Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1882)
- Date
- 1882-02-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447898-2447906--18502-2474547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
180 letzten Monatsbericht mitgetheilt, hat das C.-Comitö beschlossen, die Auswanderung nach Amerika zu sistiren. Der „Board" von New-Uork und unsere Glaubensgenossen in den Vereinigten Staaten brauchen Zeit, um die von der Alliance expedirten 1600 Personen unterzubringen. Das New-Aorker Hilfs-Comits hat sich reconstituirt und, wie man aus den weiter unten veröffentlichten Notizen ersieht, ist von demselben, sowie von dem Board von New- Aork und den amerikanischen Gemeinden, Vereinen und Logen eine große Thätigkeit zu Gunsten der russischen Israeliten entfaltet worden, aber Hunderte von Menschen unterzubringen, ist ein schwieriges und langsames Werk, besonders wenn man von den Ereignissen überrascht worden ist, wenn man keine Zeit gehabt hat, eine genügende Organisation vorzubereiten, und wenn die Emigranten weder die Sprachen, noch die Sitten des Landes, in das sie kommen, kennen und auch weniger, als man dachte, zur Arbeit geeignet erscheinen. Die Israeliten von Amerika, ohnehin schon mit Armen beladen, wenigstens in manchen Städten, wie in New-Aork, wo die Gemeinde ea. 10,000 Arme zu unterhalten hat, konnten in diesem Jahre keine größere Zahl von Emigranten mehr aufnehmen. Das C.-Comits konnte übrigens nicht einen Augenblick daran denken, Emigranten ohne die Mitwirkung der amerikanischen Israeliten und des Boards zu expediren; diese sich selbst überlassenen Emigranten wären ernstlich in Gefahr, gleich bei der Ankunft in Amerika, dem Gesetze der Vereinigten Staaten gemäß, nach Europa zurückgeschickt zu werden, oder, wenn auf amerikanischem Boden zugelafsen, vorNoth daselbst umzukommen. Die Emigration wird vielleicht später wieder ausgenommen werden, wenn auch die Zeit hierfür sich jetzt noch nicht genau, bestimmen läßt; für's Erste müssen unsere amerikanischen Glaubensgenossen, die sich gegenwärtig hierauf vorbereiten, die Emigranten, welche sie bis jetzt erhalten haben, vollständig untergebracht haben; die europäischen Gemeinden und Vereine werden dieselben zu diesem Zwecke unterstützen und ihnen Geldsubventionen bewilligen müssen. Die Alliance ist bereits auf diesem Wege vorangegangen und hofft, daß man ihr auf demselben folgen werde. Diese Subventionen werden nebst den von den amerikanischen Israeliten bereits gesammelten Summen zur Unterhaltung der Emigranten bis zu ihrer Unterbringung, sowie zum Reisegeld für dieselben von New-Aork bis zu ihren neuen Wohnorten und zu ihrer Einrichtung daselbst, zur Anschaffung von Handwerkszeug, Erziehung der Kinder 2c. verwendet werden. Es ist zu wünschen, daß unsere amerikanischen Glaubensgenossen für diese verschiedenen Zwecke die Mitwirkung Europas erlangen möchten. Die Einstellung der Emigration, wenigstens für diese Saison, hat jedoch dem russischen Hilfswerk und den ernsten Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, kein Ende gemacht. Man erinnert sich, daß ursprünglich eine große Anzahl von Flüchtlingen in Brody sich angesammelt hatte, die daselbst vor Hunger und Kälte umkamen mw denen die Alliance Hilfe bringen wollte. Diese Menge vergrößerte sich bald durch die neuen in Rußland begangenen Excesse und, "man muß es sagen, durch die falschen Nachrichten und sogar untergeschobenen Briefe, die man in Rußland verbreitet hat und nach denen die russischen Israeliten die Reisekosten nach Amerika, Ländereien in diesem Lande und ein Betriebskapital zum Anbau derselben von der Alliance erhalten sollten. Wir haben unser Möglichstes gethan, um dieser Massenansammlung zu steuern und sie zu verhindern; das C.-Comits hat anfänglich seine Action in Brody geheim gehalten und sich lauge Zeit jede Veröffentlichung in Betreff derselben versagt; vielfache Anzeigen in den Zeitungen haben die falschen im Namen der Alliance veröffentlichten Versprechungen dementirt; später ist mit der guten Mitwirkung des Herrn vr. Bamberger in Königsberg an die russischen Rabbinen und Gemeinden ein Circularschreiben gerichtet worden, um all' die Jrrthümer und Illusionen zu zerstreuen. Diese Anstrengungen haben jedoch nur iheilweise ihren Zweck erreicht. Als H. Charles Netter Brody verließ, ließ er daselbst 1258 Personen zurück, über die er genaue Angabe bezüglich der Heimath, des Alters und Gewerbes derselben hatte; außer diesen sicher aus Rußland gekommenen Flüchtlingen enthielt Brody noch viele fremde Armen, deren Zahl sich noch weiter vermehrte und bis auf ca. 2000 gestiegen zu sein scheint. Das C.-Comits meint nicht, daß es sich mit dieser Kategorie von Flüchtlingen, die größtentheils nicht aus Ländern kommen, wo die Verfolgungen gewüthet haben, die vielmehr gewöhnliche Bettler sind und nur die Gelegenheit benutzen wollen, zu beschäftigen habe. Dagegen hat es denjenigen Personen, welche H. Netter gesehen hat und deren russischer Ursprung sicher schien, Subventionen bewilligt. Es hat etwa 250 Familienvätern, welche mit Frauen und Kindern eine Zahl von 458 Personen ausmachen und ein Gewerbe verstehen, eine Unterstützung von 150 Fr. für den Familienvater und von 75 Fr. für jedes andere Familienglied gewährt, um dieselben in den Stand zu setzen, sich irgendwo im Westen niederzulassen, da man sich so viel als möglich versichert hat, daß sie wirklich Handwerker sind. Die anderen 800 Personen, unter denen es keine Handwerker gibt, haben eine kleine Unterstützung von 20 bis 25 Fr. pro Person zu ihrer Rückkehr in die Heimath erhalten. Ein provisorisches Counts