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Der Israelit · 1882-03-01 · Heft 9 (1.3.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 9 (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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202 zen Deines Reiches, und ihre Gesetze sind anders als die eines anderen Volkes und die Gesetze des Königs halten sie nicht und dem König ist es kein Vortheil sie zu lassen." — Meint man nicht einen Vortrag Stöckers oder Henricis zu hören? Wiewohl zerstreut und sich in getrennt, seien dieJuden dennoch ein Volk, halten zusammen und bilden einen sogenannten Ring. Es wird ihnen ferner als Verbrechen angerechnet, daß sie sich nicht der Majorität fügen, sondern bei ihren alten Religionsvorschriften beharren. Sie werden als schlechte Patrioten dargestellt, als schlechte Unterthanen, welche die Gesetze des Monarchen zu umgehen suchen. Es wird behauptet, daß sie zu der materiellen Wohlfahrt der Staaten durch ihre Händearbeit nicht beitragen — so glaubte Haman die Erlassung des Blutbefehls zu ihrer Vernichtung und Ermordung genugsam begründet zu haben. Hamans böse Abstcht wurde vereitelt, und so werden stets alle Pläne und Ränke zerstört werden, welche man gegen uns zu schmieden beabsichtigt. Uns aber sollen die Feindseligkeiten der Amalekiter zur Warnung dienen; wir sollen durch sie daran erinnert werden, daß nur durch Gottes besondere Fürsorge unsere Existenz eine gesicherte sein kann. Daher hat Gott befohlen: Sachor! sei eingedenk dessen, was Amalek Dir gethan als Du in Refidim an der Fürsorge Gottes zweifeltest und sprachst: Ist Gott in unserer Mitte oder nicht? Nur in Folge dieses Zweifels erlangte Amalek die Kraft uns mit Erfolg anzugreifen. Vertrauen wir auf Gott und beobachten wir seine heiligen Gebote, so werden wir stets friedlich und ruhig wohnen unter dem Schutze und der Hut des treuen Hirten, der uns geweidet, behütet und beschützt hat von Anbeginn an und dessen Liebe und Gnade uns niemals der Wuth unserer Feinde überlassen wird. „Gott ist mein Hirt, nie werde ich Mangel leiden. Er läßt aus grüner Trift mich lagern, führt an die Gewässer der Ruhe mich. Er labt mein schmachtendes Gemüth, führt mich auf die Pfade der Gerechtigkeit, zu Seines Namens Ruhm. Auch wenn ich wandte in dem Thale des Todesschattens, fürchte ich nichts Schlimmes; denn Du bist bei mir; Dein Stab und Deine Stütze sind immerdar mein Trost." (Psalm 23.) Literarischer Iericht. „Ueber die wahren Ursachen der Judenverfolgungen im Mittelalter" von Joh. Holzamer, Preis 50 Pfennige, Frankfurt a. M. 1882. Im Selbstverläge des Verfassers. Der Verfasser, bis vor kurzer Zeit Redacteur des Frankfurter Journals, hat stets die sogenannte Judenhetze mit aller Entschiedenheit bekämpft und nicht nur Toleranz, sondern volle Gleichberechtigung verlangt. In der vorliegenden Broschüre sucht derselbe (Nichtjude) ebenfalls in dieser Richtung zu wirken. Der Verfasser hat es sich namentlich zur Aufgabe gestellt, darzulegen, daß während des Mittelalters Neid und Habsucht die eigentlichen Triebfedern der Judenverfolgungen gewesen sind, Triebfedern, die auch heute noch bei den Ereignissen der jüngsten Vergangenheit eine so traurige Rolle gespielt haben. „Lügenpropheten sind es," schreibt der Verfasser, „welche heute wieder, unter der Fahne des Christenthums. Haß und Bedrückung predigen, und die allmählich schwindenden Vorurtheile wieder an die Oberfläche beschwören möchten. Das tausendjährige Bestreben, die Juden gewaltsam durch Verfolgungen, Bedrückungen Beschimpfungen aller Art zurückzudrängen, sollte uns gelehrt haben, daß diese Mittel überall nur zum Nachtheil und Schaden der Allgemeinheit angewendet wurden. Nehmen wir uns ein Muster an dem nach Bildung strebenden Juden, wetteifern wir darin mit ihm, statt daß wir unsere Jugend aus der Schule zurückzudrängcn suchen, wie es gegenwärtig die Volsvertretung Bayerns thut, welche ihrer Schuljugend die derzeitige Lernzeit zu verstümmeln bemüht ist, statt die Anstrengungen für Vermehrung von Kenntnissen und Bildung in den großen Volkskreisen zu erhöhen. Rivalisiren wir doch auf diesem Kampfplatz mit den Juden, das wird bessere Früchte tragen, als die Schmach der Verfolgung oder Hetze." Wir wünschen der trefflichen Schrift die größte Verbreitung. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 27. Febr. Gestern wurde in Darmstadt ein Mann zu Grabe getragen, dessen Hinscheiden als ein großer Verlust nicht allein für die israelitische Gemeinde, in deren Mitte er lebte, sondern auch sür die ganze Provinz, ja für ganz Israel bezeichnet werden kann. Rabbi Löb Sulzbach ist nicht mehr. Donnerstag, den 23. Februar, Abends 9 Uhr, wurde er vom Schauplatze seiner irdischen Thätigkeit abberufen. Rabbi Löb Sulzbach wurde im Jahre 1804 in Schopfloch in Bayern geboren und erreichte demnach ein Alter von 78 Jahren. Sein Vater, ein

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