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Der Israelit · 1882-03-01 · Heft 9 (1.3.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 9 (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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206 England. London, 17. Febr. Die „Times" macht die Mittheilung, daß die Konsularberichte, welche das auswärtige Ministerium im Begriff stehe zu veröffentlichen, keine Falle Nachweisen, in denen die gemeldete Schändung von jüdischen Frauen und Mädchen wirklich klar bewiesen worden ist. Dagegen seien die Beweise über die Gewaltthätigkeiten der allerschlimmsten Art gegen Leben und Eigenthum klar und umständlich, sowie auch darüber, daß, wenn die Behörden die nöthigen Vorkehrungen getroffen hätten oder mit dem erforderlichen Ernst und Nachdruck eingeschritten wären, all' die verübten Gewaltakte und Grausamkeiten auf einen sehr geringen Umfang hätten beschränkt werden können. Die in Rußland zurückbleibenden Juden seien sehr zurückhaltend und ungeneigt, volle Auskunft zu geben, und das gute Einvernehmen, welches zwischen Polen und Russen besteht, macht die Juden sehr vorsichtig in ihren Mittheilungen über die Einzelnheiten der Vorfälle an Fremde und Ausländer. London, 20. Febr. (Unterhaus.) Dilke antwortete, daß die Frage von Worms, welche Formalitäten die Rußland besuchenden, englischen Israeliten zu befolgen hätten, noch Gegenstand eines Schriftwechsels mit Rußland sei. Die britischen Juden, die nach Rußland gehen, werden den Schutz der englischen Regierung, zu dem sie berechtigt sind, haben, soweit derselbe mit den Vertragsverpflichtungen vereinbarlich. Rußland. Petersburg, 18. Febr. In seiner Unterredung mit dem Petersburger Rabbiner Drabkin bezeichnete Graf Jgnatiew als Ursachen der andauernden Judenhetzen theils die ungenügende Energie der anfänglich ergriffenen Maßnahmen, theils das spätere Vorgehen der Administration. Die Emigration der Juden gedenkt Jgnatiew durchaus nicht zu begünstigen, und in jedem Falle würde betreffs der Auswanderer die strengste Controle geübt werden. Als der Minister die Theilnahme der jüdischen Jugend an dem Nihilismus berührte, bemerkte der Rabbiner, das wünschenswerthe höhere Niveau einer sittlich-religiösen Erziehung sei nicht erreichbar, da der Religions-Unterricht in den Lehranstalten mit dem christlichen Religions-Unterrichte nicht aus gleiche Stufe gestellt sei. Zum Schluffe äußerte der Minister sein Bedauern darüber, daß allerlei vage Gerüchte bei den Juden Glauben finden, so zum Beispiel, daß die lernende Jugend werde gezwungen werden das Christenthum anzunehmen oder die Schule zu ver lassen. Auch die Gerüchte über zwangsweise Uebersiedelung seien übertrieben. Der Rabbiner möge die Gemüther beruhigen. Das wegen der Judenfrage eingesetzte Comittz werde keine Entscheidung treffen, ohne die Vertreter der Juden gehört zu haben. Amerika. New-Bork. Am 2. Januar waren es 25 Jahre, daß der hier erscheinende „Jewisch Mefsenger" besteht. Der Begründer desselben war der in weiten Kreisen als conservativ bekannte M. S. Jsaacs. Seit dem Tode desselben ist einer seiner Söhne Herausgeber und Redacteur. Asien. Smyrna. Die hiesige jüdische Gemeinde besitzt seit etwa 400 Jahren einen Begräbnißplatz auf dem Hügel Caratsche. Die Urkunden hierüber wurden in dem großen Brande von 1841 ein Raub der Flammen. Das Besitzrecht der Gemeinde wurde aber seitens der Behörden niemals angezweifelt. Vor ungefähr 7 Monaten jedoch nahmen plötzlich die Lokalbehörden den Friedhof in Besitz, um darauf Zufluchtshäuser für aus Europa eingewanderte Muselmänner zu errichten. Eine große Anzahl von Gräbern wurde zerstört, die Grabsteine wurden zu Bausteinen benutzt. Alle Interventionen der Gemeinden und der Consuln mehrerer Großmächte sind erfolglos geblieben, es wurde blos bewirkt, daß die Bauarbeiten einstweilen eingestellt wurden. Der Vicepräsident der All. isr. in Constantinopel, Herr I Fernandez hat die Angelegenheit vor das Ministerium gebracht, welches versprochen hat, dieselbe einer genauen Untersuchung zu unterwerfen. (Jew. Eh.) Feuilleton. 'Uarthrnope. IX. Kaiser Justinian schritt sofort zur Ausführung seiner Pläne. Belisar fuhr mit einer großen Flotte nach Sicilien, angeblich, um von dort aus die Vorgänge in Afrika zu beobachten und den kürzlich wiedereroberten Provinzen nahe zu sein. Als Gesandter nach Ravenna, der Residenz der gothischen Könige, wurde ein Verwandter des großen Feldherrn Narses, der schlaue Petros geschickt, mit der Vollmacht, Belisar herbeizurufen, sobald die Ereignisse eS erforderten. Eine schwüle Stille lag über Ravenna. Seit

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