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Der Israelit · 1882-02-22 · Heft 8 (22.2.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 8 (22.2.1882)
Date
1882-02-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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484 „An Justinian, den Imperator der Römer, Amalasunta, der Gothen und Jtalier Königin!" „„Der Jtalier Königin"", lachte Justinian, „„verrückter Titel!"" „Durch Alexandros, Deinen Gesandten, wirst Du erfahren, wie Eris und Ate*) in diesem Lande Hausen." „Ich gleiche der einsamen Palme, die von widerstreitenden Winden zerrissen wird. „Die Barbaren werden mir täglich feindseliger, ich ihnen täglich fremder, die Römer aber, so viel ich mich ihnen nähere, werden mir nie vergessen, daß ich germanischen Stammes. „Bis jetzt habe ich entschlossenen Geistes allen Gefahren getrotzt; jedoch, ich kann es nicht länger, wenn nicht wenigstens mein Palast', meine fürstliche Person vor Ueberraschung sicher ist. „Ich kann mich auf keine der Parteien hier im Lande unbedingt verlassen. „So rufe ich Dich, als meinen Bruder in her königlichen Würde, zu Hilfe. Es ist die Majestät aller Könige, die Ruhe Italiens, die es zu beschirmen gilt. „Schicke mir, ich bitte Dich, eine verlässige Schaar, eine Leibwache — eine Schaar von einigen tausend Mann mit einem mir unbedingt ergebenen Anführer; sie sollen den Palast von Ravenna besetzen, er ist eine Festung für sich. „Habe ich meine Feinde niedergeworfen und mein Reich befestigt, wie ich vom Himmel erflehe und der eigenen Kraft vertraue, so werde ich die Truppen und Führer mit reichen Geschenken und reicherem Danke znrücksenden. Lebe wohl." Justinian drückte krampfhaft die Wachstafel in seiner Hand. Leuchtenden Auges sah er vor sich hin. „In diesem Briefe", rief er, „halte ich Italien und das Gothenreich in der Hand. Alexandros, ich bin mit Dir zufrieden." Der Gesandte warf sich vor dem Kaiser nieder und küßte dessen Füße. Dieser winkte ihm aufzustehen. Die Audienz war beendet. Als Justinian wieder allein war, durchschritt er mit großen Schritten das Gemach. „Eine Leibwache", sprach er vor sich hin, „soll sie haben! Aber nicht ein Paar tausend Mann, viele Tausende, mehr als ihr lieb sein wird, und mein Feldherr Belisarius soll sie führen!" Da rauschte der Vorhang, und die Kaiserin Theodora trat herein. Alle Künste weiblichen Erfindungsgeistes und alle Mittel eines Kaiserreiches wurden täglich stundenlang aufgeboten, diese an sich ausgezeichnete, aber durch ein zügelloses Leben frühe angegriffene Schönheit frisch und blendend zu erhalten. „Was erfreut meinen kaiserlichen Herrn so sehr?" fragte sie mit süßer, einschmeichelnder Stimme. „Darf ich seine Freude theilen?" Justinian umarmte seine Gemahlin. „Gewiß," sagte er, „meine Freude wird erst dann eine vollkommene sein, wenn Du, Theodora, die von Gott mir Geschenkte, sie theilst. Du weißt, meines Herzens Sehnen ist es seit langer Zeit, das ganze römische Reich wieder aufzurichten. Schon hat mir Belisar durch seinen Sieg über die Vandalen Afrika zurückerobert. Jetzt gilt es, Italien und Rom znrückzngewinnen. Lies diesen Brief, er gibt mir die Handhabe dazu." Die Kaiserin nahm die Wachstafel und las beu Brief mit großer Aufmerksamkeit. Nachdem sie gelesen, sagte der Kaiser: „Ich werde Belisar nach Sicilien schicken, wo er die günstige Gelegenheit abwarten kann, in Neapel zu landen und bei der unter den Gothen herrschenden Verwirrung Italien und Rom für mich zu erobern. Ich habe nur noch ein Bedenken: Ehe ich die Gothen angreife ohne Roth, sollte ich mich der Perser erwehren, um die schimpflichen Tribute abzustellen und die schmählichen Verheerungen der Grenzen zu verhindern. sagte Theodora warm, „„laß Dich von diesen: Bedenken nicht abhalten. Laß uns diese ketzerischen Gothen vertilgen und über die Leichen der Feinde unseres Glaubens hin den Weg zur Gnade suchen!"" „Auch die Perser," antwortete Justinian, „sind Feinde unseres Glaubens, sind sogar Heiden." „„Aber die Gothen sind Arianer und Ketzer, sind siebenmal schlimmer als Heiden. Ihnen war der rechte Glaube gebracht und sie haben ihn verschmäht. Das ist die Sünde wider den heiligen Geist, die nie vergeben wird, weder im Himmel, noch auf Erden. Schon hast Du in Afrika die ketzerischen Vandalen niedergeworfen und den Irrwahn in Blut und Feuer erstickt. Jetzt ruft Dich Italien, Nom, die Stätte, wo der Npostelfürsten Blut geflossen. Die heilige Stadt darf nicht länger diesen Ketzern dienen. Justinian, gib sie dem Glauben wieder!"" „Du hast Recht," rief Justinian. „Habe Dank, mein kluges Weib. Du bist lie Leuchte meiner Seele. Es sei gewagt — Belisar soll ziehen!" _(Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. *) Tie Göttinnen der Zwietracht. Verantwortliche Nedaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Bcrlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Nuchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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