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Der Israelit · 1882-03-01 · Heft 9 (1.3.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 9 (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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205 H. Präsident! Das C.-Comit6 der Kiliane isra- Älite universelle hat mit lebhafter Freude vernommen, daß sich in Luneville ein Comitö gebildet hat, um dem AbbLGrHgoire ein Denkmal zu errichten. Wir glauben eine Pflicht der Dankbarkeit zu erfüllen, indem wir uns diesem Werke anschließen. Der Abbß Grßgoire ist, abgesehen von den politischen Diensten, die er unserem Lande erwiesen hat, einer der Ersten in Frankreich gewesen, die sich für das Prinzip der Gewissensfreiheit leidenschaftlich begeistert haben. Schon vor der Revolution schickte er an die Akademie von Metz als Antwort auf eine Frage betreffs der Judcnemancipation eine Denkschrift, die ein Ausdruck der nobelsten Gesinnungen war und von der Akademie gekrönt wurde. In der Nationalversammlung ergriff er jede Gelegenheit, um für alle Culte die Gleichheit vor dem Gesetz und der Gesellschaft zu fordern. Dieser edle Gedanke, der sich in allen seinen Schriften wiedersindet, ist die große Angelegenheit seines Lebens gewesen. Er hatte das Glück, denselben in Frankreich triumphiren und aus unserem Lande in^ alle civilisirten Länder eintreten zu sehen. Dieser (Lieg der Ideen der Freiheit und der Brüderlichkeit ist zum Theil sein Werk; er ist der Ruhin des Abb4 Grtzgoire und die Ehre seines Namens. Genehmigen Sie, H. Präsident, mit unserer bescheidenen Spende den Ausdruck unserer herzlichsten Wünsche für das Gelingen Ihres Werkes und die Versicheruug unserer hohen Werthschätzung. Diesem Briefe hat das E.-Comittz eine Subscription von 500 Fr. beigelegt. (Aufruf an die Comittzs.) Das Central-Comit^ hält sich verpflichtet, einen neuen Aufruf an die Bezirks¬ und Local-Comittzs zurichten und sie zu bitten, von Neuem für unsere unglücklichen russischen Glaubensgenossen Sammlungen zu veranstalten. Aus dem gegenwärtigen Berichte ist zu ersehen, welchen Umfang die Bedürfnisse dieses Hilfswerks genommen und an wie vielen verschiedenen und zugleich wichtigen Punkten unsere Aufmerksamkeit und unsere Stütze in Anspruch genommen wird. Die schrecklichen Scenen von Warschau haben überall einen schmerzlichen Widerhall gefunden; die Leiden der Israeliten dieser Stadt sind grausam. Das Central- Comitö hat denselben bereits eine Summe von 25,000 Fr. zugeschickt; aber es hofft, daß die stets so bereite Mitwirkung der Comittzs ihm gestatten wird, ihnen wie den anderen Opfern der Verfolgung weitere Hilfe zu bringen. Die Akte der Gewalt und Barbarei haben noch nicht aufgehört und unsere Barmherzigkeit kann noch keineswegs stillestchen; die russische Subscription bleibt eröffnet, und wir bitten unsere verehrten Mitarbeiter um eine neue Anstrengung, bei welcher es ihnen sicher an Ermuthigung und Unterstützung seitens der öffentlichen Meinung nicht fehlen wird, angesichts jdes tiefen Mitleids, das diese beklagenswerthen Ereignisse in allen Herzen erweckt haben. England. London. Herr Eduard Heneage (Christ) hat der jüdischen Geinde de Grimsby einen Bauplatz zur Errichtung einer Synagoge geschenkt. (Jew.Chr.) Oxford. Seitens der Mitglieder der Oxforder Universität war es ursprünglich beabsichtigt gewesen, in einer öffentlichen Versammlung gegen die Behandlung der Juden in Rußland zn protestiren. Um jedoch dem Meinungsaustausch einen besseren Effekt zu verleihen, richteten 245 Professoren an Herrn Oberrabbiner Dr. N. Adler in London eine Adresse, in welcher sie ihre Sympathien für die Juden und ihren Schmerz und ihre Indignation gegen die an den Juden in Rußland verübten Ausschreitungen ausdrückten. Herr Dr. Adler hat in einem Schreiben an den Vice-Kanzler der Oxforder Universität, Rev. E. Evans, den tiefgefühltesten Dank seiner Gemeinde ausgesprochen und hervorgehoben, daß ein Protest von der alten Universität Oxford und von Männern, die in der wissenschaftlichen Welt einen so hohen Rang einnehmen, nicht verfehlen kann, in der civilisirten Welt den größten Eindruck hervorzubringen. (Wir werden über diese Adresse in nächster Nummer ausführlich berichten. Red.) Rußland. St. Petersburg. Der Pol. Corr. schreibt man aus Petersburg: „Unter der wichtigen inneren Fragen,die gegenwärtig in Special- Commissionen berathen werden, steht die Judenfraae in erster Linie. Ein bemerkenswerther, diesen Gegenstand behandelnder Artikel, der kürzlich in der Moskauer Zeitung des Herrn Katkow erschien und Herrn Dr. Mandelstam zum Verfasser hat, hat vielfaches Aufsehen erregt. Erschlägt in dem gedachten Artikel für die Lösung der Frage vor, daß man den armen Juden unter leicht ausführbaren Bedingungen, die in dem Projecte näher bezeichnet sind, Grundstücke überlasse, so daß sie in den weniger bevölkerten Provinzen zu Ackerbautreibenden und Bodeneigenthümern würden. Das Projekt ist durch einen Vorschlag ergänzt, durch welchen Rußland sich in wenigen Jahren von seiner auswärtigen Schuld, welche aus den für den Bau der russischen Bahnen aufgenonunenen Anleihen entstanden ist, befreien könnte und in die Lage versetzt würde, die 50 Millionen Rubel, welche die russische Regierung alljährlich in Folge dieses Anlehens an das Ausland zu zahlen hat, zur Exploitirung seiner inneren Reichsthümer und zur Hebung der nationalen Arbeit zu verwenden." Die Moskauer Zeitung vertritt bekanntlich die Ideen der Regierung. _

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