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Der Israelit · 1882-03-01 · Heft 9 (1.3.1882) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 9 (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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207 inigen Tagen war Amalasunta nicht mehr gesehen worden. Schreckliche Gerüchte durchschwirrten die Stadt. Der kaiserliche Gesandte hatte eine Anzahl vornehmer Römer, geistlichen und weltlichen Standes, um sich versammelt. Große Ausregungaus Zorn und Furcht gemischt, sprach aus allen Gesichtern, als Petros an die Versammelten die Worte richtete: „Ihr ehrwürdigen Bischöfe des Westreichs und ^-hr, Ihr edlen Römer, ich habe Euch hierher beschieden, um laut und feierlich vor Euch im Namen meines Kaisers Verwahrung einzulegen gegen alle Acte der Arglist und Gewalt, welche im Geheimen gegen die Königin Amalasunta verübt werden mögen. Seit neun Tagen ist sie verschwunden aus Ravenna, wohl mit Gewalt hinweggeführt aus Eurer Mitte; sie ist von jeher die Freundin, die Beschützerin der Jtalier gewesen. Ich habe Eilboten ausgesandt nach allen Richtungen; noch bin ich ohne Nachricht! Aber wehe, wenn . . . ." Er konnte nicht vollenden. Dumpfes Geräusch scholl von dem Forum des Hercules herauf, bald hörte man hastige Schritte im Vestibulum, der Vorhang ward zurückgeschlagen und ins Gemach eilte, staubbedeckt, einer der byzantinischen Sklaven des Gesandten. „Herr," rief er, „sie ist todt, sie ist ermordet!" „„Ermordet!"" scholl es in der Runde. „Durch wen?" fragte Petros. „„Von Gothelindis auf der Villa am Bolsenersee."" „Wo i; die Leiche? Wo die Mörderin?" „„Gothelindis gibt vor, die Fürstin sei im Bad ertrunken, unkundig mit den Wasserkünsten spielend. Aber man weiß, daß sie ihrem Opfer von hier auf dem Fuße nachfolgt. Römer und Gothen eilen zu Hunderten nach der Villa, die Leiche in feierlichem Zuge hierher zu geleiten. Die Königin floh vor der Rache des Volkes in das feste Schloß vonFeretri."" „Genug," rief Petros entrüstet, „ich eile zum Könige und fordere Euch auf, Ihr edlen Männer, mir zu folgen. Auf Euer Zeugniß will ich mich berufen vor Kaiser Justinian." Und sofort eilte er an die Spitze der Versammelten nach dem Palast. Sie fanden auf den Straßen eine Menge Volks in Bestürzung und Entrüstung hin- und herwogend, die Nachricht war in die Stadt gedrungen und flog von Haus zu Haus. Als man den Gesandten des Kaisers und die Vornehmen der Stadt erkannte, öffnete sich die Menge vor ihnen, schloß sich aber dicht hinter ihnen wieder und fluthete nach auf dem Wege in den Palast, von dessen Thoren sie kaum abgehalten wurde. Von Mnute zu Minute stieg die Zahl und der Lärm des Volkes; auf dem Forum des Honorius drängten sich die Ravennaten zusammen, welche mit der Trauer um ihre Beschützerin schon die Hoffnung vereinten, bei diesem Anlaß die Barbarenherrschaft fallen zu sehen; das Erscheinen des kaiserlichen Gesandten steigerte diese Hoffnung, und der Auflauf vor dem Palast nahm mehr und mehr eine Richtung, welche keineswegs blos Theodahad und Gothelindis bedrohte. Inzwischen eilte Petros mit seiner Begleitung in das Gemach des Königs. „Ich fordere Rechenschaft von Dir, König der Gothen," rief er mit finsterer Miene, „Rechenschaft im Ramm des Kaisers für die Tochter Theoderichs. Du weißt, Kaiser Justinian hat sie seines besondern Schutzes versichert Jedes Haar ihres Hauptes ist daher heilig, und heilig jeder Tropfen ihres Blutes. Wo ist Amalasunta?" „„Sie ist todt,"" sagte Theodahad. „Ermordet ist sie," rief Petros; „so ruft ganz Italien, ermordet von Dir und Deinem Weibe. Justinian, mein hoher Kaiser, war der Schirmherr dieser Frau. Er wird ihr Rächer sein. Krieg kündige ich Dir in seinem Namen an, Krieg gegen Euch, ihr blutigen Barbaren, Krieg gegen Euch und Euer ganzes Geschlecht!" „„Krieg gegen Euch und gegen Euer ganzes Geschlecht!"" wiederholten die Jtalier, fortgeriffen von der Gewalt des Augenblickes und den alten lang genährten Haß entzügelnd. Da ertönte der schmetternde Ruf des gothischen Kriegshorns, und in das Gemach eilte mit gezogenen Schwertern eine starke Schaar gothischer Krieger, vom Grafen Wittigis geführt. Die gothischen Führer hatten sofort auf die Nachricht von Amalasuntas Untergang die tüchtigsten Männer ihres Volkes in Ravenna zu einer Berathung versammelt, um Maßregeln der Sicherheit und Gerechtigkeit zu berathen. Zur rechten Zeit erschienen sie jetzt vor dem Forum, wo der Auflauf immer drohender wurde. Schon ertönte der Ruf: „Wehe den Barbaren!" Diese Stimmen verschwanden sofort, als die Gothen in geschloffenem Zuge anrückten. Ohne Widerstand zogen sie durch die Volkshaufen. Die Führer. Graf Wittigis und der alte Waffenmeister Hildebrand, traten in das Gemach des Königs. „Ich klage," rief der Gesandte des Kaisers ihm entgegen, „den König der Gothen Theodohad des Mordes an, und lade ihn nach Constantinopel vor das Gericht des Kaisers." „ „Und darauf hast Du keine Antwort, König?" " rief der alte Hildebrand zornig.

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