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Der Israelit · 1882-02-22 · Heft 8 (22.2.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 8 (22.2.1882)
Date
1882-02-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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182 Pflicht Aller klar gekennzeichnet: sie besteht in der Vereinigung all' unserer Kräfte, in dem brüderlichen und liebevollen Zusammenwirken Aller für ein großes Werk der Barmherzigkeit und Menschlichkeit. (Schluß folgt.) Eng l an d. London, 13. Febr. Unser ehrwürdiger Oberrabbiner Herr Dr. Adler, verfaßte ein Gebet, welches in allen Synagogen des Reiches für unsere russischen Glaubensbrüder vorgetragen wird. Bei dieser Gelegenheit werden Sammlungen in der Synagoge zu dem erwähnter: löblichen Zwecke veranstaltet. Rußland. Warschau, 10. Febr. Der „P. E." schreibt man von hier: Auf Grund einer antiqnirten, weil vor ungefähr dreißig Jahren erlassenen und lange nicht mehr angewendeten Verordnung, welche den russischen Juden verbietet, sich in einem Umkreise von ca. 50 Werst an der Grenze niederzulassen, gedenken einer allgemein verbreiteten und nicht widersprochenen Version zufolge die russischen Behörden die an der galizischen, namentlich ostgalizischen Grenze seit Langem wohnenden Inden zur Uebersiedelung in's Innere des Landes zu veranlassen. Gegen diese unerhoffte, für viele jüdische Familien geradezu vernichtende Verfügung richteten nun die Betheiligten eine Vorstellung nach Petersburg, welche jedoch wenig Aussicht auf Erfolg hat, da, wie soeben aus Zytomierz gemeldet wird, der dortige russische Gouverneur bereits Anstaltev trifft, mn seine diesbezüglich längst ergangene Verfügung zwangsweise zu vollziehen. Dieses Zurückgreifen auf veraltete und außer Uebung gekommene Verordnungen wird mit Zollrücksichten motivirt, weil der Branntweinschmuggel, der in letzter Zeit bedeutend zugenommen haben soll, von den an der ostgalizischen Grenze ansässischen russischen Juden angeblich gewerbsmäßig in großem Maßstabe geführt wird und trotz unlängst erfolgter verhältnißmäßig bedeutender Verstärkung der russischen Grenzwache bisher nicht abnimmt. Feuilleton. Uarthenope. VIII. Am Tage nach den erzählten Ereignissen durchflog die Kunde von der gewaltsamen Entführung Miriams und ihrer wunderbaren Errettung ganz Neapel. Totila war in Aller Munde, und seine Heldenthat erregte die allgemeine Bewunderung. Miriam war nicht unbedenklich erkrankt; das Hochzeitsfest mußte verschoben werden. Wir haben oben berichtet, daß sich um diese Zeit ernste Ereignisse vorbereiteten. Nachdem Athalerich, der Enkel und Erbe des großen Gothenkönigs Theoderich, in jungen Jahren in's Grab gesunken > war, hatte seine Mutter, Amalasunta, den Thron bestiegen. Ungern ertrugen die gothischen Helden die Herrschaft eines Weibes; es sei eine Schmach, behaupteten sie, daß die Spindel über die Sperre herrsche. Dem Drängen derselben uachgebend, hatte sie ihren Vetter Theodahad zum Mitregenten angenommen. Damit war aber das Nebel nicht beseitigt. Unaufhörliche Reibereien und Streitigkeiten zerrütteten von nun an das Reich der Gothen. Nicht allein, daß Gothelindis, die Gemahlin Theodahads, eine persönliche Feindin Amalasunta's war; es war auch ein tieferes, inneres Zerwürfniß vorhanden. Der große Theoderich hatte die alte Cultur der Römer mit dem gothisch-germanischen Wesen zu verbinden versucht. Dem entsprechend hatte er seine Tochter erziehen lassen. Amalasunta liebte die Wissenschaften, die Poesie und die Künste. Ihre Bildung war eine so große, daß sie die Aeneide des Virgil'in griechische Hexameter zu übertragen vermochte. Diese Uebersetznng, welche die Königstochter unter dem angenommenen Namen Tullia heransgab, wurde um jene Zeit sehr geschätzt. Die Folge dieser hohen Bildung und sorgfältigen Erziehung war, daß Amalasunta ihre Staminesgenosscn als rohe Barbaren geringschätzte und mehr nach dem Beifall der Römer als nach dem der Helden ihres Volkes strebte. Wäre Theodahad ein Mann von heldenmüthiger Thatkraft gewesen, so hätte er die Absetzung Amalasunta's leicht erwirken können- Allein, er war ein schwacher Charakter, dessen hervorstechenden Zug die Habsucht bildete. So war denn eine große Partei im Gothenreiche vorhanden, welche die Tochter des großen Theoderich nicht fallen lassen wollte. Die Feindschaft Gothelindis gegen ihre Nebenbuhlerin auf dem Throne ging soweit, daß sie derselben nach dem Leben trachtete. In dieser Noth beschloß Amalasunta sich an Kaiser Justinian um Hilfe und Schutz zu wenden. Unter Kaiser Leo I. waren drei junge Bauernsöhne aus dem verödeten Lande Dardanien (dem heutigen Bulgarien), eine Tasche mit Lebensmitteln über die Schulter, nach Constantinopel gewandert, um sich dem Dienste der Waffen zu widmen. Der Eine von ihnen hieß Justinus. Er war ohne jegliche Bildung, selbst des Lesens und Schreibens unkundig, aber klug und verschlagen. Er trat in die Leibgarde des Kaisers ein. Unter Leo's Nachfolgern, Zeno und Anastasius, gelangte Justinus zu Reich-

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