mir erlauben, den Antrag des Petitions-Ausschusses mit einigen Bemerkungen zu begleiten, und ich glaube nicht, daß das Haus es wünsche, daß ich die Ausführungen des Vorredners ernstlich widerlege. Insbesondere glaube ich nicht, daß wir Ursache hätten, die Beispiele fremder Staaten in dieser Beziehung zu befolgen. Wir beneiden Rußland wahrhaftig nicht um den Ruhm, den es durch die jüngsten Judenverfolgungen sich erworben. Ich liebe und verehre die Deutschen in vieler Beziehung; allein auch dort war es möglich, eine krankhafte Bewegung hervorzuruten, was in jedem großen Organismus Vorkommen kann; und wir selber haben in unmittelbarer Nähe Beweise dafür, daß einige Deutsche sich solchen Bewegungen anschließen. Ich werde gewiß nicht leugnen, daß auch Juden Wucher und Schwindel treiben, allein es wäre sehr ungerecht, diese Umtriebe ausschließlich den Juden zuzuschreiben. Auch Christen treiben Wucher und begehen unredliche Handlungen, und der gerade jetzt niedergeschlagene Börsenschwindel ging absolut nicht von Juden, sondern gerade von denjenigen aus, die gegen die Juden auftreten wollten. Der Herr Abgeordnete behauptete, man könne nicht mehr von Rechtsgleichheit sprechen, denn dieselbe existire für die Christen nicht mehr. Das ist eine Behauptung, deren Beweis ihm sehr schwer fallen dürfte. Was wären wir 13 Millionen andersgläubige Einwohner dieses Staates, wenn wir nicht einmal im Stande wären, uns gegen die 600,000 Juden zu wehren? Wäre er im Stande, das zu beweisen, dann hätte er uns ein Schandmal aufgedrückt. Ungarn hat einen wahren Triumph errungen, als es nach jahrzehntelangen Kämpfen — ich wiederhole nach jahrzehntelangen Kämpfen — dahingelangte, die Ungerechtigkeit seiner alten Gesetze zu sühnen und auszutilgen. Ich verwahre mich dagegen, daß man auch nur den Schein Hervorrufe, als ob eine Veranlassung vorläge, diese Schuld abermals herzustellen. (Lebhafte Zustimmung.) Da ich aber selbst den Schein vermeiden will, bitte ich den Antrag des Ausschusses anzunehmen. (Lebhafter Beifall im ganzen Hause.) Nachdem der Minister-Präsident geschlossen, wollte man auf allen Seiten die Debatte abschließen Da erhob sich Alexander Almasy von der äußersten Linken und wollte sprechen. Alle Parteien waren darin einig, eine eigentliche Juden-Debatte zu vermeiden und deßhalb ertönten stürmische Schlußrufe. Almasy ließ sich jedoch nicht irre machen und begann eine Lobrede auf die Juden, in der er sich zur Behauptung verflieg, daß jeder Christ, der Geld besitze, damit Wucher treibe. (Große Heiterkeit.) Die Juden seien ein betriebsames, fleißiges, sparsames Volk, das der ungarischen Nationalität zuneige, und es sei daher gar nicht der Mühe werth, Jstoczy zu widerlegen. Geradezu zur Farce artete die ganze Scene aus, als abermals stürmische Schlußrufe erschallten und dann der Reihe nach zwei Unterzeichner des Jstoczy'schen Antrages, die Abgeordneten Emil Abonyi und Gedeon Robonczy, sich erhoben und erklärten, daß sie eigentlich getäuscht worden feien; sie feien mit Jstoczy nicht einverstanden und werden gegen ihn stimmen. Albony erklärte, er habe nur den ersten Theil von Jstoczy's Antrag gelesen, welcher sich auf die Civil-Ehe bezieht. Da er gegen dieses Gesetz sei, habe er seine Unterschrift gegeben; nun aber, nachdem er in dein Emancipations-Gesetze die correkteste Schöpfung des Reichstages erblicke und Jstoczy hauptsächlich gegen dieses kämpfe, widerrufe er seine Unterschrift. (Lebhafte Heiterkeit.) Gedeon Rohonczy: „Ich habe den Antrag unterzeichnet, nachdem mir Herr Jstoczy sagte, derselbe fei gegen die polnischen Juden gerichtet. Einen großen Theil dessen, was Jstoczy gegen die Juden vorgebracht, erkenne ich als richtig an; da es jedoch unter den ungarischen Juden viele anständige patriotische Männer gibt, werde ich gegen den Antrag stimmen. (Stürmische Heiterkeit.) Nachdem noch Jstoczy ein kurzes Schlußwort gesprochen, wird zur Abstimmung geschritten. Bei derselben erhob sich das gesammte Haus für den Antrag des Ausschusses, blos Jstoczy und drei oder vier Abgeordnete blieben sitzen.