Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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208 Theodahad schwieg. „Da der König schweigt," sagte Wittigis, „so müssen wir statt seiner sprechen. Wisse Grieche, hört es Ihr Römer und Jtalier: Das Volk der Gothen ist srei und erkennt auf Erden keinen Herrn und Richter über sich. Wenn schwere Thaten unter uns geschehen, so richten wir und strafen wir sie selbst. Den Fremdling geht das nichts an, am wenigsten den Kaiser, unfern Feind!" „„Mein Kaiser,"" entgegnete Petros, „„wird d lese Frau rächen. Liefert die Mörder aus nach Byzanz."" „Wir liefern keinen Gothenknecht nach Bizanz", schrie Wittigis, „um wie viel weniger unsren König." „„So theilt Ihr seine Strafe und seine Schuld, und Krieg erkläre ich Euch im Namen meines Herrn. Erbebt vor Iustinian und Belisor!"" Eine freudige Bewegung der gothischen Krieger war die Antwort. Der alte Hildebrand trat an's Fenster und rief zu den untenstehenden Gothen hinab: „Hört, Ihr Gothen, frohe Kunde: Krieg, Krieg mit Byzanz!" Da brach unten ein Getöse los, wie wenn das Meer entfesselt über seine Dämme bricht; die Waffen klirrten und lausend Stimmen jubelten: „Krieg, Krieg mit Byzanz!" Der Widerhall dieses Rufes ertönte durch ganz Italien; er drang auch nach Rom, wo sich alsbald die Verschworenen in den Katakomben versammelten. Der Archediakonus Blasius redete die Versammelten an: „Wieder einmal", sprach er, „haben wir uns versammelt im Grauen der Nacht zu den Werken des Lichts. Vielleicht zum letzten Male. Denn wunderbar hat Gott unsre Bemühungen zur Vernichtung der ketzerischen Gothen gesegnet. Nächst Gott dem Herrn aber gebührt der höchste Dank dem edlen Kaiser Iustinian und seiner frommen Gemahlin. Bald wird Italien einem rechtgläubigen Herrn gehorchen." „„Halt, Priester!"" rief Lucius Licinius. „„Wie kannst Du den Kaiser von Byzanz unfern Herrn nennend Wir wollen nicht für die Herrschaft der Gothen die der Griechen austauschen, wir wollen frei sein!"" „Wir wollen frei sein," wiederholte der Chor! seiner Freunde. > „„Wir wollen frei werden,"" entgegnete! Blasius. „„Aber das können wir nicht aus eigener - Macht, das können wir nur mit des Kaisers Hilfe. Bedenket die Zahl und die wilde Kraft der Bar< baren! Bedenket, wie die Männer Italiens seit langer Zeit des Schwertes entwöhnt, daß alle Zwingburgen des Landes in den Händen der Gothen sind!"" .Wir können nicht länger warten," rief Lucius Licinius. Der Kaiser zögert zu lange. Trotzdem der Krieg erklärt ist, hat die Flotte des Belisar sich zur Heimkehr gewendet. Wenn Belisar in Neapel landen würde, ich wäre der Erste, der zu ihnen ginge." Da hallten Schritte aus dem Seitengange und eilfertig stürzte einer der Verschworenen herbei. „Triumph," rief er, „Freiheit, Freiheit. Der Krieg hat begonnen. Belisar ist gelandet mit 30,000 Mann!" „„Triumph, Rettung, Freiheit!'" riefen die Verschworenen. „Belisar ist jetzt unser Haupt," sagte Lucius Licinius, „ich gehe in sein Lager!" „„Und wir folgen Dir!"" riefen seine Freunde Volerius, Virginius und Aemilius. Die Landung Belisars war Allen, Gothen wie Jtaliern, gleich unerwartet gekommen. Der Seegraf von Neapolis, Totila, hatte die Regierung zu Ravenna vergeblich gewarnt. König Theodahad hatte ihm die gewünschten Mittel zur Verteidigung nicht geschickt. Nun war Belisar auf italienischem Boden gelandet. Aus Apulien und Calabrien mußten die überraschten Gothen fliehen. Unaufhaltsam drang der griechische Feldherr durch Bruttien und Lucanien gegen Neapolis vor. Totila hatte in Verbindung mit dem Stadtgrafen Uliaris die Stadt in Verteidigungszustand gesetzt, aber dem größten Theil der Bevölkerung, die meistens aus Griechen und Jtaliern bestand, war nicht zu trauen. Es war zu befürchten, daß sie den Feinden bei der Eroberung der Stadt behilflich sein würden. Die gothische Besatzung war nur gering an Zahl. Als diese Verhältnisse im Kriegsrathe besprochen wurden, sagte der Stadtkommandant Isaak: „Für die Treue der Juden glaube ich bürgen zu können. Sie werden mit Gut und Blut einstehen für die Aufrechterhaltung der gothischen Herrschaft." „„Dann,"" sagte Totila, „„werden wir die Jtalier und Griechen im Zaume halten und ihnen alle verrätherischen Gelüsten vertreiben können."" — (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Perannvortlicbe Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottslebeu's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).