Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1882)
- Date
- 1882-02-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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186 daß wir nur als T hie re und nicht als besondere Wesen innerhalb der Thierwelt ranßiren, so fällt jeder Unterschied zwischen gut und bös fort. Denn die Natur kann uns keine Gesetze und keine Vorschriften geben. Wenn man doch immer von Naturgesetzen spricht und dabei behauptet, es existire kein Schöpfer, sondern das Seiende sei von ,,^wig her", so ist das einfach eine oberflächliche Bezeichnung. Bei solcher Anschauung kann es nur einen Zufall geben. Wenn der Darwinist von heute sich aber doch zu dem Fundamentalsatze der Moral bekennt, so thut er das, weil die Menschheit seit Jahrtausenden, nach seiner Theorie vielleicht seit Jahrmillionen, diesen Hauptsatz der Moral als selbstverständlich anerkennt und weil nach der bisherigen Weltanschauung Jeder, der sich darüber hinwegsetzen wollte, sich aus der menschlichen Gesellschaft ausschließen und von ihr als Feind erklärt und behandelt werden würde. Ob aber dieser Unterschied zwischen gut und bös auch dann gemacht worden wäre, wenn man niemals an einen Schöpfer und an eine höhere Verantwortlichkeit geglaubt hätte, das müßte erst noch als wahrscheinlich erklärt werden können. Der Unterschied zwischen „Mein" und „Dein" und hundert andere zur Moral gezählte und notwendig dazu gehörende, allgemein anerkannte und geübte Sitten und Bräuche sind im Grunde genommen nach darwinistischer Anschauung nur aus der Notwendigkeit des geselligen Zusammenlebens entstanden. Es ist also eine Moral der Nothwendigkeit. Diese Moral ist eben der Veränderung unterworfen, kann möglicherweise unter anderen Verhältnissen einmal überflüssig werden. Unveränderliche, für alle Zeiten und Geschlechter geltende moralische Grundsätze gäbe es hiernach nicht. Wenn man von diesem Gesichtspunkte aus heute eine Lüge für unmoralisch erklärt, so geschieht es nur deßhalb, weil die Welt uns sonst nicht glaubt und weil wir bei Ueberführung die Achtung verscherzen. Es beruht also ebenfalls auf der Nothwendigkeit des geselligen Verkehrs. Nach der allgemeinen Auffassung ist aber eine Lüge nicht bloß deßhalb unmoralisch, schimpflich und entehrend, weil wir dadurch die Achtung der Gesellschaft verlieren, sondern auch und in erster Linie deßhalb, weil sie an sich entehrend ist, weil sie gegen die Wahrheit und gegen die Moral verstößt. Daher ist auch eine Lüge gegen sich selbst gerade so entehrend und unmoralisch. Unter Moral verstehen wir also Alles, was in sich selbst, unabhängig vom gesellschaftlichen Zwang oder irgend einer äußeren Ursache, unveränderlich gut und wahr ist und bleibt. Gut muß gut bleiben auch dann, wenn die Gesellschaft den Unterschied zwischen gut und bös verwischen würde. Lüge muß Lüge bleiben auch dann, wenn die Gesellschaft nichts Entehrendes und Schimpfliches darin erblicken würde. Diese Moral fällt aber weg, sobald man nichts Höheres anerkennt, das uns zu der Unterscheidung zwischen gut und bös, Wahrheit und Lüge verpflichtet. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M, 13. Febr. Welch einen erfreulichen Aufschwung das jüdisch-religiöse Leben hier in den jüngst verflossenen Jahrzehnten genommen, dafür zeugen nicht allein unsere herrliche Synagoge, unsere prachtvolle Unterrichtsanstalt und all die anderen blühenden Institutionen der israelitischen Neligionsgesellschaft, das ist noch in vielen anderen Beziehungen wahrzunehmen. Gestatten Sie mir, heute auf einen solchen Punkt aufmerksam zu machen. Vor dreißig Jahren gab es hier keine empfehlenswerte jüdische Restauration. Seitdem sind hier mehrere entstanden, die nicht allein in religiöser Beziehung, sondern auch sonst allen Anforderungen genügen. Nun werden wir auch in nächster Zeit ein jüdisches Hotel ersten Ranges besitzen. Herr V. Löwe nthal, gegenwärtig Besitzer des Hotel Emmerich, hat einen der ersten hiesigen Gasthöfe, den römischen Kaiser auf der Zeil käuflich erworben und wird denselben am 15. Mai d. I. übernehmen. Dieses Hotel enthält mehr als 100 Fremdenzimmer, 5 Salons, 3 große Speise- und Hochzeitssäle, einen Lese-, einen Rauch- und einen Conversationssaal. Nicht brauche ich wohl hinzuzufügen, daß die Speisewirthschast auch künftighin streng geführt werden, und wie bisher unter Aufsicht unsers Herrn Rabbiners stehen wird. Man kann wohl sagen, daß ein derartiges Hotel, welches den strengsten Anforderungen der Religion ebenso wie denen des Comforts und der Bequemlichkeit entspricht, als ein imicum bezeichnet werden darf. Frankfurt a. M, 13. Febr. Es dürfte nicht überflüssig erscheinen, darauf auch in diesem Theile des „Israelit" aufmerksam zu machen, daß die Redaction für den Annonceneheil nicht verantwortlich ist, denn wenn es auch an der Spitze der Anzeigen mit fetten Lettern zu lesen ist, so gibt es Inserate, welche noch fetter gedruckt sind und mehr Beachtung finden. Zn dieser Bemerkung veranlaßt mich ein Inserat in Nr. 6 des Israelit, in welcher an hiesigem Orte auf das Gewissenhafteste streng