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Der Israelit · 1882-03-01 · Heft 9 (1.3.1882) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 9 (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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203 nno^o ns-d und ein mm?a, unterrichtete den Sohn sowohl in seinem Geschäfte als auch in der heiligen Gotteslehre. Nachdem der Knabe das dreizehnte Jahr erreicht hatte, bezog er die damals in Ansbach blühende Jeschibah, von wo er sich später, um seine Studien sortzusetzen, nach Mainz begab. Dann trat er als Hauslehrer in das Haus des berühmten Kabbalisten Rabbi Seckel Löb Wormser y'a"?, Rabbiner zu Michelstadt. Von da aus ging er nach Darmstadt und wurde e'm Schüler des dortigen Rabbiners R. Kalme Mönkeburg t"s"7. Rach dessen Tod verwaltete er Zwei Jahre lang das dortige Rabbinat. Während dieser Zeit verheirathete er sich und ließ sich als o"n"D ->cid in Darmstadt nieder, woselbst er länger als ein halbes Jahrhundert lebte und wirkte. Eine unabsehbare Menschenmenge, vielleicht tausend Personen, folgte gestern der Bahre. Nicht allein die ganze jüdische Bevölkerung von Darnistadt und der Umgebung, sondern auch aus der Ferne, aus Frankfurt, aus Mainz, aus Wiesbaden, aus Bieberich, aus Worms, aus Biblis 2c. waren die Freunde und Verehrer des theueren Mannes herbeigeströmt, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Herr Rabbiner Dr. Marx gab der Trauer der Versammelten den gebührenden Ausdruck. In begeisterter Rede schilderte er alle die vortrefflichen Eigenschaften des Verewigten: seine innige und aufrichtigte Frömmigkeit, seine große Gelehrsamkeit, seinen unermüdlichen Fleiß, wie er bei Tag fleißig sein Handwerk betrieb, um sich und die Seinen zu ernähren und die Nacht dem Thorastudium gewidmet. Der Redner führte aus, wie der Verewigte in selbstloser und uneigennütziger Weise viele Schüler unterrichtete, die jetzt als Rabbiner, Juristen, Aerzte, Kaufleute und Handwerker im Sinne ihres unvergeßlichen Lehrers leben und wirken. Kein Auge blieb thränenleer als der Redner die unvergleichliche Demuth und Bescheidenheit des Heimgegangenen schilderte, welcher wie in vielen andern Dmgen, namentlich hierin dem Ideale unsres großen Lehrers Moscheh nachstrebte, an dessem Todestage, dem siebenten Ador, die sterblichen Ueberreste Rabbi Löb Sulzbach's zu Grabe getragen wurden. Der Redner schilderte ferner die große, unaussprechliche Gottinnigkeit des Verklärten, seine Standhaftigkeit in allerlei Sorgen und Kümmerniffen, seine Anspruchslosigkeit und seine, trotz nur bescheidener Verhältnisse, fast übergroße Wohlthätigkeit und Gastfreundlichkeit gegen Reiche und Arme, wobei ihm seine edle Gattin iw«' c»n hilflreich zur Seite stand. Hierauf widmete der Herausgeber dieser Blätter dem dahingeschiedenen Freunde einige Worte des Nachrufes und wies namentlich auf die Größe des Verlustes und die gewaltige Lücke hm, die der Tod hier gerissen. Für einen Talmid Chacham gab es zu allen Zeiten nur schwer einen Ersatz, um wievielmehr in der unsrigen! Der Redner forderte in eindringlicher Weise die Anwesenden dazu auf, daß Jeder dazu beitrage, soviel in seinen Kräften stehe, die Lücke auszufüllen und namentlich die Kinder zur Thora und für die Thora zu erziehen. — Auch Herr Dr. Wolf, Schuldirektor zu Biblis, ein Schüler des Verewigten, sprach einige warme und tief empfundene Worte. Rabbi Löb Sulzbach war der Gründer und Erhalter der israelitischen Religionsgesellschaft, orthodoxer Richtung, in Darmstadt. Als die Gemeinde, nach dem Wegzuge des unvergeßlichen Landesrabbiners Dr. B. H. Auerbach yV'i, sich der sogenannten Reform zuwandte, sammelte er eine kleine Schaar frommer Gesinnungsgenossen um sich und fungirte bei denselben zwölf Jahre lang in uneigennützigster Weise als Rabbiner, bis vor elf Jahren Herr Rabbiner Dr. Marx berufen wurde, mit dem ihn dann die engste Freundschaft verband und dem er stets bei allen rabbinischen Funktionen ein freundlicher und liebevoller Berather blieb. Dem Verewigten war es vergönnt, die Saat, die er gesäet, aufgehen zu sehen. Die israelitische Religionsgesellschaft zu Darmstadt ist aus kleinen Anfängen zu einer ansehnlichen Gemeinde herangewachsen. Möge sein Andenken auch ferner segensreich wirken, pns -o»! Mainz, 28. Febr. Der „Frankfurter Zeft tung" wird geschrieben: „Ungeachtet der beruhigen' den Versicherungen dauern die Verfolgungen der ruft fischen Juden, insbesondere in den kleineren Städten und auf dem Lande noch immer fort. Die Geplünderten erhalten kein Gehör, die Plünderer gehen ftei aus und den Zeitungen ist es auf's Strengste verboten, hiervon Etwas zu berichten. Die isr. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M., so wie mehrere jüdische Gemeinden haben sich daher veranlaßt gesehen, in ihrem täglichen Gottesdienst Bittgebete fiir ihre unglücklichen Glaubensgenossen in Rußland aufzunehmen." Auch in der Synagoge der isr. Religionsgesell" schaft zu Mainz ist die Anordnung getroffen worden, daß das Gebet “>oucr täglich, Morgens und Nachmittags, eingefügt wird. Wir ersuchen unsere geehrten Leser, dahin zu wirken, daß in den Synagogen ihrer Wohnplätze ebenfalls für unsre unglücklichen Glaubensgenossen in Rußland gebetet werde. Möge sich der allgütige Gott der Hartbedrängten bald erbarmen.

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