Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447898-2447907--18526-2474572- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
211 der Petition, so jene, wo die Civilehe eine Fusion zwischen Juden und Christen genannt wird; ferner wo die Petenten behaupten, daß sie nicht von Intoleranz, sondern lediglich von der Rücksicht auf das Staatswohl geleitet seien, wurden mit schallender Heiterkeit ausgenommen. Nach Verlesung der Petition erhob sich Jstoczy; stürmische „Hört!"-Rufe durchbrausten den Saal, Jstoczy zitterte vor Erregung, wischte sich den Schweiß von der Stirne und begann mit vibrirender Stimme zu sprechen. Jstoczy ist bekanntlich von dem Wahne befangen, daß er die Judenfrage in Europa angeregt und großgezogen habe. Mit dieser Eröffnung begann er seine Rede, indem er darauf hinwies, daß er schon im Jahre 1875 die Austreibung der Juden im Reichstage proponirt habe, also zu einer Zeit, in der seine Ansichten als mittelalterliche Bornirtheit, als reactionäre erklärt wurden, von der Manchesterschule, die da predigt, daß das Geld eine solche Waare sei, wie jede andere, daß der Schwächere dem Stärkeren weichen müsse. Eben damals brannte in Deutschland der von den Juden angefachte Culturkampf lichterloh, Judenblätter predigten offen und unbehelligt diese Lehren und mit den Schlagworten der Manchesterschule wurde die ungarische Gesellschaft ruinirt. Trotz allen Spottes und aller Schimpfereien habe er die Judenfrage aufgeworfen und festgehalten bis auf diesen Tag. Im Laufe der Zeit sei diese Frage riesengroß angewachsen und habe den lebhaftesten Widerhall gefunden in den zwei größten Staaten des Continentes, im deutschen Reiche und in Rußland, und die Regierungen dieser Staaten beschäftigen sich eingehend damit, wie die Judenfrage radical zu lösen sei. Es bleibe ein unaustilgbarer Schandfleck des neunzehnten Jahrhunderts, daß die physisch, geistig und moralisch verkrüppelten Juden die Herrschaft über Europa an sich reißen konnten, nicht etwa durch edle Waffen der Ueberlegenheit, sondern durch Raffinement und Wucher.. Man nennt unser Jahrhundert das Jahrhundert der Aufklärung und dennoch tappen wir in egyptischer Finsterniß hinsichtlich der Umtriebe der Juden. Bekanntlich ist auch die egyptische Finsterniß das Fabrikat der Juden. (Gelächter im ganzen Hause.) Man nennt unser Jahrhundert ferner das Jahrhundert der Humanität, während doch nur die Juden der Humanität theilhastig geworden sind, während unser von Juden zum Vieh erniedrigtes Volk von dieser Humanität ausgeschlossen ist. Man darf einem Juden nicht einmal auf die Hühneraugen treten, ohne daß in ganz Europa ein Wehklagen entsteht. (Schallendes Gelächter im ganzen Hause.) Durch die Praktiken der Juden wurden Hunderttausende unserer Mitbürger an den Bettelstab gebracht und zur Auswanderung genöthigt. Sie dürfen unsere religiösen Ueberzeugungen verhöhnen, unsere nationalen Aspirationen verlachen, diese parasitenhafte, schachernde Horde. Präsident (das Glockenzeichen gebend): Ich ersuche den Herrn Redner, in seinen Ausdrücken etwas wählerischer und vorsichtiger zu kein. Jstoczy (fortfahrend): Doch der Stern Judas beginnt zu sinken. (Große Heiterkeit.) Die Alliance Jsratzlite Universelle, deren Fäden die ganze Welt umfassen, vermochte schon 1878 ans dem Berliner Kongresse nicht mehr durchzusetzen, daß die Juden in Rumänien vollständig emancipirt wurden und schon damals begann in Deutschland die antisemitische Bewegung, welche 1881 in Rußland eine so drastische Fortsetzung fand. Wenn irgendwo, so kann die Judenfrage in Rußland nach der bisherigen Weise radical gelöst werden. (Unruhe und Bewegung.) Dort gibt es kein Parlament und daher keine Parteien, die bei den Wahlen um die Stimmen der Juden betteln und daher auf Kosten der' eigenen Nation den Juden dienen. (Lebhafter Widerspruch auf der äußersten Linken.) Redner wendet sich zu den Bänken dieser Partei und sagt: Vielleicht hätten die Herren die Güte, die vier Millionen russischer Juden mit offenen Armen bei uns aufzunehmen unter der Voraussetzung, daß sie ihre Namen magyarisirend! (Heiterkeit.) Unsere Minister für Bildung und Aufklärung meinen noch immer, es sei Philantropie, die Juden groß zu machen. Der zweite Theil der Petition ist gegen die übereilte Emancipation der Juden gerichtet, der erste gegen das Gesetz über die Ehe zwischen Juden und Christen. Soweit ich die Stimmung des Hauses kenne, ist das Schicksal dieser Vorlage besiegelt; sie wird niemals Gesetz werden. Wir halten ja schon so weit, uns selber emancipiren zu müssen; denn die Resultate der letzten Volkszählung ergeben, daß die Juden bei uns während des letzten Decenniums um mehr als 13 Percent zugenommen haben, während die allgemeine Bevölkerung kaum ein Percent angewachsen ist; daraus folgt, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse für die Juden ebenso gut, wie für die Christen schlecht sind. Das von der Regierung vorgelegte Wuchergesetz kehrt sich nur gegen zwei Praktiken der Juden; alle ihre sonstigen Schändlichkeiten bleiben unbehelligt; als solche zählt Redner unter stets wachsender Heiterkeit Folgendes auf: Sie schlagen für uns Fleisch aus crepirtem Vieh, schütten Vitriol in den Schnaps; schütten Sand in das Mehl, machen falsche Bilanzen, vermehren die Trunkenheit, treiben Handel mit weißen Sclaven, leisten auf Grund des Talmud falsche Eide, bestechen die Beamten, verkaufen Talmi für Gold (stürmische Heiterkeit), beschneiden die Kremnitzer Dukaten (minutenlanges Gelächter), monopolisiren den Handel, vereinigen sich