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Der Israelit · 1882-02-15 · Heft 7 (15.2.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 7 (15.2.1882)
Date
1882-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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158 Duldung der Juden zu Ende. Ferdinand der Katholische verbannte sie auf Anstiften des Großinquisitors Torquemata, des großen Ketzerfressers, aus dem Reiche. Sie mußten wegen des kurzen Dermins, den man ihnen zur Auswanderung gab, ihr Hab und Gut so verschleudern, daß mancher sein Haus für ein Maulthier hergab, welches ihn in die Verbannung trug. So verlor im Jahre 1492 Spanien 800,000 seiner besten und gebildetsten Unterthanen. Es gab keine Aerzte mehr und viele Lehranstalten mußten wegen Mangels an Lehrern geschlossen werden. Roch heute genießen die spanischen Aerzte des schlechtmöglichsten Rufes. Bei den Autos de Fö (dieses ist der richtige spanische Ausdruck und nicht Auto daFß, was portugiesisch ist) wurden in Spanien im Laufe von drei Jahrhunderten 31,920 Menschen lebendig 16,759 in effigie verbrannt und 291,350 theils erdrosselt, verbrannt und theils zu lebenslänglichem Kerker verurtheilt. Die Zahl der geheimen, unbekannten Opfer der Inquisition in Spanien mag noch viel größer sein. Und es sind noch nicht hundert Jahre, daß in Spanien der letzte Scheiterhaufen loderte! Rußland. Petersburg. Lord Campbell of Stratheden, gewesener Ministerkollege Beaconssield's, ist hier eingetroffen, um sich über die Details der Juvenversolgungen in Rußland genau zu informiren. Derselbe gedenkt seinen Bericht über die diesbezüglichen Erhebungen noch am 7. Februar im Hause der Gemeinen gelegentlich der Verhandlungen über die Interpellation Worms' vorzutragen. Bialystok, 20. Januar. Ein schreckliches Verbrechen wurde dieser Tage in der Umgegend von Bialystok verübt und hätte dort beinahe den Impuls zu einer verbrecherischen Ausschreitung gegen die Juden gegeben. Ein reicher Schweinehändler, welcher bei einem dortigen Geistlichen übernachtete, wurde von demselben ermordet und seiner Baarschaft von circa 20,000 R. beraubt, worauf der Mörder die Leiche in einen Sack steckte und in die Wohnung eines benachbarten jüdischen Schankwirthes trug, woselbst er dieselbe in einem Winkel zurückließ. Tags darauf wurde der Mord konstatirt und der Jude nebst dessen Frau gefänglich eingezogen. Kaum war die Nachricht davon in der Stadt verbreitet, als sich eine nicht geringe Aufregung gegen die Juden bemerkbar machte, und es vergingen zwei Tage der schrecklichsten Pein für dieselben. Am dritten Tage erschien endlich ein alter Bettler, welcher sich Tags über auf dem Kirchhofe aufhielt, beim Untersuchungsrichter und theilte ihm mit, das er zufällig während der Nacht bei der Wohnung des Geistlichen vorübergegangen und Zeuge des Verbrechens gewesen sei. Zum Beweise seiner Anklage bat der Bettler, man möchte ihn umkleiden und in Begleitung einiger verkleideter Polizisten nach der Wohnung des Geistlichen schicken, woselbst gewiß noch Spuren des Mordes, sowie das geraubte Geld zu finden sein werden. Dem Gesuche des Bettlers willfahrend, begab sich der Untersuchungsrichter in Begleitung einiger verkleideter Polizisten in die genannte Wohnung, woselbst sie die Aussage des Bettlers bestätigt fanden. Der wahre Mörder wurde sofort verhaftet und die unschuldig Verdächtigten, welche man inzwischen festgenommen, auf freien Fuß gesetzt. (Jüd. Pr.) Feuilleton. 'Uarthenope. VII. Die Räuber hatten sich erst vor kurzer Zeit entfernt, als Amina kam, um ihre Herrin abzuholen. Es war unterdesfen vollständig dunkel geworden und Amina war in höchstem Grade erstaunt, daß Veturia, trotzdem sie Besuch hatte, kein Licht augezündet. Schon wollte sie das dunkle Gemach, welches sie leer glaubte, wieder verlassen, als sie ein leises Aechzen vernahm. „Wer seufzt da?" fragte Amina. Einige Augenblicke lang blieb Alles still, bis sich das Aechzen wiederholte. „Alle guten Geister," rief Amina voll Schrecken, „loben Gott den Meister!" Nnd sie wollte eilig davonlaufen. Da drangen die unartikulirten Töne lauter aus dem Winkel hervor, und Amina glaubte Veturias Stimme zu erkennen. „Um aller Heiligen willen," rief sie, „bist Du es, Veturia, oder ist es eine Geisterstimme, die ich vernehme?" Unterdeß war es Veturia gelungen, den Knebel, der ihren Mund verstopfte, ein wenig zu lockern. „„Amina,"" konnte sie jetzt lallen, „„ich bins! Mache Licht und hilf mir!"" Amina eilte in den Küchenraum und fand dort unter dem Marienbilde eine brennende Lampe, die sie schleunigst in das Gemach trug. Dann nahm sie ein Messer und befreite Veturia von ihren Banden. „Um aller Heiligen willen," rief sie, „was ist geschehen, wo ist meine Herrin?" „„.Geraubt, gestohlen"", rief die von.ihren Banden befreite Veturia. „„Laß uns eilig den

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